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SRF-«Arena» zur Pflege-Initiative: SVPler wirft GLPler Sozialismus vor

Unzufriedene Mienen in der «Arena»: Patrick Hässig und Sarah Wyss reagieren auf Aussage von rechts.
Unzufriedene Mienen in der «Arena»: Patrick Hässig und Sarah Wyss reagieren auf Aussage von rechts. Bild: screenshot srf
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«Jetzt höre ich als GLPler zum dritten Mal Sozialismus. Time-out!»

Fünf Jahre nach dem deutlichen Ja zur Pflegeinitiative stutzt der Nationalrat die Vorlage zusammen. In der «Arena» von SRF wird ausgerechnet am Tag der Arbeit darüber diskutiert.
02.05.2026, 01:3602.05.2026, 08:17

Überall gingen am 1. Mai Menschen auf die Strasse, um für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren, vielerorts genossen Arbeitnehmende einen arbeitsfreien Tag. Nicht so in den Spitälern oder Pflegeheimen, wo Pflegefachkräfte auch an Wochenenden, Feiertagen und nachts im Dienst sind.

Auch in der «Arena» von SRF war der Tag der Arbeit Programm. Dort ging es am Freitagabend unter anderem um die Umsetzung der Pflegeinitiative, die der Nationalrat diese Woche behandelt hat.

Was darf Gesundheit kosten? Zu dieser Frage kamen im Studio 8 drei Gesundheitspolitiker und eine Gesundheitspolitikerin zusammen. Es moderierte Sandro Brotz.

  • Rémy Wyssmann, Nationalrat SVP/SO
  • Sarah Wyss, Nationalrätin SP/BS
  • Lorenz Hess, Nationalrat Die Mitte/BE
  • Patrick Hässig, Vizepräsident GLP

Was bisher geschah …

Nicht lange ist es her, da standen Menschen in der ganzen Schweiz auf ihren Balkonen und applaudierten. Der Applaus galt dem Gesundheitspersonal und dessen Einsatz während der Coronapandemie. Am 28. November 2021 unterstrich das Schweizer Stimmvolk diese Unterstützung an der Urne, als es der Pflegeinitiative mit deutlichen 61 Prozent zustimmte.

Ihre Umsetzung erfolgt in zwei Etappen: in der ersten stand eine Ausbildungsoffensive im Zentrum, in der zweiten geht es nun um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. So schlug der Bundesrat etwa Lohnzuschläge von 50 Prozent an Sonn- und Feiertagen, eine Senkung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 auf 45 Stunden sowie eine Vorlaufzeit von mindestens vier Wochen für Dienstpläne vor.

Der Nationalrat behandelte das Geschäft diese Woche. Die bürgerliche Mehrheit schwächte den Vorschlag des Bundesrates in mehreren Punkten ab, etwa bei der Höchstarbeitszeit oder bei den Sonn- und Feiertagszuschlägen.

Die Umsetzung im Video erklärt:

Video: srf

SVP-Nationalrat allein auf weiter Flur

Moderator Sandro Brotz wollte darum von SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann wissen:

«Wie erklären Sie das einer Pflegefachkraft?»
Sandro Brotz, Moderator

Wyssmann antwortete: «Mit diesem Gesetz entstehen zusätzlich 10'000 unbesetzte Stellen.» Dies würde die Belastung für Pflegekräfte noch erhöhen. «Damit gibt es noch mehr Burnouts, noch mehr Depressionen, noch mehr Rückenschäden.» Er selbst habe einen Rückweisungsantrag unterstützt, der den Bundesrat damit beauftragt hätte, einen neuen Vorschlag für die Umsetzung der Initiative zu machen. Dieser wurde in der zuständigen Kommission abgelehnt.

