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Trump erneuert nach Venezuela-Angriff Grönland-Ambitionen

President Donald Trump speaks with reporters while in flight on Air Force One, Sunday, Jan. 4, 2026, as returning to Joint Base Andrews, Md. (AP Photo/Alex Brandon)
Donald Trump
Friedenspräsident – oder doch Imperialist? Donald Trump nimmt nach Venezuela erneut Grönland ins Visier.Bild: keystone

Trump erneuert nach Venezuela-Angriff Grönland-Ambitionen – scharfe Kritik aus Europa

Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland haben einen erneut von US-Präsident Donald Trump geäusserten Gebietsanspruch auf Grönland deutlich zurückgewiesen.
05.01.2026, 04:1605.01.2026, 04:16

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, die Vereinigten Staaten hätten «überhaupt kein Recht» einen Teil der dänischen Staatsgemeinschaft zu annektieren. Sie rief die USA dazu auf, «mit den Drohungen aufzuhören gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk, das deutlich gesagt hat, dass es nicht zum Verkauf steht».

epa12479101 Danish Prime Minister Mette Frederiksen speaks to the media following the 'Coalition of the Willing ' meeting in London, Britain, 24 October 2025. The meeting was held to discuss ...
Mette Frederiksen verbittet sich die Trump-Drohungen.Bild: EPA POOL

Trump liess sich davon nicht beirren. Während eines Flugs nach Washington sagte er wenig später am Sonntagabend (Ortszeit) erneut vor Journalisten, «wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit». Die Insel sei von grosser strategischer Bedeutung, sei aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. «Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen», sagte Trump. Auch für die Europäische Union sei klar, dass die USA Grönland «haben» sollten, behauptete Trump.

Dann machte sich Trump noch ausdrücklich über den Nato-Partner Dänemark lustig: «Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine grossartige Verstärkung.» Trump hatte schon öfter damit gedroht, Grönland den USA einzuverleiben. Auch militärische Mittel schloss er nicht aus.

Skandinavische Staaten stärken Dänemark den Rücken

Die Regierungschefs von Schweden und Norwegen sowie Finnlands Präsident stellten sich öffentlich hinter Frederiksens Erklärung. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Store schrieb auf der Plattform X: «Grönland ist ein integraler Teil des Königreichs Dänemark. Norwegen steht in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemarks.» Schwedens Ulf Kristersson teilte mit: «Nur Dänemark und Grönland haben das Recht, über Angelegenheiten, die Dänemark und Grönland betreffen, zu entscheiden.» Er fügte hinzu: «Schweden steht voll und ganz hinter seinem Nachbarland.»

Finnlands Präsident Alexander Stubb, dem ein besonderer Draht zum US-Präsidenten nachgesagt wird, schrieb: «Niemand entscheidet für Grönland und Dänemark ausser Grönland und Dänemark selbst.»

Umstrittener Beitrag nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela

Dänemark, seine skandinavischen Nachbarländer und die USA sind allesamt Nato-Bündnispartner. Die jüngsten diplomatischen Verstimmungen schienen nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela zunächst von einem Social-Media-Beitrag ausgelöst worden zu sein. In einem Post auf X von Ex-Regierungsberaterin und Influencerin Katie Miller war eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge zu sehen. Dazu schrieb sie in Grossbuchstaben ein einziges Wort: «BALD». Katie Miller hat über ihren Mann, Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, noch immer enge Beziehungen ins Weisse Haus.​

Mehr dazu:

Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen hatte sich zuvor bemüht, die Wogen zu glätten. «Lassen Sie mich zunächst ganz ruhig und ganz klar sagen, dass es weder Grund zur Panik noch zur Beunruhigung gibt», schrieb er auf Facebook. «Unser Land steht nicht zum Verkauf, und unsere Zukunft wird nicht durch Beiträge in sozialen Medien entschieden.» Grönland ist ein autonom verwaltetes Gebiet in der Arktis, das zu Dänemark gehört. (sda/dpa/con)

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Martin Baumgartner
05.01.2026 05:09registriert Juni 2022
"Scharfe Kritik aus Europa!" Aber falls Trump seine Drohung umsetzen wird, was werden die Konsequenzen
sein? Zollhammer oder andere Sanktionen aus Europa? Oder bleibt es bei heisser Luft aus Brüssel.
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SkoOct
05.01.2026 05:52registriert Mai 2025
Grönland, Venezuela, morgen vielleicht Kanada? Trump betreibt Aussenpolitik wie ein Immobilienhai auf Koks.. Militärisches Eingreifen als Deal, Souveränität als Verhandlungsmasse. Das ist kein Führungsanspruch, das ist blanker Neo Imperialismus, verpackt für ein Publikum, das einfache Antworten auf hochkomplexe Weltpolitik will. Und genau das macht es so gefährlich!
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MRDL
05.01.2026 06:00registriert August 2020
«wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit»

Und unser BR so:
Ok.
Gerne kaufen wir eure Jets.
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