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SBB bauen auch in Fernverkehrs-Zügen Kübel am Sitzplatz ab

SBB bauen Kübel am Sitzplatz ab: Jetzt verschwinden sie auch aus den Fernverkehrs-Zügen

Was im Regionalverkehr schon umgesetzt wurde, gilt nun auch für FV-Dosto und Co. Die Bahn setzt auf grosse Eimer im Eingangsbereich. Paradox: Die Züge sollen so sauberer werden.
12.02.2026, 07:5412.02.2026, 07:54
Stefan Ehrbar / ch media

Praktisch sind die Abfallkügel in den Zügen zwar, aber oft auch ziemlich unappetitlich. Nicht selten ist Fingerspitzengefühl gefragt, um beim Entsorgen des eigenen Mülls nicht aus Versehen in die Bananenschale oder die Bierdose des Vorgängers zu greifen, während man gleichzeitig den fauligen Geruch auszublenden versucht, der aus dem Eimer am Sitzplatz empor steigt. Wer die Kübel trotzdem schätzte, muss sich auf einen Komfortabbau einstellen.

Des dechets et un wagon vandaliser photographie, lors de la visite du nouveau train ecole et decouverte des CFF et ici le sujet le vandalisme et a quoi ressemble un train apres un match de football, c ...
Ein Bild aus der Vergangenheit: Die Abfallkübel am Sitzplatz verschwinden jetzt auch im Fernverkehr.Bild: KEYSTONE

Denn die SBB entfernen seit Anfang Jahr auch in den Fernverkehrszügen die Eimer an den Sitzplätzen. Das gilt für die 1. und 2. Klasse bestimmter Züge, wie Sprecherin Mara Zenhäusern bestätigt. Dazu gehören etwa die Doppelstückzüge der Typen FV-Dosto und IR-Dosto.

Die Umstellung erfolge schrittweise bis Ende 2028. Im Regionalverkehr gibt es in den meisten Zügen bereits seit 2021 in der 2. Klasse keine Abfallkübel mehr an den Sitzplätzen. Seit Herbst 2025 werden auch in der 1. Klasse schrittweise die Kübel entfernt. «Die Erfahrungen sind positiv und zeigen, dass Reisende die Züge insgesamt als sauberer beurteilen», sagt Zenhäusern. Deshalb führe man die Massnahme fort.

Zeitungs-Eimer werden umfunktioniert

«Die Kübel sind je nach Abfallmenge schnell voll und können dadurch schmuddelig wirken und unangenehme Gerüche verursachen», sagt Zenhäusern. Durch ihre Beseitigung sei in vielen Zügen zudem mehr Beinfreiheit möglich.

Allerdings stecken hinter dem Abbau, der von einigen Reisenden als Rückschritt in Sachen Komfort empfunden werden dürfte, auch finanzielle Gründe. Die Reinigung werde effizienter, bestätigt die Bahn. «Für unser Reinigungspersonal entfallen körperlich belastende Arbeitsschritte beim Leeren der Eimer», sagt Zenhäusern. «Ausserdem sinken die Kosten.» Im Regionalverkehr komme das den Kantonen zugute, die als Besteller den Betrieb finanzieren. Im Fernverkehr, den die SBB eigenwirtschaftlich betreiben, zahlt die Massnahme direkt auf das Konto der Bahn ein.

Die Reisenden hätten weiterhin die Möglichkeit, im Zug Abfall zu entsorgen, sagt Zenhäusern. Die grossen Restmüllbehälter in den Eingangsbereichen blieben bestehen. Zudem würden die Papiersammler ebenfalls durch Restmüllbehälter ersetzt. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass spätestens seit dem Aus der gedruckten Ausgabe der Pendlerzeitung «20 Minuten» Ende des vergangenen Jahres noch einmal deutlich weniger Zeitungen im Zug entsorgt werden. Dieser Platz kann nun für den restlichen Müll genutzt werden.

Immer mehr Pet- und Glasabfall

Die SBB sind nicht die einzige Bahn, die Kübel abbaut. Die Berner Betreiberin BLS startete im November 2024 einen Versuch und entfernte in einem Zug die Abfallbehälter. Gleichzeitig befragte sie ihre Kundschaft zu ihrer Meinung. Laut der «Berner Zeitung» zeigte die Online-Umfrage, dass für die Fahrgäste die Kübel im Abteil in Sachen Sauberkeit nicht entscheidend sind. Was besonders störe, seien hingegen dreckige Sitze.

Gar schon seit 2016 fahren die Züge der S-Bahn Zürich ohne Kübel in den Abteilen umher. Diese seien für Bonbonpapierli konzipiert gewesen, begründete ein Sprecher damals den Abbau. Weil die Menschen aber zusehends Pet‑Flaschen und Essen für unterwegs dabeihätten, seien sie zu klein geworden. Mit einer Pet-Flasche seien die Behälter nämlich bereits voll – was einige Reisende nicht daran hinderte, ihren Abfall auch noch irgendwie reinzustopfen.

In den Bahnhöfen haben die SBB in den vergangenen Jahren hingegen aufgerüstet und Recycling-Stationen aufgebaut, an denen Papier, Pet, Aluminium und Restabfälle getrennt entsorgt werden können. Derzeit gibt es das Angebot in 44 Bahnhöfen. Die Bahn bezeichnet es als «vollen Erfolg». Die Stationen erfreuten sich einer «sehr grossen Akzeptanz».

Im Jahr 2024 entsorgten die SBB 12'904 Tonnnen Publikumsabfälle. Das sind 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon handelte es sich bei 10'293 Tonnen um Kehricht, bei 1889 Tonnen um Pet-Flaschen und bei 350 Tonnen um Papier oder Karton. Glas machte hingegen nur 190 Tonnen aus, Aluminium-Dosen 182 Tonnen. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: foto service sbb / str
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77 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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el_barto_tiburon
12.02.2026 08:35registriert Oktober 2015
Es wäre ja auch so einfach, den Abfall nach der Fahrt mitzunehmen und am Bahnhof zu entsorgen. Die kleinen Kübel machen wirklich keinen Sinn da die schnell rappelvoll sind und beginnen zu riechen. Von daher verstehe ich den Entscheid. Leider gibt es aber viele, die lassen alles liegen. Anstand und Respekt geht immer wie mehr verloren.
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John T. Ripper
12.02.2026 08:37registriert September 2022
Das sie das längerfristig auf die Bahnhöfe verschieben wollen kann ich schon verstehen. Die Abfallentsorgung in Zügen ist logistisch ein grosser Aufwand.
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Quippo
12.02.2026 08:31registriert August 2020
Wenn die Eimer wirklich abgebaut werden und nicht einfach zugeschweisst wie bei einigen Regionalzügen, entsteht effektiv mehr Beinfreiheit.
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