Keine Angst vor dem Angstgegner – das ganze Land glaubt an euch!
Die Schweizer Eishockey-Nati trifft im Viertelfinal der Heim-WM auf Schweden. Den elffachen Weltmeister und zweifachen Olympiasieger. Die Nation, gegen welche die Schweiz noch nie ein K.o.-Spiel und in diesem Jahrtausend nur zwei von 20 Direktduellen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewinnen konnte.
«Oh nein!», könnte man jetzt sagen. Angst haben vor einem Gegner, der in der Vergangenheit ein unüberwindbares Hindernis war. Aber das wäre falsch: Die Schweiz muss sich vor Schweden nicht fürchten. Nicht diese Nati – und nicht vor diesem Schweden.
Das Team von Trainer Jan Cadieux hat in der Gruppenphase brillantes Eishockey gespielt. Offensiv lief der Motor heisser als Metallrutschen bei den aktuellen Temperaturen in der prallen Sonne, während die Defensive die Gegner gut in Zaum hielt. Die zweieinhalb schwachen Minuten gegen Finnland, die zu zwei Gegentoren führten, sind kein Grund zur übertriebenen Sorge. Die Schweiz war an der WM bisher das beste Team – und dieses Team macht einen sehr gefestigten Eindruck.
Auf der anderen Seite überzeugte Schweden bisher nicht. Die Tre Kronor verlor nicht nur gegen Kanada und Tschechien, sondern auch gegen Überraschungsteam Norwegen. Nicht ohne Mühe qualifizierte sie sich durch einen Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Slowakei für die Viertelfinals. Offensiv mag Schweden gefährlich sein, defensiv ist es aber ebenso anfällig.
Qualitativ ist das Team des künftigen Servette-Coaches Sam Hallam nicht mit den schwedischen Nationalmannschaften von den Olympischen Spielen im Februar oder von den vergangenen Weltmeisterschaften zu vergleichen. Das sieht man schon an der unüblich hohen Anzahl an Nicht-NHL-Spielern im Kader. Vor diesem Kader müssen sich Roman Josi, Nico Hischier, Timo Meier und Co. auf keinen Fall verstecken.
Mit der Vergangenheit sollten sie sich nicht zu lange aufhalten. Das letzte Duell bei einem bedeutenden Turnier liegt fünf Jahre zurück. Auf beiden Seiten sahen die Kader damals noch ziemlich anders aus. Die neuen Nati-Stars haben mit dem alten Trauma – auch aus zwei verlorenen WM-Finals – eigentlich nichts zu tun. Angst vor dem Angstgegner einer anderen Generation wäre eine unnötige Bürde, die sie sich nicht aufhalsen sollten. Und Routiniers wie Josi oder Sven Andrighetto sind erfahren genug, um damit umzugehen.
Wenn es doch mal gegen die Schweiz läuft – was an dieser WM noch nicht der Fall war –, muss niemand nervös werden. Einfach wie am Dienstag gegen Finnland geduldig das eigene Spiel weiterspielen, dann wird die Chance kommen. Auf die Unterstützung der Fans kann die Nati sowieso zählen.
Sie hat eine riesige Euphoriewelle ausgelöst, deren Ausläufer aus dem Stadion und den Fanzonen in die Wohnzimmer aller Eishockeyfans geschwappt sind. Überall ist die Stimmung grossartig. Nicht nur, wenn nach dem Spiel Fans und Spieler gemeinsam die «W. Nuss vo Bümpliz» singen. Es ist offensichtlich: Das ganze Land steht hinter dem Team.
Deshalb, liebe Nati: Habt keine Angst vor dem Angstgegner – wir alle glauben an euch!
