DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bei Valora gibt es neu die Dubler-«Mohrenköpfe»

25.05.2018, 22:0826.05.2018, 08:23
benjamin weinmann / schweiz am wochenende
Ein Artikel von Schweiz am Wochenende
Schweiz am Wochenende

Der Kiosk-Konzern Valora hat seit kurzem ein umstrittenes Süssgebäck in sein Sortiment aufgenommen: Den «Mohrenkopf» der Aargauer Firma Dubler mit Sitz in Waltenschwil. Valora-Sprecher Lukas Mettler bestätigt, dass die Produkte neuerdings in ausgewählten Kiosk-Geschäften in der Deutschschweiz verkauft werden.

Dies überrascht, war doch in den letzten Monaten eine hitzige Diskussion um den Namen von Dublers Dessert entbrannt. Der Name «Mohrenkopf» sei rassistisch, fast so schlimm wie der früher in Deutschland verkaufte «Negerkuss», urteilten Kritiker. Der Name, der an Kolonialzeiten erinnere und Menschen dunkler Hautfarbe diskriminiere, gehöre abgeschafft. Sogar eine Online-Petition wurde gestartet.

Andere Produzenten haben den Namenswechsel schon länger vollzogen und werben mit politisch korrekten Choco-Köpfli und Schaumküssen. Robert Dubler Junior (70), der die Fabrik mit ihren 15 Mitarbeitenden seit 1971 in zweiter Generation führt, hält dennoch standhaft an der Bezeichnung fest. Die mit süssem Schaum gefüllten Schokoladengebäcke sind vor allem in Cafes, Bäckereien und Restaurants erhältlich, sowie in einigen Volg- und Spar-Geschäften – ansonsten aber nicht im grossen Detailhandel.

Bei Valora «Schokokuss» genannt

Und nun haben sie es in die Valora-Filialen geschafft. Der Kiosk-Konzern mit einem Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Franken zeigt sich aber geniert, als er von dieser Zeitung auf die umstrittene Namensbezeichnung angesprochen wird. Nach mehrmaligem Nachfragen, wie man die Rassismusvorwürfe beurteile, sagt Firmensprecher Mettler, man verzichte diesbezüglich auf eine Stellungnahme. Man richte sich nach den Bedürfnissen der Kunden und das Produkt sei sehr beliebt. Reklamationen habe man bisher keine Erhalten.

Dennoch nimmt Valora den Begriff Mohrenkopf nicht in den Mund. Im Gegenteil: Valora habe sich bei der Einführung dazu entschlossen, die Patisserie von Dubler auf Werbemitteln als «Schokokuss» zu bezeichnen, sagt Mettler. Dies sei die gängige deutsche Bezeichnung für dieses Produkt und für alle verständlich. Die Handelskette Spar Schweiz hingegen bezeichnet die Süssigkeit auch am Regal als Mohrenkopf. Eine Antwort von Volg zum Umgang mit dem umstrittenen Namen blieb bis Redaktionsschluss aus.

Warum der Mohrenkopf Sadomaso-Müntschi heissen müsste

Video: watson/Renato Kaiser

Hersteller Robert Dubler sagt, er sei via eines Zwischenhändlers zum Handkuss bei Valora gekommen, ohne sich darum bemüht zu haben. In früheren Jahren habe Valora schon einmal seine Produkte verkauft. Die Bestellmenge sei überschaubar, und eigentlich wolle er gar keinen Grossauftrag. Der Umsatz sei in den letzten 15 Jahren praktisch immer gleich gross geblieben. „Und das ist mir ganz recht.“ Dass Valora seinen „Mohrenkopf“ als «Schokokuss» bezeichnet, sei ihm egal. Aber: „Man kann natürlich alles verkomplizieren.“

Etymologisch finden sich verschiedene Erläuterungen zum Wort «Mohr“. Das althochdeutsche «mor »ist die Bezeichnung für eine Person dunkler Hautfarbe. Das griechische „moros“ bedeutet töricht oder dumm. Das latenische «Maurus» steht für schwarz, dunkel und afrikanisch. In der Vergangenheit wurden die Bewohner des nordafrikanischen Mauretaniens als Mohr bezeichnet. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff in erster Linie als Synonym für «Schwarzafrikaner» verwendet.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Biden droht Putin: Bei einer militärischen Eskalation muss er mit Konsequenzen rechnen
Das virtuelle Krisengespräch zwischen den Präsidenten Amerikas und Russlands dauerte am Dienstag zwei Stunden lang. Und Joe Biden machte Wladimir Putin einmal mehr deutlich, dass er bei einer russischen Invasion der Ukraine mit einer scharfen Antwort des Westens rechnen müsste.

In eindringlichen Worten hat der amerikanische Präsident Joe Biden am Dienstag seinen Amtskollegen Wladimir Putin vor den Folgen eines erneuten russischen Einmarsches in der Ukraine gewarnt. Amerika und seine europäischen Alliierten seien «zutiefst besorgt» über den Truppenaufmarsch an der West-Grenze Russland, wo Putin gemäss amerikanischen Geheimdienstinformationen bis zu 175'000 Soldaten zusammenziehe, sagte Biden während eines zwei Stunden langen Gesprächs mit Russlands Präsidenten.

Zur Story