Coronavirus
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President Donald Trump holds a face mask as he speaks during a news conference at the White House, Tuesday, July 21, 2020, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump

Donald Trump zeigt am Dienstag seine Schutzmaske. Bild: keystone

Corona-Zickzack und kein Ende: Jetzt nimmt Trump das Virus (vielleicht) ernst

In den USA wütet die Corona-Pandemie schlimmer denn je, doch Präsident Donald Trump tat lange so, als ginge ihn das nichts an. Seine Umfragewerte sackten ab. Nun reagierte er.



Mit dem Tragen einer Schutzmaske tun sich manche schwer. Etwa im öffentlichen Verkehr in der Schweiz, bevor der Bundesrat sie für obligatorisch erklärte. In den USA ist die Frage «Maske Ja oder Nein?» zu einem Glaubensbekenntnis geworden. Die Anhänger von Donald Trump betrachten die Maske als Angriff auf ihre persönliche Freiheit.

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Der Präsident tat lange nichts, um diese Wahrnehmung zu ändern. Er weigerte sich vielmehr standhaft, in der Öffentlichkeit eine Maske zu tragen. In letzter Zeit erwärmte er sich zunehmend dafür. Beim Besuch eines Militärspitals zeigte er sich sogar mit Gesichtsschutz. Und an seiner Corona-Pressekonferenz am Dienstag ging er noch weiter.

Video: watson/een

«Masken sind wirksam, ob man sie mag oder nicht», sagte Trump und zeigte sein Exemplar mit dem Präsidentensiegel. Wer keinen Abstand einhalten könne, der solle eine Maske tragen. Überhaupt schlug der Präsident zum Anstieg der Coronafälle in den USA sehr ernste Töne an: «Es wird leider schlimmer werden, bevor es besser wird.»

Es ist die neueste Wendung im Zickzack-Kurs, den der Präsident in der Krise hingelegt hat. Erst ignorierte er die Warnungen seines Gesundheitsministeriums, dann verharmloste er das Virus. Als es die USA ab März mit voller Wucht erfasste, veranstaltete er tägliche Pressekonferenzen, in denen er sich als Krisenmanager inszenierte.

Mehr als 1000 Tote an einem Tag

Mit überschaubarem Erfolg. Den Tiefpunkt erreichten Trumps täglichen ausufernden Redeschwälle, als er anregte, man könne sich Desinfektionsmittel injizieren. Als sich eine gewisse Entspannung abzeichnete, richtete sich sein Fokus auf die möglichst rasche Öffnung der Wirtschaft. Dann kehrte die Pandemie zurück, schlimmer als je zuvor.

Video: watson/een

Am Dienstag wurden erstmals seit zwei Wochen mehr als 1000 Covid-19-Todesopfer an einem Tag verzeichnet. Bislang sind 141’000 Amerikaner gestorben, mehr als vier Millionen haben sich mit dem Virus infiziert. Und Donald Trump? Der tat wochenlang so, als ginge ihn das nichts an. Vielmehr schwadronierte er, das Virus werde «irgendwann verschwinden».

Weniger wirr und unüblich kurz

Zuletzt forderte er die Öffnung der Schulen nach den Sommerferien, um bei der weissen Wählerschaft in den Vorstädten zu punkten. Gleichzeitig lancierten Trump und seine Entourage eine Schmutzkampagne gegen den respektierten Immunologen Anthony Fauci, getreu dem Motto «Köpfen wir den Boten, der die schlechte Nachricht überbringt».

«Ich betrachte mich eher als Realisten denn als Alarmisten», sagte der 79-jährige Fauci am Dienstag kurz vor Trumps Medienkonferenz gegenüber CNN. Nun scheint auch der Präsident auf diese Schiene eingebogen zu sein. Der Auftritt war nicht nur weniger wirr als sonst, sondern für seine Verhältnisse mit einer knappen halben Stunde unüblich kurz.

Keine Trendwende

Nach Ansicht von Politico hat sich damit jene Fraktion unter seinen Beratern durchgesetzt, die Trump zu mehr Engagement in Sachen Corona drängte. Seine Wiederwahlchancen im November spielten dabei keine geringe Rolle, denn seine Umfragewerte entwickeln sich gegenläufig zur Zahl der Infektionen. Trump liegt klar hinter seinem Rivalen Joe Biden.

Video: watson/Emily Engkent

Die Amerikaner goutieren den Umgang ihres Präsidenten mit dieser epochalen Krise nicht. Es scheint fraglich, dass ihm am Dienstag eine echte Trendwende gelungen ist. So meint etwa ein CNN-Kommentator, dass Trump genau jene starke Botschaft vermittelt habe, die das amerikanische Volk gebraucht hätte – «vor vier Monaten».