Von den zwei Pulten ihm gegenüber erntete er für sein Votum entgeisterte Blicke und ein ungläubiges Lachen. Letzteres kam von Patrick Hässig, diplomiertem Pflegefachmann und Nationalrat für die GLP. Als er an der Reihe war, sagte er:

«So viel komisches Zeug in einem Schnurz habe ich schon lange nicht mehr gehört.»
Patrick Hässig, GLP

Hässig (GLP): «Sie haben wohl den Schuss nicht gehört»

Video: srf

Der Fall sei klar: Die Bevölkerung wolle bessere Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal, so Hässig. Besonders empörte sich der GLP-Nationalrat darüber, dass Wyssmann die Umsetzung der Initiative, die das Stimmvolk vor fünf Jahren deutlich angenommen hat, ein weiteres Mal verzögern wollte.

Auch SP-Nationalrätin Sarah Wyss reagierte konsterniert:

«Ich habe das Gefühl, ich bin im falschen Film.»
Sarah Wyss, SP

Das Parlament habe einen Volksauftrag, nämlich die Umsetzung der Initiative. Wie diese im Nationalrat behandelt worden sei, sei «himmeltraurig». Bereits der Vorschlag des Bundesrats sei eine Minimalvariante gewesen. «Und nicht mal die haben Sie unterstützt.» In einem «Streichkonzert» habe die bürgerliche Mehrheit vieles herausgestrichen. Bereits jetzt verlasse fast jede fünfte Pflegekraft den Beruf. Wenn es keine deutlichen Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen gäbe, würde dies schlussendlich die Versorgungssicherheit gefährden, so Wyss.

Wyss (SP) reagiert auf Wyssmann (SVP): «Wir haben einen Volksauftrag»

Video: srf

Einer, der nach Parteizugehörigkeit eigentlich ebenfalls der bürgerlichen Mehrheit angehört, bei dieser Vorlage aber von der Fraktionslinie abgewichen ist, ist Mitte-Nationalrat und Verwaltungsratspräsident der Visana, Lorenz Hess.

Er pflichtete Wyss bei:

«Ich verstehe alle Pflegefachleute, die nun enttäuscht sind.»
Lorenz Hess, Mitte

Dass für Büroangestellte eine Höchstarbeitszeit von 45 Stunden gelte, während diese in der Pflege bei 50 Stunden liege, könne man niemandem erklären. Und er betonte: Ausgebildete Pflegekräfte zu halten – etwa mit tieferen Höchstarbeitszeiten – sei mehr wert, als neue zu rekrutieren. Nur weil die Umsetzung einer Initiative etwas koste, könne sie das Parlament nicht einfach ablehnen.

Hier pflichtet Hess (Mitte) Wyss (SP) bei:

Video: srf

SVP-Wyssmann wirft GLP-Hässig «Planwirtschaft» vor

Überarbeitetes Pflegepersonal, wachsende Gesundheitskosten, zunehmend untragbare Prämien – die Mängelliste des Gesundheitssystems an diesem Abend war lang. Doch wie weiter? Die Gesundheitspolitikerinnen und -politiker brachten an diesem Abend so manchen Vorschlag auf den Tisch.

Hässig sprach etwa über seinen vom Nationalrat bereits angenommenen Vorstoss, der die Verantwortung für die Spitalplanung dem Bund übertragen will, um so die Gesundheitskosten zu senken.

SVP-Nationalrat Wyssmann, der seinen Kommissionskolleginnen und -kollegen in der Sendung bereits mehrfach Wörter wie «Sozialismus» oder «Kommunismus» entgegengeschleudert hatte, erwiderte auf Hässigs Vorschlag: «Ich bin grundsätzlich gegen Planwirtschaft und Zentralisierung.» Ein schelmisches Grinsen konnte er sich dabei allerdings nicht verkneifen.

Und so rang er Hässig zum zweiten Mal an diesem Abend ein ungläubiges Lachen ab:

«Jetzt höre ich als GLPler zum dritten Mal Sozialismus. Time-out!»
Patrick Hässig, GLP

Der Schlagabtausch zwischen Wyssmann (SVP) und Hässig (GLP):

Video: srf

Der SVP-Politiker hatte seinen eigenen Ansatz. Er forderte einen Systemwechsel, und zwar zurück zum alten System vor 1996, in dem der Staat nur als Schiedsrichter auftrete.

