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Hitlergruss und Neonazi-Symbole – diese Gugge hat ein Nazi-Problem

Die Kleinbasler Gugge Gülle Schlüch hat ein handfestes Problem mit rechtsextremer Gesinnung in den eigenen Reihen.
25.02.2020, 05:4725.02.2020, 08:55
Silvana Schreier, Jonas Hoskyn / ch media

Es ist lärmig im Guggenkeller. Zu verstehen ist auf dem knapp vereinhalbminütigen Video wenig bis gar nichts. Nach einer halben Minute schränzt die Kleinbasler Gugge Gülle Schlüch los. Schon während der ersten Takte führt ein Trompeter seine Hand an die Brust und streckt den Arm unverkennbar aus zum Hitlergruss. Von den Guggenmitgliedern, von denen mehrere die Szenerie gesehen haben müssen, kommt keinerlei Reaktion. Die Gugge spielt weiter, als wäre nichts gewesen – ziemlich schief notabene.

Das Video, das CH Media vorliegt, war kurze Zeit auf Facebook zu sehen. Mittlerweile ist es gelöscht.

Recherchen zeigen: Es tauchte bereits früher ein Video der Gugge auf, in dem der gleiche Trompeter den Hitlergruss macht. «Er hat den Arm so gehoben, dass man es als Hitlergruss verstehen könnte», sagt Präsident Walter Caldana. «Ich habe ihn deshalb verwarnt.»

Die Gülle Schlüch unterwegs an der Fasnacht Grenchen am vergangenen Wochenende.
Die Gülle Schlüch unterwegs an der Fasnacht Grenchen am vergangenen Wochenende. Bild: ch media/Oliver Menge

Nachdem er das neue Video gesehen hat, ist für Caldana klar: «Der Mann fliegt bei uns raus.» Es handle sich um einen «Einzelfall, von dem wir uns klar distanzieren», betont Caldana.

Video: bzbasel

Nazi-Waggis mit Schlagring und Baseball-Schläger

Recherchen ergeben allerdings ein anderes Bild der Gülle Schlüch, die an der diesjährigen Basler Fasnacht die vielen Demonstrationen als Sujet haben und am Cortège angemeldet sind.

Was auf dem Video nur undeutlich zu erkennen ist: Der Trompeter und eine Reihe weiterer Mitglieder tragen ein T-Shirt, auf dem ein abgeändertes Logo der Gugge aufgedruckt ist, das vor rechtsradikaler Symbolik strotzt.

Auf der Nase des Waggis mit Totenkopfaugen prangt das frühere Logo der deutschen Kleidermarke Thor Steinar. Die Kombination aus zwei germanischen Runen ist ein Erkennungsmerkmal in der rechtsextremen Szene. In mehreren deutschen Fussballstadien ist die Kleidermarke deshalb verboten. Zudem ist das Logo der italienischen Modemarke Stone Island erkennbar, die bei Fussballhooligans sehr beliebt ist. Und weiter zieren zwei Baseball-Schläger und ein Schlagring das abgeänderte Logo.

Ein Mitglied habe die T-Shirts auf eigene Faust gedruckt, sagt Caldana. Der Mann sei deswegen rausgeflogen und nun bei einer anderen Gugge aktiv. Mehrere Mitstreiter hätten danach die Gülle Schlüch ebenfalls verlassen.

Das abgeänderte Logo der Gugge mit dem Logo der Neonazi-Marke Thor Steinar auf der Nase.
Das abgeänderte Logo der Gugge mit dem Logo der Neonazi-Marke Thor Steinar auf der Nase.

Auf Facebook finden sich reihenweise Bilder, auf denen mehrere Mitglieder der Gugge das T-Shirt tragen, darunter auch Präsident Caldana. «Das war an einem Fussballturnier, als wir keine anderen Shirts dabei hatten», sagt er. Nachdem Personen ihn auf den Schlagring angesprochen hatten, sei das T-Shirt verboten worden, so Caldana.