Kampf um die Wiederwahl

Für Donald Trump sind solche Auftritte auch ein Ersatz für die Wahlkampf-Rallys, die der Pandemie zum Opfer fallen. Für den Mitte Juli geplanten und wegen «schlechtem Wetter» abgesagten Freiluft-Event in New Hampshire gibt es bis heute kein Ersatzdatum. Offenbar fürchtet Trumps Wahlkampfteam ein neues Zuschauerdebakel wie in Tulsa.

Obwohl Trump in letzter Zeit Anzeichen von Resignation zeigte, scheint er noch nicht gewillt, den Kampf um seine Wiederwahl aufzugeben. Auch der umstrittene Einsatz von uniformierten und bewaffneten Bundesbeamten ohne Abzeichen und mit unmarkierten Fahrzeugen gegen Demonstranten in Portland (Oregon) passt in dieses Schema.

Portland als «Generalprobe»?

In den letzten Tagen hat Trumps Team Fernsehspots veröffentlicht, die den Eindruck erwecken, Amerika werde in Chaos und Anarchie versinken, wenn die Demokraten im November gewinnen sollten. Dabei beurteilt eine Mehrheit der Amerikaner die «Black Lives Matter»-Bewegung positiv, und die Kundgebungen verlaufen überwiegend friedlich.

Chad Wolf, der amtierende, vom Senat aber noch nicht bestätigte Minister für innere Sicherheit, rechtfertigte die Entsendung von Bundesbeamten unter anderem mit der Kriminalität, die in einigen Städten tatsächlich zugenommen hat. Der Einsatz in Portland kann aber auch als «Generalprobe» für eine Eskalation am 3. November betrachtet werden.

So hat Trump auch mit einem Einsatz in Detroit und Philadelphia gedroht. Die beiden Metropolen liegen in hart umkämpften Swing States. Kritiker befürchten, der Präsident könne vor dem Wahltag in diesen Hochburgen der Demokraten den Ausnahmezustand verhängen und die Stimmabgabe massiv erschweren.

Tom Ridge, der ehemalige republikanische Gouverneur von Pennsylvania und erste Minister für innere Sicherheit unter Präsident George W. Bush, äusserte seine Besorgnis in der «New York Times»: Das Ministerium sei geschaffen worden, um Amerika vor der Bedrohung durch den globalen Terrorismus zu schützen, «und nicht als persönliche Miliz des Präsidenten».

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sapere Aude 23.07.2020 00:05
    Highlight Highlight Schon spannend, wie die Medien hier und in Übersee bereits einen Kurswechsel bei Trump erkennen wollen, wenn er mal 30 Sekunden kein Schwachsinn verzapft und dabei etwas sagt, was er vor 4 Monate anfangs der Pandemie bereits hätte sagen sollen.
  • Campino 22.07.2020 20:31
    Highlight Highlight Dieser verdammte Heuchler!
  • tss 22.07.2020 19:55
    Highlight Highlight Heute so, morgen so und übermorgen ganz anders. Das man seine Meinung ändert ist ja toll und hilft der enwicklung weiter, aber dass ist ein schlechter scherz und der Position nicht gerecht die er aisführen sollte.
  • Eyla 22.07.2020 19:53
    Highlight Highlight Meinungswechsel weil Umfragewerte sinken?
  • Walter E. Neumann 22.07.2020 19:50
    Highlight Highlight Trump nimmt nur Trump ernst!
  • Maria R. 22.07.2020 19:44
    Highlight Highlight Der ist immun. Auch dieses miese Virus hat noch seinen Stolz.
    • Töfflirocker1970 22.07.2020 20:39
      Highlight Highlight Pöööse, pöööse Maria!

      😂
  • Gawayn 22.07.2020 19:25
    Highlight Highlight Trump war in diversen Dingen schon immer sehr berechenbar.
    Es ging geht doch immer nur um ihn...

    Sein Aufhabenheft umfaßt
    Kündigungen, von Personal, Verträgen oder Abmachungen.
    Ein und Ausgrenzenzungen von anderen Ländern.
    Werbemaßnahmen zu seiner Person.
    Sei es per Twitter, oder Rallies.

    Was fehlt sind erarbeitete Lösungen.
    Neue gute Abmachungen.
    Lösungsorientierte Prozesse.

