DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Video: watson/Aya Baalbaki

Warum die Covid-19 Impfung nicht unfruchtbar macht – in 2 Punkten

Das Gerücht, das die Impfung gegen das Coronavirus unfruchtbar machen soll, hält sich hartnäckig. Wir erklären dir, warum die Behauptung haltlos ist.
19.07.2021, 22:3820.07.2021, 09:44
Video: watson/Aya Baalbaki

Folgend die schriftlichen Ausführungen zum Video:

Mitte Juli sind in der Schweiz rund 40 Prozent der Personen vollständig geimpft. Das ist noch zu wenig, um die weitere Verbreitung von Sars-CoV-2 langfristig einzudämmen und um zu verhindern, dass das Virus weiter mutiert.

In den vergangenen Wochen hat sich das Impftempo verlangsamt. Vor allem Jüngere sind eher kritisch, was das Impfen anbelangt. Obwohl der Pfizer/Biontech-Impfstoff jetzt auch für 12-Jährige zugelassen ist, bleiben viele Jugendliche skeptisch.

Das auch, weil auf den Sozialen Medien Gerüchte und Verschwörungstheorien über Impfnebenwirkungen die Runde machen. Eine, die sich seit mehreren Monaten hartnäckig hält, ist, dass die Impfung offenbar unfruchtbar mache. Gerade von jungen Frauen ist immer wieder zu hören, sie liessen sich nicht impfen, weil sie Angst haben, danach nicht mehr schwanger werden zu können.

Um das gleich mal vorab klarzustellen: Diese Behauptung ist absoluter Unsinn. Die Covid-19-Impfung beeinflusst weder die Qualität von Spermien, noch führt sie bei Frauen zu Unfruchtbarkeit. Aber der Reihe nach.

Dass Impfungen unfruchtbar machen, ist ein altes Märchen, das immer wieder von Impfgegnerinnen und -gegnern erzählt wird. In Nigeria beispielsweise wurde jahrelang hartnäckig behauptet, die Impfung gegen Kinderlähmung beeinträchtige die Fruchtbarkeit von Frauen. In Kenia glaubten Impfskeptikerinnen, die Impfkampagne gegen Tetanus sei eine geheime Massnahme zur Geburtenkontrolle.

Mit der Covid-19-Impfung erlebt das Unfruchtbarkeits-Gerücht sein grosses Comeback. Begründet wird diese Falschbehauptung ganz unterschiedlich.

Ähnlichkeit mit anderem Protein

Die gängigste Begründung ist diese: An der Oberfläche des Coronavirus sitzen sogenannte Spike-Proteine. Nach einer Impfung werden Antikörper gebildet, die so an diese Spike-Proteine andocken, dass diese funktionsunfähig werden. Bis hierhin ist alles richtig.

Jetzt behaupten Impfskeptikerinnen aber Folgendes: Sie sagen, dass das Spike-Protein eine grosse Ähnlichkeit mit einem anderen Protein hat, dem Syncytin-1. Dieses spielt während einer Schwangerschaft eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Plazenta. Impfgegnerinnen behaupten, dass nach einer Impfung nicht nur das Spike-Protein unschädlich gemacht wird, sondern dass die gebildeten Antikörper quasi versehentlich auch das Syncytin-1 attackieren. Und das führe dazu, dass sich keine Plazenta bilden kann und eine Frau nicht schwanger werden kann.

Diese Behauptung ist auf mehreren Ebenen falsch. Der erste offensichtliche Denkfehler ist, dass nicht nur bei einer Impfung, sondern auch bei einer Corona-Erkrankung Antikörper gebildet werden. Und auch diese docken am Spike-Protein an, weil unser Körper so lernt, sich vor einer erneuten Erkrankung zu schützen.

Würde die Behauptung der Skeptikerinnen stimmen, so würden diese gebildeten Antikörper auch das Syncytin-1 angreifen und folglich müssten Millionen von Frauen, die eine Corona-Erkrankung hinter sich haben, Probleme mit der Fruchtbarkeit haben. Doch das stimmt nicht. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die auf eine reduzierte Fruchtbarkeit nach einer Corona-Erkrankung hinweist. Ausserdem haben tausende von Frauen, die sich im vergangenen Jahr mit Covid-19 infiziert haben, danach ohne Probleme schwanger werden können.

Die Behauptung ist aber auch auf einer anderen Ebene falsch: Es gibt gar keine «grosse Ähnlichkeit» zwischen dem Spike- und dem Syncytin-1-Protein. Respektive ist die Ähnlichkeit ungefähr gleich gross wie bei einem Erkältungsvirus und Syncytin-1 oder einem Durchfallvirus und Syncytin-1. Würde die Logik der Impfskeptikerinnen aufgehen, so hätten Frauen nach jeder Erkältung oder nach jeder Magen-Darm-Grippe Probleme mit der Fruchtbarkeit. Haben sie aber nicht.

Das Heimtückische an solchen Gerüchten ist, dass sie mit wissenschaftlichen Begriffen und Konzepten daherkommen und so den Anschein haben, aus einer wissenschaftlichen Forschung zu kommen. Doch dem ist nicht so. Sie kommen aus Twitter- oder Facebook-Posts. Keine wissenschaftliche Arbeit stützt dieses Unfruchtbarkeits-Gerücht. Übrigens auch nicht bei Männern.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten

1 / 18
«Bleiben Sie zuhause!»: Corona in der Schweiz in Zitaten
quelle: keystone / peter klaunzer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Nach diesem Video verstehst auch du, wie Covid-Impfungen funktionieren

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Mehr als nur erschöpft: Ist diese chronische Krankheit die Erklärung von Long Covid?

Jacqueline R. ist 22 Jahre alt und seit drei Jahren konstant erschöpft, ihre Gedanken benebelt, die Verdauung durcheinander. Dahinter liegt eine Krankheit, die kaum bekannt ist. Wegen Long Covid ändert das gerade.

Im Vorgarten des Einfamilienhauses in Horw spriessen die ersten Blumen. Drinnen liegt Jacqueline R. im Bett. Rotes T-Shirt, FFP2-Maske, lockiges Haar, dünne Arme. Ehemalige Studentin Gesundheitswissenschaften und Technologie in Lausanne.

Seit eineinhalb Jahren verbringt sie Tag und Nacht im Bett. Steht nur auf, um aufs WC zu gehen. An guten Tagen geht sie eine Viertelstunde nach draussen, kann eine Weile Hörbuch hören, sich mit der Familie unterhalten oder mit Freunden chatten. An schlechten …

Artikel lesen
Link zum Artikel