Justiz
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Aufnahmen aus einem Mutterkuh-Betrieb im Zürcher Oberland. Bild: zvg / montage watson

Tiere «schwerwiegend vernachlässigt» – Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen Zürcher Bauer

Einem Bauern im Zürcher Oberland wird Tierquälerei vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet. Eine Tierschutzorganisation spricht von einem «extremen Fall».



Zentimeterhoch türme sich der Mist, der Boden sei mit Kot und Urin bedeckt, die Tiere würden vernachlässigt: Es sind happige Vorwürfe, welche die Organisation «Tier im Fokus» (TIF) gegen Landwirt H.M.* erhebt. Dieser führt in einer Gemeinde im Zürcher Oberland einen Mutterkuh-Betrieb. Bilder aus dem Innern des Rinderstalls von Bauer H.M. sollen die Vorwürfe belegen. Sie stammen laut Angaben von «Tier im Fokus» aus dem Juni 2019 und wurden der Organisation auf einem USB-Stick zur Verfügung gestellt.

«Tier im Fokus» hat eine Strafanzeige gegen Bauer H.M. eingereicht. Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich bestätigt man den Eingang der Strafanzeige. Ein Verfahren sei eröffnet worden, es gelte die Unschuldsvermutung.

«Diesen Tieren geht es wortwörtlich dreckig», sagt Tobias Sennhauser, Präsident von «Tier im Fokus» (TIF), gegenüber watson. Die Aufnahmen zeigten, dass die Pflege der Mutterkühe und ihrer Kälber nicht erfüllt werde. «Diese Tiere werden vernachlässigt und das ist gemäss Artikel 26 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes eine Tierquälerei», ist Sennhauser überzeugt.

Bilder aus dem Stall

Tierschutzanwalt zweifelt

Einen zurückhaltenderen Tonfall schlägt Antoine F. Goetschel an. Er ist Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Tierschutzrecht und präsidiert den Verein Global Animal Law (GAL). Vom November 2007 bis zur Abschaffung des Amtes Ende 2010 war er Tieranwalt des Kantons Zürich.

Goetschel betont, alleine aufgrund der Aufnahmen keine abschliessende Bewertung vornehmen zu können, da eine veterinärmedizinische Einschätzung fehle. Vorschriften bezüglich Stallhygiene dürften auf jeden Fall verletzt worden sein, glaubt er. Die Tiere seien zweifelsfrei verdreckt und die Einstreu verkotet.

Doch ob ein tierquälerisches Element vorliege, wie es der Anzeigeerstatter geltend mache, zweifelt Goetschel an. «Wenn ich an die rund 700 Fälle zurückdenke, die ich als Tieranwalt begleitet habe, würde ich nicht unbedingt von einem extremen Fall sprechen.» Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft müsse nun klären, wie der Fall juristisch zu bewerten sei.

«Nutzen juristische Möglichkeiten»

Tobias Sennhauser von «Tier im Fokus» hingegen spricht von einem extremen Fall, wie man ihn selten zu Gesicht bekomme. Die Aufnahmen zeigten, dass die Tiere über mehrere Tage hinweg stark vernachlässigt worden seien.

Seine Organisation setzt sich ein für ein Ende der Nutztierhaltung, für vegane Ernährung und dafür, dass Tiere als empfindsame Wesen mit unveräusserlichen Rechten behandelt würden. Sennhauser verneint den Vorwurf, mit dem Herauspicken einzelner schwarzer Schafe unter den Landwirten grundsätzlich gegen die Nutztierhaltung Stimmung machen zu wollen.

«Wenn wir Tierquälerei dokumentieren und Anzeige einreichen, wollen wir das Leid der Tiere mindern.» Laut Sennhauser gebe es vielerorts gravierende Missstände, die indes vom Tierschutzgesetz gedeckt werden. «Wo es juristische Möglichkeiten gibt, nutzen wir sie.»

Beschuldigter schweigt

Landwirt H.M. schreibt auf Anfrage von watson, dass er sich in Anbetracht des laufenden Verfahrens derzeit nicht zum Fall äussern könne: «Dies kann zu einem späteren Zeitpunkt allenfalls anders aussehen.»

Gemäss «Tier im Fokus» soll gegen H.M. nebst dem Verfahren der Staatsanwaltschaft auch ein verwaltungsrechtliches Verfahren durch das kantonale Veterinäramt laufen. Wie es der gängigen Praxis entspricht, hat das Veterinäramt gegenüber watson die Existenz eines solchen Verfahrens weder bestätigt noch dementiert. H.M. wollte sich zu dieser Frage ebenfalls nicht äussern. (cbe)

* Initialen geändert.

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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hein Doof 06.08.2019 16:38
    Highlight Highlight [...] «Wenn ich an die rund 700 Fälle zurückdenke, die ich als Tieranwalt begleitet habe, würde ich nicht unbedingt von einem extremen Fall sprechen.» [...]

