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epa05900033 Swiss rider Thomas Luthi of Kalex celebrates his third place during the Moto 2 Category race at the Grand Prix of Argentina MotoGP, in the Termas de Rio Hondo, Santiago del Estero, Argentina, 09 April 2017.  EPA/David Fernandez

Tom Lüthi darf bei Saisonhälfte noch immer vom WM-Titel träumen. Bild: EPA/EFE

Lüthi und Aegerter – wie zwei Töffstars zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind

Erfreuliche «Halbzeit-Bilanz» der Töff-WM. Tom Lüthi (30) kann Weltmeister werden und Dominique Aegerter (26) ist drauf und dran, trotz technischem Rückstand seine «Depression» zu überwinden.

klaus zaugg, sachsenring



Tom Lüthi hat die beste erste Saisonhälfte seiner Karriere hinter sich. Wenn er auch noch den «Härtetest Sachsenring» besteht und erneut aufs Podest fährt, dann steht ihm der Weg zum WM-Titel offen. Beim GP von Deutschland hat er bis heute erst einen Podestplatz geholt – 2005 bei den 125ern. Am Ende der Saison war er Weltmeister.

Die Statistik ist eindrücklich: In acht Saisonrennen stand er siebenmal auf dem Podest. Am ersten Trainingstag zum GP von Deutschland hat er am Freitag die Bestzeit erzielt.

So aggressiv, schnell und konstant wie in dieser ersten Saisonhälfte fuhr der Emmentaler nicht einmal in seinem Titeljahr von 2005 (125 ccm). Der Rückstand auf WM-Leader Franco Morbidelli beträgt bloss 12 Punkte. Mag sein, dass der acht Jahre jüngere Italiener in Extremsituationen schneller ist. Aber Tom Lüthi macht weniger Fehler. Deshalb ist es Franco Morbidelli auch mit fünf Siegen nicht gelungen, den noch sieglosen Tom Lüthi im WM-Gesamtklassement zu distanzieren. Weil er sich schon einen Sturz (einen «Nuller») geleistet, Tom Lüthi aber in jedem Rennen gepunktet hat. Und traditionell ist der Schweizer in der zweiten Saisonhälfte besser.

Schluss mit «Glanz & Gloria»

Wie ist dieser «zweite Frühling» von Tom Lüthi möglich geworden? Salopp formuliert: «Glanz & Gloria» auf und nicht mehr neben der Piste. Tom Lüthi ist zwar nie Starallüren verfallen. Und doch musste er sich von einer mehrjährigen «Glanz & Gloria»-Phase lösen. Die langjährige Beziehung mit der flamboyanten Fabienne Kropf sorgte jahrelang für einen Hauch von Glamour, Glanz und Gloria. Und er zog auch von Linden weg. Ins Tal hinunter nach Oberdiessbach, mit etwas mehr als 3000 Einwohnern doppelt so gross wie sein Heimatdorf.

Nun ist Tom Lüthi zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Er wohnt seit kurzem wieder in Linden. Und er ist mit sich selbst und der Welt im Reinen. Er sagt: «Ich fühle mich rundum wohl». Noch nie seit dem Einstieg ins GP-Geschäft auf dem Sachsenring im Sommer 2002 war es im Umfeld von Tom Lüthi so ruhig, so windstill. «Glanz & Gloria» findet nur noch auf der Piste statt. Aber nicht mehr im Umfeld.

Tom Lüthi ist ein gefragter Mann

Die entscheidende Verbesserung gegenüber den letzten Jahren: Er fährt viel aggressiver und näher am Limit. So hat er seine notorische Startschwäche überwunden. Er lässt sich im Gedränge nach dem Start nicht mehr einschüchtern. «Wir haben dieses Problem bei der Analyse der letzten Saison erkannt», sagt sein Entdecker, Manager und langjähriger Freund Daniel M. Epp. In der Vorsaison hatte Tom Lüthi gezielt an der Intensivierung seiner Fahrweise gearbeitet und sich näher an die Limiten herangetastet. Eine intensive Lernphase in der Vorbereitung auf seine 15. Saison.

Epp sagt, im Rennsport passiere sehr viel im Kopf. «Tom versteht es inzwischen, sich im entscheidenden Moment hundertprozentig zu konzentrieren und jeden störenden Faktor auszublenden.»

MotoGP bleibt der grosse Traum

Noch vor einem Jahr war das nicht in diesem ausgeprägten Masse der Fall. Die Unsicherheit in der Zukunftsplanung – ein Wechsel zu KTM wäre möglich gewesen und wurde ernsthaft erwogen – brachte ihn bei Saisonhalbzeit aus dem Konzept. Die zwei Stürze, in Assen und auf dem Sachsenring, sollten ihn letztlich den WM-Titel kosten. Vor einem Jahr wirkte er hier am Vorabend zum GP von Deutschland unsicher und hektisch – kein Vergleich zum ruhigen, souveränen Auftreten in diesen Tagen.

Inzwischen lässt sich Tom Lüthi auch nicht mehr durch die für dieses Geschäft so typischen Mutmassungen aus der Ruhe bringen, die jedes Jahr spätestens im Juni ins Kraut schiessen.

