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Corona-Infektion: Warum Ansteckungen trotz Impfung nie ausgeschlossen werden können

Trotz einer hohen Impfquote in Israel steigen die Fälle. Und fast die Hälfte der Coronatoten in Grossbritannien ist doppelt geimpft. Schaut man allerdings genauer hin, ist das eine Entwicklung, die zu erwarten war. Denn die Impfung schützt nicht zu 100 Prozent vor Ansteckung. Und wer ein höheres Risiko hat (zum Beispiel wegen dem Alter), behält das auch, wenn er geimpft ist.
05.07.2021, 15:46
Bruno Knellwolf und Christoph Bopp / ch media

Impfweltmeister Israel muss wegen Delta die Schraube wieder anziehen. Dafür gibt es naheliegende Gründe. Die sehr ansteckende Delta-Variante des Coronavirus verbreitet sich schnellen Schrittes in Europa. Die Sorge über die indische Variante steigt, weil Unsicherheiten um den Impfschutz die Runde machen. Aus Israel kommen Meldungen, dass trotz einer Durchimpfungsrate von 60 Prozent die Ansteckungen mit Delta ansteigen. Aus Spanien werden Ansteckungen von geimpften, betagten Bewohnern von Pflegeheimen gemeldet.

Bild: keystone

Für den Viren-Sequenzierer Richard Neher von der Universität Basel ist das keine Über­raschung. Auch wenn ein Grossteil der betagten Bevölkerung geimpft sei, sei selbst bei einem hohen Impfschutz, den die Wirkstoffe hätten, mit Fällen unter Geimpften zu rechnen. So wie bei der Variante Beta, der südafrikanischen Variante, seien auch bei Delta die neutra­lisierenden Antikörper reduziert. «Die Daten aus England deuten aber darauf hin, dass der Schutz vor schwerer Erkrankung im Wesentlichen erhalten bleibt», sagt Neher vom Biozentrum Basel.

Das entspricht auch dem primären Ziel der Impfung. Geimpfte sollen weniger krank werden und nicht sterben. Dieses Ziel wird erreicht, trotz Delta, obwohl der Impfschutz gegenüber dieser Variante etwas reduziert ist. Ein 100-prozentiger Schutz vor einer Covid-Erkrankung wird auch gar nicht versprochen. Die klinischen Studien zeigen nur, dass sich beim Vergleich von Geimpften und Placebogruppen das Ansteckungsrisiko um 95 Prozent vermindert.

Was bedeuten eigentlich «95 Prozent Wirksamkeit»?

Für viele ist nicht ganz klar, was dieser «Wirksamkeits»-Wert aussagt. Es handelt sich um die relative Risikoreduktion (RRR). Sie wird so berechnet: An der Pfizer/BioNtech-Studie nahmen in der Phase III insgesamt 43'548 Probanden teil. Sie wurden aufgeteilt in eine «Verum»-Gruppe, die den Impfstoff ­erhielt (21'720), und in eine Placebo-Gruppe, die eine Kochsalzlösung erhielt (21'728).

Von der «Verum»-Gruppe steckten sich in den Wochen nach der Impfung 8 Teilnehmer an, von der Placebo-Gruppe 162. Man nimmt an, dass die P-Gruppe (die ungeschützte) das normale Risiko hat, angesteckt zu werden (:=1). Das Verhältnis V/P (8/162) gibt 0.0493 ... Zieht man das von 1 ab und multipliziert das Ergebnis mit 100, um einen Prozentwert zu bekommen, ergeben sich 1 - 0.0494 = 0.9507 = 95 Prozent.

Die absolute Risikoreduktion (ARR) wäre dann die Differenz zwischen dem Ansteckungsrisiko der P-Gruppe und dem der V-Gruppe: Wenn man das ausrechnet (P = 0.7455, V = 0.0368), ergibt sich eine absolute Risikoreduktion (gerundet) von 0.71. Die Impfung hat also das An­steckungs-Risiko um 0.71 Prozentpunkte gesenkt.

Ist das jetzt viel oder wenig?

Man muss wieder differenzieren. Betagte und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, die ungeimpft ein erhöhtes Risiko haben, an Covid-19 zu sterben, haben das auch als Geimpfte gegenüber gesunden Menschen. Das bedeutet, dass auch mit Impfung mehr Betagte als junge Gesunde an Covid-19 erkranken werden, wenn auch weniger als ohne Impfung. Aber Impfen reduziert das Risiko eines schweren Verlaufs - und zwar deutlich.

Erste Daten aus Grossbritannien zur Schutzwirkung der Impfung von Pfizer/BioNTech gegen Delta zeigen gemäss der Covid-19-Taskforce des Bundes, dass der Schutz nach der ersten Dosis 34 Prozent beträgt, nach der zweiten 88 Prozent. Das ist nicht viel weniger als gegen die britische Variante Alpha mit 51, respektive 93 Prozent nach der zweiten Impfung. Impfdurchbrüche wie sie nun aus Israel gemeldet werden, sind dennoch keine Über­raschung. Sie zeigen eher, dass die Impfung gut schützt. Allerdings halt auch vermehrt diejenigen, deren Risiko für schwere Verläufe auch sonst geringer ist. (aargauerzeitung.ch)

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