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Werbewagen für Ovomaltine in den 1930er-Jahren.

Werbewagen für Ovomaltine in den 1930er-Jahren. Bild: Firmenarchiv Wander AG

Ovomaltine – von der Apotheke in den Supermarkt

Ovomaltine ist ein beliebtes Frühstücksgetränk. Erfunden hat es ein Chemiker und in der Anfangszeit war es nur in der Apotheke erhältlich.

Gabriel Heim / Schweizerisches nationalmuseum



Angepriesen wurde das Malzpräparat als «Kraftnährmittel für Bleichsüchtige, Blutarme, geistig oder körperlich Erschöpfte sowie für stillende und schwächliche Frauen». Mit dieser Annonce für sein neuestes Produkt wirbt der Berner Chemikalien- und Malzzuckerfabrikant Albert Wander 1904 in der schweizerischen Wochenschrift für Chemie und Pharmazie. Dabei sind die Gerstenmalzextrakte nur ein kleiner, wenn auch vom Gründer des chemisch-technischen und analytischen Laboratoriums, Georg Wander (1841-1897), beharrlich entwickelter Geschäftszweig.

Hier bloggt das Schweizerische Nationalmuseum

Drei Museen – das Landesmuseum Zürich, das Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis sind unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums vereint.
Im Blog veröffentlichen Mitarbeiter des Nationalmuseums und renommierte Gastautoren Beiträge zu aktuellen Themen. watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen daraus. Der Beitrag «Von der Apotheke in den Supermarkt» erschien am 3. Januar 2019. 
blog.nationalmuseum.ch/2019/01/die-geschichte-der-ovomaltine/

Sein Sohn Albert, mehr Entrepreneur als Tüftler, beginnt nach dem Tod des Vaters das Unternehmen zielstrebig zu erweitern. Um die Jahrhundertwende produziert die stetig expandierende Wander AG: Pillen, Tabletten, Granulate, Salben und Suppositorien zur Linderung aller nur erdenklichen Beschwerden, aber auch Nährmittel, aromatische Sirups, Zahnpasten, Kinderpuder und allerlei wohlklingende kosmetische Präparate, die – landauf landab – den Namen Wander bei den Apotheken und ihren Kunden bekannt gemacht haben. Die Wander AG ist so vielfältig, dass sie bis 1940 mehr pharmazeutische Präparate am Markt hat als die Basler Sandoz. 

Die erste Ovomaltine-Dose von 1904 war noch nicht im typischen Orange gestaltet.

Die erste Ovomaltine-Dose von 1904 war noch nicht im typischen Orange gestaltet. Bild: Firmenarchiv Wander AG

Ovomaltine zuerst nur in Apotheken verkauft

Trotz der schönen Erfolge mit Pillen und Pasten will der ehrgeizige Patron das traditionelle Kerngeschäft, die Malzprodukte, weiter vorantreiben. Er spürt, dass er sich mit dem Gemischtwarenladen seiner Spezialitäten – Malz zur besseren Verdauung, Malz jodeisenhaltig, Malz mit Brom gegen Keuchhusten, Malz mit Lebertran oder als Bonbon in Kugelform – verzetteln wird. Ihm schwebt ein universeller Kraftspender vor; ein Nährmittel für Gesunde und Kranke, für Junge und Ältere, für Sportler und Stubenhocker.

In langwierigen Versuchen schaffen es die Chemiker der Wander AG den Malzextrakt mit Milch, Ei, Hefe und Kakao zu vermengen und so zu konservieren, dass die Nährwerte erhalten bleiben. 1903 gelingt damit der Durchbruch, zunächst als Maltosan, ein Jahr später als Ovomaltine. Das neuartige Kraft- und Nährmittel wird zunächst nur in Apotheken verkauft. Ab 1922 positioniert die Wander AG ihr Flaggschiff durch gezielte Werbung als Frühstücks- und Schlummertrunk für eine zunehmend körper- und gesundheitsbewusste Allgemeinheit. 

Auch das Militär interessierte sich für Ovomaltine. Das Getränk ist lange haltbar und braucht wenig Platz im Marschgepäck.

Auch das Militär interessierte sich für Ovomaltine. Das Getränk ist lange haltbar und braucht wenig Platz im Marschgepäck. Bild: Firmenarchiv Wander AG

Der Absatz verdreifacht sich. Albert Wander, der seinem Nährmittel einen Weltmarkt zutraut, beginnt noch vor dem Ersten Weltkrieg mit dem Aufbau eines Ovomaltine-Imperiums. Es entstehen die Wander Company in Illinois (USA), die Etablissements Wander in Frankreich oder die Wander Limited in London, die eine grosse Fabrik in der Grafschaft Hertford betreibt. In rascher Folge werden Produktionsstätten und Niederlassungen in Budapest, Wien, Prag, Zagreb aufgebaut – um nur einige zu nennen. Ovomaltine avanciert zum Inbegriff eines Kraftspenders für den aktive Menschen. 

Langlauf-Wettkampf in Le Brassus 1955, Porträt von Benoît Carrara mit Ovomaltine.

Langlauf-Wettkampf in Le Brassus 1955, Porträt von Benoît Carrara mit Ovomaltine. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Eidgenössische Kriegskommissariat die Wander AG 1937 auffordert, eine nahrhafte Zwischenverpflegung für die Truppe zu entwickeln. Im Hochgebirge soll sie ein Mittagessen ersetzen können und zudem so lagerfähig sein, dass sie als ein «Notvorrat für alle» genutzt werden kann. Es entsteht die Militär-Ovomaltine, die später als Ovo Sport vermarktet wird.