Swiss  Moto2  driver Thomas Luethi , front of Team CarXpert Interwetten competes during an open  practice at Sachsenring circuit in Hohenstein-Ernstthal, Germany, Friday, June 30, 2017 ahead of the German Grand Prix on Sunday, July 2. (Hendrik Schmidt/dpa via AP)

Der Sachsenring liegt Tom Lüthi. Bild: AP/dpa

In Italien ist das Gerücht gestreut worden, ein Aufstieg in die MotoGP-Klasse könnte nächste Saison im Honda-Team von Lucio Cecchinello möglich sein. «Das ist ganz einfach frei erfunden», sagt Manager Epp. «Ich bin regelmässig mit den Leuten von Honda und Lucio Cecchinello in Kontakt, das Fahrerlager ist ja wie ein Dorf. Aber wir haben nie auch nur ein Wort über eine solche Möglichkeit verloren, ja nicht einmal daran gedacht. Dazu kommt, dass wir mit dem bestehenden Team einen Zweijahresvertrag haben, der noch nächste Saison gilt und wir pflegen Verträge einzuhalten.» Ein Wechsel in die «Königsklasse» ist also frühestens für 2019 möglich.

Epp bestreitet hingegen nicht, dass die MotoGP-Klasse nach wie vor das Ziel sei. «Er will dort unbedingt hin. Aber wir haben genug Zeit.» Tom Lüthi wird im September 31. Mit ein bisschen Glück hat er noch fünf, sechs gute Jahre vor sich und im Idealfall krönt er seine Karriere zum Abschluss mit zwei MotoGP-Jahren.

Aegerter wieder in seiner Lieblingsrolle

Dominique Aegerters Halbzeitbilanz sieht am Vorabend zum GP von Deutschland nicht ganz so gut aus – und doch ist er besser als es die Situation (8. WM-Zwischenrang, 98 Punkte Rückstand) vermuten liesse.

Hier auf dem Sachsenring hat er 2014 seinen bisher einzigen GP gewonnen – und nach der anschliessenden «Zwangsehe» mit Tom Lüthi im gleichen Team 2015 und 2016 den inneren und manchmal auch den äusseren Frieden verloren. Selbst Epp sagt inzwischen: «Die Situation war so schwierig geworden, dass Dominique Aegerter gar keine andere Wahl blieb, als das Team zu verlassen. Ich kann ihn verstehen. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass er das Talent zum Siegfahrer hat.»

Swiss Moto2 driver Dominique Aegerter  competes during an open  practice at Sachsenring circuit in Hohenstein-Ernstthal, Germany, Friday, June 30, 2017 ahead of the German Grand Prix on Sunday, July 2. (Hendrik Schmidt/dpa via AP)

Dominique Aegerter hat noch immer das Zeug zum Siegfahrer. Bild: AP/dpa

Nun ist «Domi», ähnlich wie sein Rivale, zu den Ursprüngen zurückgekehrt. Wie zuletzt 2014 fährt er wieder in einem Team, das sich ganz auf ihn ausrichtet. Die Deutschen Stefan und Jochen Kiefer haben zwar nicht die gleichen finanziellen Mittel und technischen Entwicklungsmöglichkeiten wie beispielsweise die Teams von Tom Lüthi oder von Franco Morbidelli. Und die Rückkehr zum Schweizer Töffhersteller Eskil Suter, der nach der Saison 2014 aus und nun wieder ins GP-Business eingestiegen ist, bringt technisch noch keine Vorteile. Im Gegenteil.

Nach zweijähriger Absenz von der Front (2015, 2016) steht die Suter bei Saisonhalbzeit in einigen Bereichen (wie Kühlung und Aerodynamik) noch nicht auf Augenhöhe mit den Kalex-Maschinen. Soeben hat Eskil Suter neue Teile geliefert, um die Kühlwirkung zu verbessern.

Ob die neuen Teile rein technisch etwas bewirken werden, ist ungewiss. Aber es ist wirkungsvoller, technischer «Voodoo»: Die neuen Teile, die eine Überhitzung wie im vorletzten Rennen in Barcelona verhindern sollen, zeigen Dominique Aegerter, dass man sich um ihn kümmert. Das stärkt sein Selbstvertrauen. Er wirkt am Vorabend zum GP von Deutschland gelassen, entspannt und konzentriert wie seit 2014 nicht mehr.

Der sensible Rock’n’Roller schöpft nach zwei Jahren des Zweifels nun wieder Energie aus seiner Lieblingsrolle als Aussenseiter. Und so ist es nun logisch, dass sein Manager Robert Siegrist die Vertragsverlängerung anstrebt. «Es gehört zu meinen Pflichten, dass ich mich kundig mache, welche Möglichkeiten es gibt. Aber Domi fühlt sich wohl bei Stefan und Jochen Kiefer und ich denke, dass es für ihn das Beste ist, wenn er bleibt.»

Dominique Aegerter hat den ersten Trainingstag beim GP von Deutschland auf dem 9. Rang beendet. Er ist bald wieder gut genug für einen Podestplatz.

Die beiden Schweizer Töffstars sind zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt – das ist die Erkenntnis dieser ersten Saisonhälfte.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Von Neidern, Schafen, Stieren, bösen Zungen und Töffstars

Dominique Aegerter war nicht da. Aber beim GP von Malaysia drehten sich viele Gespräche im Fahrerlager um den Rock’n’Roller der helvetischen Töffszene. Er ist inzwischen umstrittener als er denkt. Die Lage ist ernst.

Eine Szene wie aus einem billigen Hollywood-Film. Ein Pilot (Dominique Aegerter) wird von seinem Team auf die Strasse gesetzt und kommentiert daheim in Zürich das Rennen seines Teamkollegen (Tom Lüthi), der im fernen Malaysia um den Titel fährt. Wahrlich, ein wilder, verrückter Töffherbst. Kein Schelm, wer denkt, dass das ganze Theater der letzten Wochen zum Scheitern von Tom Lüthi im Titelkampf beigetragen hat.

Ich habe die Gelegenheit genutzt und mich im Fahrerlager ein wenig umgehört. Es war …

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