Mitte-Nationalrat und Visana-Verwaltungspräsident Hess betonte derweil, dass der oder die Einzelne mehr Eigenverantwortung übernehmen und nicht «jedes Bobo» ärztlich abklären lassen solle. So sei er selbst kürzlich beim Joggen gestürzt und habe auf einen Arztbesuch verzichtet. Doch auch er befürwortete längerfristige Veränderungen:

«Wir müssen in grossen Zügen denken, wie wir die Kosten runterbekommen.»
Lorenz Hess, Mitte

Vieles sei jedoch bereits im Gange, so Hess. Etwa das elektronische Patientendossier oder die Spitalplanung.

Für Sarah Wyss standen die hohen Krankenkassenprämien im Vordergrund. «Die Prämienbelastung ist untragbar», sagte die SP-Nationalrätin. Sie weibelte für einkommensbasierte Prämien und für eine bessere Prävention.

Und schon war die «Arena» über die Pflegeinitiative, Gesundheitskosten und Prämien nach knapp 70 Minuten zu Ende. Es war eine kurzweilige Sendung mit einer lebhaften Diskussion, unterhaltsamen Momenten und auffallend wenig persönlichen Angriffen.

Besonders hängen blieben drei Wortmeldungen von ausserhalb des Studios: Aussagen von Pflegefachpersonen über ihren Arbeitsalltag, die Brotz aus einem Bericht der «NZZ» zitierte:

«Was man als Erstes opfert, sind die eigenen Bedürfnisse. Ich esse und trinke nichts mehr und gehe nicht aufs WC.»

«Ich habe gewählt, in der Pflege zu arbeiten, nicht, ausgebeutet zu werden.»

«Man kann nicht Vollzeit in der Pflege arbeiten, ohne ein Burnout zu riskieren.»

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«Es verlassen zu viele den Beruf» – der Alltag von Pflegefachkräften
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B-Arche
02.05.2026 04:33registriert Februar 2016
Noch etwas: Alleine die Idee das Obligatorium abzuschaffen (SVP) - ich meine jeder sollte sich das Beispiel USA doch Warnung genug sein - will die Schweiz wirklich eine Armada von Niedrigverdienern haben die keinerlei Krankenversicherung mehr haben?
Wenn das Obligatorium fällt dann werden die Versicherung nur noch die "guten Risiken" versichert und die anderen bekommen so viel Prämie im Angebot dass man es sich nicht leisten kann.
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Barracuda
02.05.2026 02:10registriert April 2016
Dass die SVP eine gefährliche Partei ist, welche den Volkswillen immer mehr mit Füssen tritt, ist bekannt. Ebenso bekannt ist, dass die FDP unterdessen auch meilenweit vom Volk entfernt ist und grösstenteils wie ihre Mutterpartei SVP agiert. Aber wann wird endlich mal beleuchtet, wohin die Mitte abgedriftet ist?! Ohne die Mitte hätten die Rechten den Volksentscheid nicht dermassen zerpflücken können. Die Mitte ist unterdessen genauso korrupt wie FDP und SVP. Wann wacht das Volk endlich auf?
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Dagwan
02.05.2026 03:21registriert September 2020
Einmal mehr zeigt die SVP ihr wahres Gesicht. Der Volkswille wird nur dann umgesetzt, wenn er der SVP passt, oder man damit Geld verdienen kann. Wyssmann ist für Privatwirtschaft. Das heisst,am Leid der Patienten und auf Kosten der Pflegenden, Gewinn für Investoren zu generieren. Das V in SVP steht nicht für Volk, sondern für Vermögende. Durch die ständige Hetze gegen die Schwächsten und Verunglimpfung der anderen Parteien verschleiert sie diese Tatsache gekonnt. Die SVP schadet unserem Land.
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