Von nun an kommt kaum ein Sportanlass in der Schweiz ohne Ovo-Werbung aus. Pelé und Muhammad Ali, Skikanonen, Waffenläufer und der Tour-de-Suisse-Sieger Ferdy Kübler preisen den Kraftspender. Mount Everest Bezwinger Sir Edmund Hillary hatte die Ovo sogar im Gipfelrucksack. Sie alle haben es mit hartem Training und Ovomaltine weit gebracht, textet die Werbeabteilung von Wander in den 1950er-Jahren. 

1967 übernimmt die Sandoz AG, Basel die ehemalige Konkurrentin. 2002 geht die Wander AG an einen britischen Nahrungsmittelkonzern über, was viele Schweizerinnen und Schweizer damals als Verkauf eines Stückchens Heimat empfunden haben. 

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Geschichte der Ovomaltine in einer kurzen Doku.  Video: YouTube/wocomoCOOK

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Ovomaltine-Werbung von 1965. Video: YouTube/Ovomaltine

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Amerikanische Ovaltine-Werbung aus den 1950er-Jahren. Video: YouTube/Saturday's World

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

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    Alle Leser-Kommentare
  • Statler 07.01.2019 16:57
    Highlight Highlight Passend dazu, dieser Song ;)
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  • Janis Joplin 07.01.2019 13:30
    Highlight Highlight Tell legte seine Stirn in tiiiiiefe Runzeln: *boloum* - "Häsch dini Ovo scho ghaa ?!"
  • Nelson Muntz 06.01.2019 20:16
    Highlight Highlight Guter Anfang, aber ein bisschen mehr Fleisch am Knochen wäre schön gewesen. ZB wem gehört Ovo heute? Wo auf der Welt gibt es kein Ovo?
  • Mimimimi 06.01.2019 19:48
    Highlight Highlight "Ein britischer Nahrungsmittelkonzern" ist Associated British Food. Der Name sagt mir ehrlich gesagt nichts, gemäss Wikipedia hat die Firma aber 130'000 Mitarbeiter und macht 18 Mrd CHF Umsatz. Weitere bekannte Produkte: Twinings Tee und Tsingtao Bier.
    • bebby 07.01.2019 03:04
      Highlight Highlight Tsingtao Beer ist ein eigenständiger chinesischer Konzern.
      Egal, was ich eigentlich dazu sagen wollte, ist, dass ein Mitarbeiter mir bereits vor Jahren gesagt hatte, dass der Wechsel von Novartis zu einem Nahrungsmittelkonzern ihnen viel gebracht hat. Zuvor waren sie nur ein niedrigmargiges Nebenprodukt und jetzt hat die Konzernleitung ein viel besseres Verständnis für das Produkt und fördert es entsprechend.
  • Baba 06.01.2019 19:11
    Highlight Highlight Ich habe noch so eine uuuuralte ungeöffnete Büchse Ovomaltine. Keine Ahnung, wie alt, aber der Inhalt ist immer noch pulverförmig (hört man, wenn man schüttelt). Von meiner Grosstante geerbt und die steht jetzt neben - einer wohl ähnlich alten - Kaffee Hag Bücher als Deko in der Küche 😊. Find' die alten Verpackungen einfach schön.
    Benutzer Bild
  • Franzl 06.01.2019 19:08
    Highlight Highlight Was die wenigsten Konsumenten bemerkten: seit ein paar Jahren ist in der Ovomaltine kein Ei mehr drin! Obschon es noch immer Ovomaltine (Eimalzin) heisst.
    Das Rezept wurde wegen Allergiegründen geändert.
  • G. 06.01.2019 18:33
    Highlight Highlight Für genau solche Artikel wie diesen hier, mag ich Watson sehr :-)
    • ingmarbergman 07.01.2019 07:50
      Highlight Highlight Der Artikel ist nicht von Watson, sondern von Landesmuseum.
    • Blitzmagnet 07.01.2019 10:27
      Highlight Highlight Klugscheisser, und trotzdem erscheint er bei Watson und nicht bei der Konkurrenz ;)
  • Pierre Beauregard 06.01.2019 17:59
    Highlight Highlight Was mich erstaunt: Gemäss Bild hat die Dose Ovo vor über 100 Jahren 3.25 CHF gekostet?
    Wenn man den Teuerungsrechner zur Hilfe nimmt, würde heute im Vergleich die Ovo 30 CHF kosten...?
    • abishot 06.01.2019 18:13
      Highlight Highlight Hab ich mich auch gewundert. Wurde damals sehr wahrscheinlich als eine Art Medizin verkauft, vielleicht daher der hohe Preis
    • ubu 06.01.2019 18:22
      Highlight Highlight Nimmt man den von der Uni Bern vorgeschlagenen Konsumentenpreis-Index sinds gar 40 Franken. Und ja: Es war eine Art Medizin und wurde entsprechend teuer verkauft.

      Quelle & Deflationstool: http://www.swistoval.ch/content/beispiele-einzelwerte.de.html#ovo
    • Olf 06.01.2019 18:36
      Highlight Highlight Das Original-Rezept hatte einen Kokainanteil von 35%, deswegen der hohe Preis.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Absintenzler 06.01.2019 17:54
    Highlight Highlight Schon ein tolles Produkt!
    Und Biomalt/Viomalt gehörte irgendwie auch zu einer Schweizer Kindheit. (Damals noch in der Dose.)
    Benutzer Bild
    • Biindli 06.01.2019 18:55
      Highlight Highlight Oh ja. An das kann ich mich sehr gut erinnern. 1en Löffel am Tag. Ich habe es gehasst, meine Geschwister hätten auch 5 Löffel gegessen.
    • Janis Joplin 07.01.2019 13:29
      Highlight Highlight Oh wie geil ♥ Ich würd heute noch die ganze Büxe auf einmal leeressen!

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