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Die Vinland-Karte, die angeblich aus dem 15. Jahrhundert stammt und oben links das von Wikingern besiedelte Vinland zeigt, ist eine Fälschung.
Die Vinland-Karte, die angeblich aus dem 15. Jahrhundert stammt und oben links das von Wikingern besiedelte Vinland zeigt, ist eine Fälschung.Bild: gemeinfrei

Die älteste Karte Amerikas, die «Vinland-Karte», ist eine Fälschung

07.10.2021, 17:47

Es war eine Sensation, als diese Karte 1957 in den Handel gelangte: Die angeblich im 15. Jahrhundert – noch vor der berühmten Seereise von Kolumbus – angefertigte Karte zeigte eine Insel westlich von Grönland, beschriftet mit vinlandia insula. Diese sogenannte Vinland-Karte, nach der von den Wikingern so benannten Gegend Vinland auf Neufundland, wäre demnach die älteste kartografische Darstellung von Teilen der Neuen Welt.

Sollte die Karte echt sein, wäre sie zudem der zu dieser Zeit einzige Beweis dafür gewesen, dass die Wikinger Amerika tatsächlich vor Kolumbus erreicht hatten. Erst 1961 konnten Archäologen eine Wikingersiedlung bei L'Anse aux Meadows nachweisen und so die in den altnordischen Sagas erwähnten Reisen bestätigen.

Zweifel an der Echtheit der Karte kamen allerdings sofort auf. Das Pergament, auf das sie gezeichnet war, stammt zwar zweifelsfrei aus dem 15. Jahrhundert, wie eine Radiokarbondatierung ergab. Doch Experten monierten, dass mehrere Merkmale der Karte gegen ihren Ursprung im 15. Jahrhundert sprechen. So ist ausgerechnet die Darstellung der Insel Vinland ungewöhnlich detailreich. Auch der Umstand, dass die Karte wie moderne Kartenwerke geordnet ist, spricht gegen eine Entstehung zu dieser Zeit.

Nun haben Wissenschaftler der Yale-Universität, in deren Besitz die Vinland-Karte seit 1959 ist, jeden Zweifel ausgeräumt: Die Karte ist tatsächlich eine Fälschung. Der Beweis dafür liegt in der Tinte, mit der sie beschriftet und gezeichnet ist: Sie enthält Titandioxid. Solche Tinten gibt es erst seit 1923.

Ein spezielles Röntgenverfahren (XRF) zeigt das Titan in der Tinte, mit der die Karte gezeichnet wurde.
Ein spezielles Röntgenverfahren (XRF) zeigt das Titan in der Tinte, mit der die Karte gezeichnet wurde. Bild: Yale University

Die Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass es sich nicht um eine Spielerei, sondern um eine bewusste Fälschung handelt, die angefertigt wurde, um ein Publikum zu täuschen. Zu diesem Schluss kommen sie aufgrund einer lateinischen Inschrift auf der Rückseite des Pergaments, das aus einem Codex mit einer Teilabschrift des Speculum historiale des Vinzenz von Beauvais stammt. Bei dieser Inschrift handelt es sich um eine Notiz des Buchbinders, der den Codex im 15. Jahrhundert band.

Die Notiz des Buchbinders auf der Rückseite des Pergaments im Original (oberste Zeile). Die unterste Zeile zeigt das in modernen Tinten enthaltene Titan, die drei mittleren Zeilen hingegen Eisen, Kupfer und Schwefel, die auf eine mittelalterliche Tinte hinweisen.
Die Notiz des Buchbinders auf der Rückseite des Pergaments im Original (oberste Zeile). Die unterste Zeile zeigt das in modernen Tinten enthaltene Titan, die drei mittleren Zeilen hingegen Eisen, Kupfer und Schwefel, die auf eine mittelalterliche Tinte hinweisen.Bild: Yale University

Der Fälscher entnahm das Pergament aus dem Codex und zeichnete die Karte darauf. Zusätzlich überschrieb er aber auch die Inschrift auf der Rückseite mit seiner Tinte, damit eine allfällige Prüfung ergeben würde, dass Inschrift und Karte mit derselben Tinte geschrieben wären – und die Karte demnach aus der entsprechenden Zeit stammen müsste.

Wer der Fälscher war, ist jedoch nach wie vor unbekannt. Sein berühmtes Werk aber darf weiterhin in der Bibliothek der Yale-Universität bleiben: Die Wissenschaftler betrachten die Vinland-Karte mittlerweile selber als historisches Objekt – es handle sich um ein herausragendes Beispiel für eine Fälschung mit weltweiter Wirkung.

Die endgültige Entlarvung der Vinland-Karte als Fälschung bedeutet natürlich nicht, dass nun die Geschichtsbücher umgeschrieben werden müssen. Die zeitweise Besiedlung Vinlands durch die Wikinger ist wie erwähnt schon seit den Sechzigerjahren archäologisch gesichert. Die Wikinger-Siedlung stammt aus der Zeit zwischen 990 und 1050 – lange vor der ersten Seereise des Kolumbus nach Amerika im Jahr 1492. (dhr)

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