    Schaut euch die Bilder an, keinem Tier in der Nutztierindustrie geht es gut, das wäre viel zu teuer.
  • marmuel 06.08.2019 16:34
    Highlight Highlight Das schockiert nur weil die meisten Leute eine romantische Vorstellung der Viehzucht haben. Induziert durch vom Bund finanzierte "Schweizer Fleisch" Werbung. Leider sind das alles relativ normale Bilder und würden wohl selbst in Bio Betrieben nicht gross anderes aussehen. Falls euch die industrielle Fleischerzeugnis nicht gefällt, dann euren Fleischkonsum überdenken.
  • alessandro 06.08.2019 15:55
    Highlight Highlight Das Tierschutzgesetz ist so lasch, da wird der Bauer wohl mit einer Rüge davonkommen...
  • Füürtüfäli 06.08.2019 15:43
    Highlight Highlight Gehe öfters auf verschiedene Bauernhöfe im Zürcher Oberland Gemüse/Früchte einkaufen. Würde es daher sehr Begrüssen, falls es zutrifft das dieser Bauer seine Tiere vernachlässigt hat, den Namen zu erfahren. Will keine Bauern zusätzlich unterstützen durch mein Gemüse/Früchte kauf. Nicht auf jedem Hof hat man als Kunde Zutritt zum Stall und kann so, die Tierhaltung sehn.
  • Skip Bo 06.08.2019 12:46
    Highlight Highlight Auf den Bildern 1-4 ist das gleiche Tier abgebildet. Es hat offensichtlich Durchfall. Solche Tiere sind schmutziger und haben im Gegensatz zu den anderen kein glänzendes Fell. Solche Durchfallerkrankungen sind oft die Folge von Futterwechseln und klingen nach ein paar Tagen ab. Eventuell braucht es aber einen Antibiotikaeinsatz, wenn's nicht bessert.
    Auf den Bildern 5 und 6 sind die Tiere trotz der dreckigen Tiefstreue relativ sauber. Mehr Stroh wäre nötig. Dieses System ist aber tiergerecht, da die Tiere sich frei bewegen können. Sie sehen gut genährt aus. Momentaufnahmen sagen zuwenig aus.
    • sa5 06.08.2019 17:14
      Highlight Highlight Antibiotika bei Durchfall? Scheint mir das völlig falsche Ansatz.

      Es gibt natürliche Alternativen. Kräutertinkturen, Moor Produkte, oder ganz einfach einige Tage kein frisches Gras füttern. Bei triebigen Gras ist ab und zu eine Gabel Heu Pflicht.

      Das Fell kann natürlich auch so verstrubbelt sein weil das Rind soeben aus dem Regen hereingekommen das Fell noch nicht trocken ist.

      Das Bild ist schlecht und man sieht zu wenig von dem Kontext um etwas Aussagen zu können.
    • Skip Bo 06.08.2019 19:13
      Highlight Highlight Das Hinterteil des Tieres ist verschmiert, struppiges Fell aufgrund von Dehydration, eindeutig Durchfall.
      Antibiotika sollen natürlich erst eingesetzt werden, wenn Hausmittel nicht ausreichen. Bei einer bakteriellen Ursache ist deren Wirkung aber beschränkt. Insbesondere bei Kozidiose sind AB angezeigt.
  • Ohniznachtisbett 06.08.2019 12:32
    Highlight Highlight "...setzt sich ein für ein Ende der Nutztierhaltung [und] für vegane Ernährung..." Was ich mich immer Frage: Wenn wir in einem Land mit wohl - in der einen oder anderen Form - 10'000 Jahren Nutztierhaltung, diese verbieten würden. Wer frisst dann das ganze Gras? Was passiert mit dem Kulturland, z.B. gerade in den Bergen, wo nicht einfach mir nichts dir nichts Ackerbau betrieben werden kann. Dort würde alles verbuschen, was der Artenvielfalt abträglich ist, oder das Land erodiert. Das ist einfach gugus. Aber den Tieren soll es gut gehen, das ist WICHTIG!
    • Christian Mueller (1) 06.08.2019 13:05
      Highlight Highlight Auf Wiesen wachsen prima Nüsse, Beeren und Obstbäume. Eine Verbuschung ist ebenfalls nicht der Artenvielfalt abträglich, sonst wäre es der Nationalpark auch. Hirsche, Gämse und Rehe übernehmen die Rolle der Weidetiere, wenn sie nicht abgeschossen werden. LG ein Fleischesser.
    • Keiahnigvonüt 06.08.2019 13:10
      Highlight Highlight Das Land erodiert, weil das Gras nicht gefressen wird?
      Nicht ganz. Es entsteht Wald, welcher übrigens den bestmöglichen Schutz gegen Erosion bildet. Nicht waldfähige Standorte bleiben jedoch Offenland. Offenlandarten würden in ihrer Häufigkeit ganz klar zurückgehen, aber ausgelöscht würden sie nicht. Wenn ich mir zudem die heute für die Fleisch- und Milchproduktion genutzen Flächen anschaue, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Artenvielfalt durch eine Aufgabe der Tierhaltung zurückgehen würde.
    • ingmarbergman 06.08.2019 13:18
      Highlight Highlight Was passiert mit dem Gras? Echt jetzt?
      Und von wegen Artenvielfalt: hochgezüchtete Fleischrinder oder Milchkühe sind keine Artenvielfalt, das ist Hochleistungsindustrie.
      Du scheinst dich auch mit Landwirtschaft in den Bergen nicht auszukennen. Sonst wüsstest du dass dort heute schon nur extensiver Anbau oder Viehhaltung betrieben wird.

