Österreich
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bundespräsident Maurer vergleicht die Schweiz mit einer wiederkäuenden Kuh



epa07274866 Swiss Federal President Ueli Maurer (L) and Austrian Federal President Alexander Van der Bellen (R) shake hands prior to their meeting at the presidential office of the Hofburg Palace in Vienna, Austria, 11 January 2019. Maurer is on a working visit tin Vienna.  EPA/FLORIAN WIESER

Freundlich gesinnt: Maurer und Van der Bellen in Wien. Bild: EPA/EPA

Bundespräsident Ueli Maurer hat Zweifel an einer raschen Einigung auf ein neues Rahmenabkommen mit der EU geäussert. Er warnte am Donnerstag in Wien vor einem «Wirtschaftskrieg» mit Brüssel.

Bei seinem Antrittsbesuch in Österreich verwies Maurer an einer Medienkonferenz in Wien darauf, dass in diesem Jahr sowohl in der EU als auch in der Schweiz gewählt wird; er bat Brüssel noch um etwas Geduld. Maurer ist am Freitag gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Alexander Van der Bellen vor die Medien getreten.

Auf die Frage, ob man die Einigung mit Brüssel nicht sowieso auf 2020 verschieben sollte, sagte Maurer: «Wahrscheinlich ergibt sich das fast aus den Abläufen, die gegeben sind.» Schliesslich finde in der Schweiz noch bis zur Jahresmitte eine Konsultation über den Vertragsentwurf statt.

Geduld von Brüssel strapaziert

«Wenn man die Geduld hat, das auch nach den Wahlen mit neuen Leuten anzuschauen, wäre das vielleicht keine schlechte Lösung. Nach unserem Verständnis entsteht unter Druck nie etwas Gutes, weil wir eben länger brauchen», sagte Maurer mit Blick auf das Ultimatum der EU-Kommission. Er bat diesbezüglich um Verständnis für das Schweizer Entscheidungssystem, das er mit dem Bild von wiederkäuenden Kühen veranschaulichte - und er räumte ein: «Wir haben die Geduld von Brüssel sehr strapaziert.»

Die EU-Kommission hat der Schweiz Mitte Dezember ein Ultimatum bis Mitte 2019 gestellt und Nachverhandlungen über den Entwurf des Rahmenabkommens ausgeschlossen. Wenn der Entwurf als «Take-it-or-leave-it»-Deal angesehen werde, sei die Gefahr gross, dass in den Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU «