Basel
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Fertig geflogen: Uni Basel will, dass Professoren und Studenten den Zug nehmen

Bei Exkursionen werden Studenten der Uni Basel künftig den Zug statt den Flieger nehmen müssen. Die Uni ist einem Antrag von Studierenden gefolgt und will Kurzstreckenflüge für Exkursionen verbieten.

Leif Simonsen / ch media



Die Universität Basel macht beim Klimaschutz vorwärts und will Flugreisen von Dozierenden und Studenten einschränken. Dies hat die Regenz beschlossen – das Konsultativgremium der Uni ist mit grossem Mehr einem Antrag von Studierenden gefolgt.

Stundentin PAris

Exkursionen nach Paris sollen nur noch mit dem Zug erlaubt sein – diese Idee von Studenten wird von der Regenz unterstützt. Bild: shutterstock.com

Besonders bei Exkursionen soll künftig vermehrt der Zug statt das Flugzeug zum Einsatz kommen. Bei Reisen unter tausend Kilometern sollen die Studis Zugfahren, wenn es «zumutbare Bahn- und Fährverbindungen» gibt, wie dem Protokoll der jüngsten Regenz-Sitzung zu entnehmen ist.

Die Umsetzung der neuen Regel wird aber Zeit benötigen. Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki sagte gegenüber der Regenz, dass das Rektorat «nichts verpflichtend festschreiben kann», solange die Studierenden die Reise selber bezahlten. Das Problem: Viele Städte innerhalb der tausend Kilometer sind im Zeitalter der Billigfliegerei günstiger per Flug zu erreichen als mit der Bahn – gerade bei Frühbuchungen zu Easyjet-Destinationen.

Die Universität kann den Studierenden nicht vorschreiben, wie sie an ihr Ziel gelangen. Das Rektorat beschäftigt sich derzeit aber mit der 1000-Kilometer-Regel, wie Uni-Sprecher Matthias Geering sagt.

Eine Lösung könnte eine Härtefallregelung sein, «damit Studierenden, die sich den Zug nicht leisten können, der Preisunterschied zurückerstattet wird». Gerade Studenten seien schliesslich oft nicht gut betucht und müssten stark auf die Reisekosten achten.

Sollen Studenten und Professoren zwingend den Zug nehmen?

Initianten bleiben skeptisch

Oriana Fasciati und Juri Schmidhauser, welche die 1000-Kilometer-Regel mitinitiiert haben, geben sich nach dem Entscheid der Regenz vorsichtig zufrieden. «Wir sind erst dann am Ziel, wenn die Regel ohne Ausnahme umgesetzt ist», sagt Fasciati.

Es gäbe bereits genügend Richtlinien und Empfehlungen zur Nachhaltigkeit, die schlicht nicht berücksichtigt würden. So heisst es etwa im Spesenreglement, dass Flugreisen «auf das Notwendigste zu beschränken» seien.

Das hindere die Sekretariate und beauftragten Reisebüros nicht, die Studenten und Studienkursleiter mittels Flug nach Amsterdam, Rom oder Venedig zu schicken. «Da besteht kaum Bewusstsein dafür, dass diese Orte auch mit dem Zug zu erreichen wären», sagt Schmidhauser.

Mit der von Geering eingebrachten Idee eines Härtefallfonds könnten die beiden Initianten gut leben. Sie verzichten auch auf weitergehende Forderungen wie strikte Regeln bei Professoren und Dozenten, die zu Kongressen reisen. «Auch hier finden wir natürlich, dass nach Möglichkeit der Zug genommen werden sollte. Aber oft sind solche Ausflüge weniger planbar als diejenigen der Exkursionen, die Monate im Vornherein gebucht werden», sagt Schmidhauser.

Geering warnt vor zu strikten Regeln in diesem Bereich. «Für junge Wissenschaftler sind Kongresse essenziell für die Karriere – ein generelles Verbot würde ihre Laufbahn stark behindern.»

Gleichwohl unterstützt die Regenz das Anliegen der Studentengruppe um Fasciati und Schmidhauser, wonach das Angebot bezüglich virtuellen Meetings als Alternative zur Fliegerei auszubauen sei.

Nachhaltigkeitsmonitoring soll helfen

Gemäss Schmidhauser würden den Wissenschaftlern heute Steine in den Weg gelegt. «Wenn man selber an einen Kongress fliegt, bezahlt die Uni den Flug und die Übernachtung sowie die Teilnahmegebühren. Wenn man ein Video einschickt, muss man sogar selbst für die Teilnahme aufkommen – das soll sich ändern.» Um die Sensibilität für klimafreundliches Reisen allgemein zu erhöhen, leistet das Unirektorat zudem einem Antrag der Studierenden Folge, ein Nachhaltigkeitsmonitoring zu etablieren.

Bisher werden die Flugreisen der Uni-Angestellten nicht statistisch erfasst. Ganz im Gegensatz etwa zur ETH Zürich, wo es seit über zehn Jahren ein Monitoring zum CO2-Ausstoss der Mitarbeitenden gibt.

Schmidhauser und Fasciati begrüssen, dass eine zentrale Erfassung des ökologischen Fussabdrucks auch an der Universität Basel erfolgen soll. «Wenn wir wissen, wie viel geflogen wird, ist das eine gute Ausgangslage, um weitere Massnahmen zu treffen», sagt Schmidhauser. (aargauerzeitung.ch)

«Ich achte auf die Umwelt – und werde dafür blöd angemacht!»

Video: watson/Ralph Steiner, Emily Engkent

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sheimers 28.12.2018 21:55
    Highlight Highlight Ich fahre immer mit dem Zug an berufliche Meetings, ich war so z.B. schon in Liverpool (UK) und Bergen (Norwegen). Zum Dank wird man als Sonderling betrachtet, "der komische Typ, der immer mit der Bahn kommt". Auch wenn die Reaktionen meist positiv sind nervt es doch, und es ärgert mich, dass falsches Verhalten als normal angesehen wird, und man als gutes Beispiel zum Aussenseiter wird.
  • Feuerwanze 28.12.2018 13:47
    Highlight Highlight Ein erster Schritt in die richtige Richtung ... Höchste Zeit für Kostenwahrheit im Flugverkehr!
  • Bennno 28.12.2018 10:33
    Highlight Highlight Hey Watson! Bei der Umfrage fehlt die Antwort "JA klar!" (nicht nur wenn der Staat bezahlt).
    Von euren Antworten passt mir so leider keine...
  • Skeletor82 28.12.2018 10:17
    Highlight Highlight Ich wäre immer noch für die „Futurama“-Röhrenvariante.
  • Don Braga 28.12.2018 08:51
    Highlight Highlight Ein Flug pro Person von Zürich nach Paris verursacht ungefähr soviel co2 wie die Produktion von 19kg Fleisch. Nur so als Info..
    • Zat 28.12.2018 17:17
      Highlight Highlight Und die Zugfahrt?
    • sheimers 28.12.2018 22:06
      Highlight Highlight @Zat: Ungefähr soviel co2 wie die Produktion von 19kg Tofu. :-) Nein Scherz beiseite, wohl eher fast gar kein CO2, Frankreich hat wie die Schweiz vor allem KKW und Wasserkraft, und der TGV fährt elektrisch, also sehr wenig CO2, dafür Atommüll.
    • Zat 29.12.2018 15:35
      Highlight Highlight 😃 Danke, sheimers, für die Antwort. Hat wohl alles seine Vor- und Nachteile. Ich fand nur, wenn es um die Entscheidung Zug oder Flug geht, wäre es hilfreicher, die Angaben zu diesen beiden Varianten aufzuführen, anstatt den Vergleich mit Fleisch. Letzteres wäre dann wieder eine andere Geschichte.
  • Skeptischer Optimist 28.12.2018 08:10
    Highlight Highlight Pflästerlimassnahmen.

    Das einzige wirksame wäre, den Flugverkehr angemessen zu besteuern.
    • Skeptischer Optimist 28.12.2018 08:55
      Highlight Highlight "Das Problem ist wohl, dass der Preis für viele gar nicht so entscheidend ist."

      Das Problem ist wohl, dass der Preis für die meisten eben doch entscheidend ist.

    • EinsZweiDrei 28.12.2018 09:48
      Highlight Highlight Jede einzelne Reise, welche mit dem Zug statt mit dem Flugzeug unternommen wird, ist wirksam. Wie auch jede einzelne Batterie die richtig entsorgt wird, jede einzelne Petflasche die nicht im See landet oder jedes einzelne Tüechli, welches im Hotel nicht nach einmaligem Gebrauch gewaschen wird.
    • Bennno 28.12.2018 10:37
      Highlight Highlight Egal was der Preis ist, für die Airlines und die Bahnunternehmen ist doch entscheidend, wer von ihnen unser Geld bekommt... Der andere bleibt stehen. So einfach geht das. Mit jedem Reiseticket-Kauf stimmen wir ab, welche Transportindustrie wir wollen...
      Stimmt klimafreundlich, kauft Bahntickets!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ökonometriker 28.12.2018 08:05
    Highlight Highlight Billiger und umweltfreundlicher ginge es mit Fernbussen. Aber die Uni muss ohnehin auch entsprechend flexibel mit Anwesenheitspflichten für Angestellte und Studierende werden - sonst klappt es mit der Konferenz in Bedford schon allein aus Zeitgründen nicht, wenn man nicht das Flugzeug nimmt.
  • Raphael Conca 28.12.2018 07:52
    Highlight Highlight Finde ich positiv.
    Und wenn es wieder vielmehr Schlafwagen-Angebote gibt, machen auch Langstrecken wieder Spass (Hotelzug).
    • m. benedetti 28.12.2018 11:15
      Highlight Highlight Nu, ich bin dereinst mit dem Zug 🚂 im Schlafwagen nach Paolo und dann nach Cefalu und wieder zurück gefahren. Und nein, es war kein Spass. Gut, das waren jetzt auch mehr als 1000 km.
    • Fabio74 28.12.2018 12:23
      Highlight Highlight @hoppla Jammern auf höchstem Niveau. Früh buchen gleichgünstige Preise. Der Nightjet bietet1 und 2er Abteile. Für Nachtzüge braucht es keine Hochgeschwindigkeit. Somdern Willen der Bahnen bzw der Politik und Investitionen in Rollmaterial.
      Die ÖBB baut das Netz aus. Investiert in neue Züge.
    • Fabio74 28.12.2018 17:24
      Highlight Highlight NAchtrag Hoppla Ich versuche wo immer möglich den Zug zu nehmen. man muss halt wie beim fliegen, auf den verschiedenen Bahn-Sites Preise checken und Verbindungen suchen. Klappt durchwegs gut

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