      Aber solange das Fleisch hübsch verpackt in der Migros liegt, ist ja alles in Ordnung, gell.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MeineMeinung 06.08.2019 11:31
    Highlight Highlight Bei solchen Bildern kommen mir fast die Tränen!
    Was für ein widerlicher Mensch muss man sein, um seine Tiere so zu vernachlässigen!
    • lilie 06.08.2019 12:39
      Highlight Highlight @MeineMeinung: Die Tiere sehen schmutzig aus, das stimmt. Wie ihr sonstiger Zustand (Ernährung, Gesundheit...) ist, muss zuerst abgeklärt werden.

      Der Text spricht von "tagelanger Vernachlässigung" - das ist nicht gesagt, dass hier ein gleichgültiger oder sogar bösartiger Mensch am Werk war. Womöglich kam es auch durch Umstände zu einer Überforderungssituation, so dass der Landwirt seinen Tieren (die ja seine Lebensgrundlage darstellen) nicht mehr richtig schauen konnte.

      Hoffen wir, dass die Tiere schnell wieder gut versorgt werden und die Situation geklärt wird.
    • bytheway 06.08.2019 12:50
      Highlight Highlight @lilie Man kann auch einfach alles schönreden...
    • the_dude 06.08.2019 12:55
      Highlight Highlight @lilie - Danke für deinen Kommentar mit einer differenzierter Betrachtung! Gibt es leider viel zu selten in so Kommentarspalten...
    Weitere Antworten anzeigen
  • ChlyklassSFI 06.08.2019 11:01
    Highlight Highlight Ein "tierquälerisches Element" liegt sicher vor. Geit's no?
  • SIEGLINDE 06.08.2019 10:56
    Highlight Highlight Was sind das bloß für Menschen unfassbar für mich nicht nachvollziehbar, wie eben auch die Massentierhaltung . SCHULD dran trägt der Staat da ja alles gefördert und subventioniert wird. Man müsste den Fleischpreis auf 100€ per kilo erhöhen dann ist Schluss mit Lustig. 😭😁 ich esse kein Fleisch
    • emptynetter 06.08.2019 13:22
      Highlight Highlight was hat den das mit Massentierhaltung zu tun?
    • Bau Mol Ain 06.08.2019 14:01
      Highlight Highlight 100.- Sfr bitteschön...
    • sa5 06.08.2019 16:59
      Highlight Highlight Echte Massenhaltung gibt es in der Schweiz nicht.
      So etwas trifft man vornehmlich in den ehemaligen Ostblockstaaten. LPGs/Kolchosen mit 1000 Kühen und mehr.
      Wird heute von Agrarkonzern betrieben auf Land das man Zwangskollektivierung ohne die EigentümerInnen zu entschädigen. US-Amerikaner und Holländer sind groß in diesem Business.
    Weitere Antworten anzeigen
  • skisandtrail 06.08.2019 10:50
    Highlight Highlight Man beachte:
    -Tiere haben relativ wenige und kleine sogenannte "Zellen" - was bedeutet, dass sie noch nicht allzu lange im Dreck sind.
    -einige liegen auf frischer Einstreue - ein Zeichen dafür, dass dies täglich geschieht.
    -Boxen hier sind zu gross (!) für Kälber / Rinder (aber halten bestimmt die Minimalvorschriften ein - manchmal ist Tierschutz nicht Tierschutz)
    Übrigens: Tiere legen sich oftmals in den Dreck, weils dank einstreue zu warm ist.
    Bei diesem Fall wäre ich sehr misstrauisch, auch wenn die Sauerei nicht zu vergessen ist. (In Kanada ist diese Haltung übrigens Gang und Gäbe)
    • wasps 06.08.2019 12:16
      Highlight Highlight Im Ernst jetzt? Dann schlage ich vor, dass Du in den Stall einziehst und einige Tage im Paradies verbringst.
    • AnnaBanana 06.08.2019 12:41
      Highlight Highlight Ich stimme dir zu skisandttail... Die Tiere sind zwar dreckig, haben aber dennoch ein glänzendes Fell, liegen in einer natürlichen Haltung und sind gut in der Körperkondition. Vernachlässigte Tiere würden nicht so gesund aussehen (abgesehen von den dreckigen Stellen)!
    • Gustav.s 06.08.2019 13:10
      Highlight Highlight Das letzte Bild sieht aber sehr nach tagelangem nichtstreuen aus. Sowas darf nicht sein.
      Im übrigen hab ich eher den Eindruck die Tiere haben da Weidezugang, deshalb sind gerade so wenige da.
      Eigentlich ist es auch die falsche Haltungsform, so grosse Tiere auf Tiefstreu sind schwierig in Ordnung zu halten. Besser sein lassen.
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