Coronavirus
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Tische und Stuehle stehen vor einem geschlossenen Restaurant in Bern, am Donnerstag, 19. Maerz 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Solche Bilder will man eigentlich nicht mehr sehen. Vielleicht geht es aber nicht anders. Bild: KEYSTONE

Alle reden vom Mini-Lockdown: Wie funktioniert dieser Circuit-Breaker?



Einen neuen Lockdown darf es auf keinen Fall geben. So lautet das Mantra in Politik und Wirtschaft. Es müsse schnell gehandelt werden, damit ein zweiter Lockdown verhindert werden könne, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am letzten Sonntag. Angesichts der rasant steigenden Corona-Fallzahlen erfolgte sein Aufruf womöglich zu spät.

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Experten im In- und Ausland gehen davon aus, dass ein erneutes Herunterfahren des öffentlichen Lebens «alternativlos» ist. Die Rede ist von einem Mini-Lockdown oder Circuit-Breaker. Einen solchen hat Sage, ein wissenschaftliches Beratergremium der britischen Regierung, bereits Ende September empfohlen, um ein Desaster zu verhindern.

Was ist ein Circuit-Breaker?

Das Spital Schwyz am Mittwoch, 14. Oktober 2020. Seit zehn Tagen nimmt die Zahl der Corona-Ansteckungen im inneren Kantonsteil rasant zu, teilte das Spital am Mittwoch mit. Mittlerweile seien 30 bis 40 Prozent der im Corona-Center des Spitals Schwyz gemachten Tests positiv. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Das Spital Schwyz sorgte letzte Woche mit seinem Alarmruf für Aufsehen. Bild: keystone

Ein Circuit-Breaker ist eigentlich eine Sicherung, die den Stromkreis im Falle einer Überlastung unterbricht. Im konkreten Fall geht es darum, den Anstieg der Coronafälle zu stoppen und die Kurve nach unten zu drücken. Das Hauptziel ist identisch mit jenem des ersten Lockdowns im Frühjahr: eine Überlastung der Spitäler zu verhindern.

Ein Mini-Lockdown wäre zeitlich begrenzt, um den wirtschaftlichen und sozialen Schaden zu minimieren. Behörden und Wirtschaft sollen Zeit gewinnen, um nachhaltigere Massnahmen zu erarbeiten und eine gewisse Planungssicherheit zu ermöglichen. Die Bevölkerung soll das Gefühl bekommen, es gebe Licht am Ende des Tunnels.

Wie funktioniert er?

One way systems are in place around shops in Caerphilly centre as the county borough is to be placed under a local lockdown following a

In der walisischen Stadt Caerphilly wurde bereits im September ein lokaler Lockdown verfügt. Bild: keystone

Er könnte sich «sehr ähnlich anfühlen wie der Original-Lockdown», schreibt die BBC. Das zeigt das Beispiel von Wales, wo ab Freitag ein vorerst zweiwöchiger Mini-Lockdown gilt. Wie im Frühjahr dürfen nur lebensnotwendige Geschäfte (Supermärkte, Apotheken) offen bleiben. Bars, Pubs und Restaurants müssen schliessen, ebenso Sportclubs.

Die Waliser müssen zu Hause bleiben. Zur Arbeit darf nur, wer nicht im Home Office tätig sein kann. Nicht zwingend notwendige Besuche sind verboten. Kitas und Primarschulen hingegen sollen geöffnet bleiben. Ein Circuit-Breaker ist ein Balanceakt: Zu wenig strenge Massnahmen könnten der Wirtschaft helfen, längerfristig aber kontraproduktiv wirken.

Wie lange dauert er?

Als Mindestdauer gelten die in Wales beschlossenen zwei Wochen. Das entspricht in etwa der Inkubationszeit nach einer Corona-Infektion. Eine kürzere Dauer könnte ohne grosse Wirkung bleiben. In Israel dauerte der im September beschlossene Mini-Lockdown rund einen Monat. Seit Sonntag werden die Massnahmen dort gelockert.

Kann er erfolgreich sein?

Das weiss man erst nach der Aufhebung des Mini-Lockdowns. In Israel war dies der Fall. Dies zeigt ein Twitter-Thread des Biologen und Computerwissenschaftlers Eran Segal vom Weizmann-Institut. Der zweite Lockdown habe «überraschenderweise schneller und effektiver funktioniert als der erste, obwohl er weniger restriktiv war», schreibt Segal.

Die Gründe dafür seien unklar. Es könne an der Maskenpflicht liegen oder an der Schliessung von Aktivitäten mit hohem Spreader-Potenzial wie Schulen und Versammlungen. Wichtig sei deshalb ein vorsichtiger Ausstieg, meint Segal. Erst wenn die Reproduktionszahl R0 deutlich unter dem Wert 1 liege, könne man vorwärts machen.

Was ist mit der Schweiz?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) äusserte sich am Dienstag zurückhaltend zu einem Mini-Lockdown. Alain Berset schloss ihn am Mittwoch nicht aus. Der Bundesrat wolle jedoch erst in einer Woche über weitere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie entscheiden. Die Berner Epidemiologin Nicola Low fände es «sinnvoll, einen solchen ‹Circuit-Breaker-Lockdown› vorzubereiten».

Angesichts der Fallzahlen und Hospitalisationen fragt man sich, ob es dafür nicht schon zu spät ist. Der Mathematiker Mike Tildesley von der Universität Warwick, ein Experte für Infektionsmodelle, sagte der BBC, es könne zu einem «Zyklus von Kurzzeit-Lockdowns» kommen, bis eine Exit-Strategie vorliege, sei es ein Impfstoff oder die Herdenimmunität.

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