    Kündigen kann jeder.
    Andere Dinge, dafür braucht es echtes Können und Wißen.
  • Erieri 22.07.2020 19:18
    Highlight Highlight Er nimmt nicht das Virus ernst, sondern seine Wiederwahl...geändert hat er selber sich nicht!
  • Rudi66 22.07.2020 18:27
    Highlight Highlight Heute so, Morgen das Gegenteil und Übermorgen was ganz Annderes.........wer diesem Typ auch nur ein Wort glaubt sollte sich mal beim Psychiater melden ...... ;-)
  • swisskiss 22.07.2020 18:16
    Highlight Highlight Da innenpolitisch die Meinungen zu Trump bei den meisten Wählern gemacht sind und weder die Law and Order Politik, noch der neue Coronakurs die notwendigen Stimmen zur Wiederwahl bringen, wird auf die "starke Mann" Strategie im Konflikt mit China gesetzt. Mir persönlich ist es völlig Banane, welche Verrenkungen Trump innenpolitisch machen will, um die Wiederwahl zu sichern. Wenn dieses Bestreben aber aussenpolitisch soweit getrieben wird, dass ein ensthafter Konflikt entsteht, betrachte ich das als äusserst gefährlich.
  • Prometheuspur 22.07.2020 18:11
    Highlight Highlight Ach der ist dermassen bescheuert und meint wegen einer plötzlichen Meinungskehrtwende, würde sich gleich wieder alles zu seinen Gunsten einlenken - oder was? 🙄

    Schleimer.
  • zombie woof 22.07.2020 17:55
    Highlight Highlight Trump würde auch in rosa Strapsen rumlaufen, wenn er das Gefühl hätte, es würde ihm zur Wiederwahl verhelfen
    • JackMac 22.07.2020 21:46
      Highlight Highlight iiiiiiiiiiiiiii ...... rosarot passt nicht zu ihm.
      Orange müssten sie schon sein!
  • Kolo 22.07.2020 17:26
    Highlight Highlight Wow, trump sieht wohl selber langsam ein, dass ihm die Felle davon schwimmen. Da hat der stabile Genius, der Dealmaker und Retter der Kinder die in Verliesen unter Europa gefangen sind, aber echt schnell geschaltet.
  • TodosSomosSecondos 22.07.2020 17:19
    Highlight Highlight Trump hat nur mittlerweile eingesehen, dass das Virus zu ignorieren, seine Widerwahl verhindern wird.

    Ernst nehmen wird er das Virus nur dann, wenn er selber daran erkrankt.
  • Amadeus 22.07.2020 17:18
    Highlight Highlight Oder man kürzt es ab. Trump macht, was ihm im Wahlkampf (und generell) nützt. Offenbar waren die Unfragewerte so schlecht, dass er reagieren musste.
  • dodo, dodo? 22.07.2020 17:10
    Highlight Highlight mir kommt bei trumpy, äääh, trump immer der englische kinderreim in den sinn:
    „Humpty Dumpty sat on a wall,
    Humpty Dumpty had a great fall,
    All the King’s horses and all the King’s men,
    Couldn’t put Humpty together again.“
    & auch das gespräch mit alice (am ende: „Die Frage ist“, sagte Humpty Dumpty, „wer die Macht hat – und das ist alles. […]“
    🤔
  • Dr. Bender 22.07.2020 17:08
    Highlight Highlight Solange die USA auf der BAG-Hochrisikoländer-Liste bleibt, bin ich zufrieden. Der ganze Rest, welcher im orangen Klobürsten-Land abgeht, interessiert mich nicht im Geringsten. Eine brutale Retourkutsche für all die begangenen Verbrechen an der Menschheit ist sowieso überfällig.
  • Mãozinha 22.07.2020 16:57
    Highlight Highlight Ein wahrer Experte.
    Da weiss jemand wovon er spricht.
    Benutzer Bild
  • Campino 22.07.2020 16:48
    Highlight Highlight Ist es nicht schon an der Zeit das ein solcher Clown auf dem Bildschirm verschwinden sollte?
  • Scaros_2 22.07.2020 16:17
    Highlight Highlight Der Titel ist falsch: Sein Wahlkampfmanager nimmt das Virus ernst und Trump macht was man ihm sagt weil er wieder gewählt werden will.
    • SJ_California 22.07.2020 18:35
      Highlight Highlight Weil er nicht verlieren will
  • Wolk 22.07.2020 16:14
    Highlight Highlight Nimmt er endlich seine Medikamente?
    • Joe 'Lock the S.O.B.s Up' Biden 22.07.2020 23:18
      Highlight Highlight Wenn McDonalds als Medikamente zählt, dann ja.

Fake Hanf: Ein Drogentrend schwappt in die Schweiz – was du darüber wissen musst

Auf dem Schwarzmarkt wird vermehrt Gras verkauft, das mit synthetischen Cannabinoiden versetzt wurde. Diese Drogen gelten als hochgefährlich und können bei einer Überdosierung zum Tod führen.

Synthetisch hergestelltes Cannabinoid ist keine Neuheit. Vor einigen Jahren machten in den USA die Drogenzombies von Brooklyn von sich reden. Auch in Deutschland kam es in der Vergangenheit zu tragischen Fällen, nachdem vorwiegend junge Personen die Droge konsumiert hatten. Eine europäische Studie ermittelte in den Jahren 2016 bis 2019 insgesamt 61 Todesfälle aufgrund synthetischen Cannabinoids. Die Dunkelziffer wird um ein Mehrfaches höher geschätzt.

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