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«Wir sind dort angekommen, wo ich hoffte, nie anzukommen» – zwei User, die die besten Worte zu einem Bild fanden, das wir nicht zeigen wollten

04.09.2015, 17:16
User input
Der User schickt’s, wir bringen’s.

Es ist schwierig, dieser Tage Worte zu finden. Und doch hilft der Austausch oder das schlichte Niederschreiben der eigenen Gedanken beim Verarbeiten des «Erlebten».

Ich freue mich sehr, dass es bei watson in den Kommentaren oft sehr konstruktiv und freundlich zu und her geht. Nicht selten finden die User die besseren Worte, als ich sie aneinander reihen könnte. Zum Beispiel diese zwei:

«Verdammt noch mal! Braucht es diese Bilder des 3-jährigen, ertrunkenen Kindes, damit wir uns bewusst werden, was mit Flüchtlingen wirklich abläuft. Boat people, Menschenhändler, «Fluchthelfer» die skrupellos und gierig die Flüchtlinge bis zum letzten Cent «ausnehmen». Eltern, die Kleinkinder bei sich haben, sind bereit, jede Summe zu bezahlen.
Aber: Das wussten wir doch schon längst – oder etwa nicht. Erst die Bilder des ertrunkenen Kindes brauchte es, um das Blut in den Adern stocken zu lassen! Für einen Moment – dann gehen wir zur Tagesordnung zurück! Wo sind wir angekommen?»
Rodolfo

Und als Antwort darauf:

Wir sind leider dort angekommen, wo gewisse Politker mit zynischen Sprüchen über genau dieses Drama im Mittelmeer geschmacklose Witze machen. Wir sind dort angekommen, wo wir in Zukunft wohl bei jedem Strandurlaub damit rechnen müssen, dass eine Leiche angespült wird und wir mit dem Versagen unserer Politik und unserer angeblichen Menschlichkeit konfrontiert werden.
Wir sind dort angekommen, wo ich hoffte, nie anzukommen.
Tatwort

Das klingt zwar arg emotional, aber ich bin überzeugt, dass Bilder, wie die des toten Flüchtlingjungen, bei sensiblen Menschen sehr wohl negative Spuren hinterlassen können. Da ist es dann nicht das gewünschte «Aufrütteln», sondern es könnte eine lähmende Apathie oder gar Depression auslösen. 

Deshalb ist es auch wichtig, dass wir uns austauschen, um herauszufinden, wie solche «starke Bilder» (um es mal so zu formulieren) auf jemand Anderen wirken können. Wer solche Aufnahmen verbreitet, sollte es im Wissen tun, dass nicht alle gleich reagieren, wie man es selber tut.

Hier auf der Redaktion waren wir extrem unsicher, ob wir das Bild des angeschwemmten toten Jungen zeigen sollten oder nicht. Einerseits soll man User nicht ohne Vorwarnung mit Bildern schockieren. Andererseits drückt kein Bild die Misere und die Debatte um angebliche Wirtschaftsflüchtlinge so gut aus, wie die angespülte Leiche eines unschuldigen Kindes. Das Bild könnte zur Ikone des gesamten Konflikts werden. Ein Argument war auch, dass sowieso inzwischen alles in den sozialen Medien gezeigt wird und alte Regeln nicht mehr gelten. Wir entschieden uns letztlich dagegen, da der Schrecken des Konflikts wohl jedem halbsensiblen Mitmenschen auch unabhängig von diesem Bild klar ist.

Ich verstehe, wenn für dich das Thema durch ist und wenn du es satt hast, dir dazu noch weiter den Kopf zu zerbrechen. Klicke weiter. Es ist voll okay.

Wenn du jedoch magst, dann schreibe in die Kommentare, was das Bild bei dir ausgelöst hat oder nachwirken lässt.

Oder teile uns deine Meinung mit, ob du es richtig findest, dass watson das Bild nur als Illustration gezeigt hat. 

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Kinder auf der Flucht

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Kinder auf der Flucht
quelle: ap/ap / burhan ozbilici
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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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's all good, man!
04.09.2015 21:23registriert September 2014
Das Bild selber habe ich gar nicht gesehen - die Illustration und die Berichte reichen mir eigentlich, um es präsent genug vor dem inneren Auge zu haben.

Einige Kommentierer hier scheint es aber noch immer nicht genügend aufgerüttelt zu haben. Schon beim nächsten Artikel werden wieder unglaublich ignorante, menschenverachtende Kommentare vom Stapel gelassen und von der stillen Likes-Verteilarmada auch noch zu Dutzenden gutgeheissen. Hier stosse ich ganz ehrlich an meine Grenze, ich persönlich habe grosse Mühe damit, das noch verstehen, noch fassen zu können. Da möchte ich mich am liebsten aus den Diskussionen rausnehmen, dann aber trotzdem nicht schweigen, weil irgendwie müssen wir ja gegen diese Ignoranz und Fremdenangst ankämpfen.

Gopfätamminamal!
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Statler
04.09.2015 18:43registriert März 2014
Mir wird schlecht, wenn ich das Bild sehe, es schnürt mir den Atem ab und ich könnte nur noch kotzen - auch und vor allem aus dem Wissen, dass das bereits 1000e Male passiert ist...
Und trotzdem sollte man das Bild zeigen - gross, Bildschirmfüllend. Verdammt, nein, man sollte die ganze Stadt damit zupflastern, genau so, wie es die SVP mit ihren Wahlplakaten macht.
Wenn ihr dafür sammelt - meine Spende habt ihr.
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Sa Tiin
04.09.2015 21:27registriert September 2015
Ich bin selbst eine Kurdin, mit meinen eltern sind wir vor über 20 Jahren in die Schweiz geflüchtet.
Damals war alles anders.
AI hat uns alle zusammen hergebracht, wir haben in einem ehemaligen Hotel gewohnt, die Heimbetreuer waren alle grossartig.

Heute......
Der kleine Junge ist nur ein Beispiel, von 100000 Menschen die so, oder auf schlimmere Weise ums Leben kommen. Auf der Flucht vor dem Bösen (ISIS) in eine bessere und heile Zukunft. Mir tut es schrecklich Leid für den Vater, der jetzt ganz alleine zurück bleibt.
Mit seiner Trauer, seinem Leben... Und seinen unerfüllten Träumen !
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