Das Thor-Steinar-Logo habe er nicht erkannt. Dies, obwohl er auf Nachfrage zugibt, selber auch schon eine Hose der Marke gekauft zu haben. Über ein Jahr lang sind die T-Shirts mit dem abgeänderten Waggis auf Guggen-Fotos zu sehen. Schwer vorstellbar, dass in dieser Zeit niemand etwas von der Neonazi-Symbolik bemerkt hat.

Damit nicht genug: Weitere Facebook-Bilder zeigen ein Guggen-Mitglied, auf dessen Pauke «Ku Klux Klan Basel» geschrieben steht. Auf Fotos vom vergangenen Jahr ist der Mann wieder an der Pauke zu sehen, dieses Mal ohne den Schriftzug. «Das ist ein absolutes No-Go», sagt Caldana. Der Mann sei ein früheres Mitglied, das nur noch vereinzelt mitmusiziere.

Anstecker von Neonaziband auf dem Kostüm

Ein weiteres Mitglied trägt auf mehreren Bildern einen Anstecker mit dem Logo und Namen der englischen Neonazi-Musikgruppe Brutal Attack, einmal hält der Mann den Button direkt in die Kamera. Die Band ist eine rechtsextreme Szenegrösse und hat das Neonazi-Musiknetzwerk Blood and Honour mitbegründet. Der Mann ist gemäss mehreren Quellen Mitglied der Basler SVP.

Ein Mitglied der Gugge posiert mit einem Button der Rechtsextremen Band «Brutal Attack»
Ein Mitglied der Gugge posiert mit einem Button der Rechtsextremen Band «Brutal Attack»

Auf Facebook posiert er unter anderem mit dem Basler Parteipräsidenten Eduard Rutschmann und SVP-Bundesrat Ueli Maurer. «Der Mann ist ein langjähriges Guggen-Mitglied und der harmloseste Mensch, den man sich vorstellen kann», sagt Caldana. Nach Rücksprache sagt er, der Mann habe nicht realisiert, was für einen Anstecker er trage. Die SVP wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Rassistische Sujets und Pnos-Flyer
Bereits mehrfach sorgten Cliquen, kleinere Gruppen oder Einzelpersonen zuletzt für Diskussionen über Rassismus an der Basler Fasnacht.

Fasnacht 2018: Fünf Mitglieder der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) mischten sich als Schyssdräggziigli unter die Aktiven und liefen am Cortège mit. Bemerkt hat das niemand.

August 2018: Die beiden Guggenmusiken Negro-Rhygass 1958 und Mohrekopf 1954 lösten eine Rassismusdebatte aus: Die Namen und Logos seien rassistisch und im Jahr 2018 nicht mehr angebracht. Es wurde gar eine Petition gegen die beiden Gruppierungen lanciert. Negro-Rhygass erklärte daraufhin, man werde das alte Logo nicht mehr verwenden. Den Namen will die Guggenmusik aber behalten. Am 17. August 2018 gingen rund 800 Menschen im Rahmen des Solidaritätsmarschs für die beiden Guggen Negro-Rhygass und Mohrekopf auf die Strasse. Mit dabei: Personen aus rechtsextremen Kreisen sowie Pnos-Mitglieder. Gegendemonstranten stellten sich dem Marsch entgegen.

Fasnacht 2019: Gleich zwei Rassismus-Skandale prägten die Fasnacht. Eine unbekannte Gruppe verteilte «Zeedel» mit klar rassistischen Äusserungen. Vermutlich handelte es sich bei der Gruppe, die unter dem Namen «Harus-Waagis» agierten, gar nicht um Fasnächtler. Die Staatsanwaltschaft eröffnete eine Untersuchung. Im selben Jahr präsentierte die Alte Garde der Alte Stainlemer ihr Sujet und die dazugehörige Laterne zum Thema Überfremdung. Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus prüfte den Fall und kam zum Schluss, dass das Sujet «geschmacklose Fremdenfeindlichkeit» darstelle. (sil)
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