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Türkische Polizei nimmt Online-Chef von «Cumhuriyet» fest

12.05.2017, 12:0712.05.2017, 14:11
Cumhuriyet ist Erdogan ein Dorn im Auge.
Cumhuriyet ist Erdogan ein Dorn im Auge.
Bild: CEM TURKEL/EPA/KEYSTONE

Die türkische Polizei hat den Online-Chef der regierungskritischen Zeitung «Cumhuriyet» festgenommen. Oguz Güven wurde am Freitag von Polizisten in Istanbul in Gewahrsam genommen und zur Befragung ins Polizeipräsidium gebracht, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Güven gab seine Festnahme auch selbst über den Online-Dienst Twitter bekannt. Laut Anadolu wurde Güven wegen eines Berichts über den Tod des ranghohen Staatsanwalts Mustafa Alper festgenommen. Alper, der massgeblich an den Ermittlungen zum Putschversuch im Juli beteiligt gewesen war, war vor einigen Tagen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

«Cumhuriyet» ist die älteste Zeitung der Türkei und zählt zu den entschiedensten Kritikern des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Seit dem Putschversuch, für den die Regierung den in den USA im Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen verantwortlich macht, wurden in der Türkei zahlreiche Journalisten festgenommen, darunter auch viele «Cumhuriyet»-Mitarbeiter.

19 Mitarbeiter angeklagt

Im April hatte die Staatsanwaltschaft gegen 19 Journalisten und Mitarbeiter der Zeitung Anklage erhoben, unter ihnen der Chefredaktor Murat Sabuncu, der Kolumnist Kadri Gürsel, der Karikaturist Musa Kart und der Investigativjournalist Ahmet Sik.

Die Anklagebehörde wirft ihnen Mitgliedschaft in einer «Terrorgruppe» und Unterstützung verbotener Organisationen vor. Den Angeklagten, von denen die meisten bereits seit sechs Monaten in Haft sitzen, drohen bei einer Verurteilung bis zu 43 Jahre Gefängnis.

Der frühere «Cumhuriyet»-Chefredaktor Can Dündar wurde im vergangenen Jahr wegen eines Berichts über geheime Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts an islamistische Rebellen in Syrien zu fast sechs Jahren Haft verurteilt. Er kam jedoch bis zum Berufungsverfahren auf freien Fuss und lebt inzwischen in Deutschland im Exil.

Die türkische Staatsanwaltschaft bezichtigt «Cumhuriyet», seit 2013 unter Kontrolle von Gülen zu stehen. Die Zeitung hat die Vorwürfe immer wieder zurückgewiesen und daran erinnert, dass sie die Gülen-Bewegung bereits kritisiert habe, als die regierende AKP noch mit ihr verbündet war. Laut der Website P24 sind in der Türkei derzeit insgesamt 165 Journalisten inhaftiert. (sda/afp)

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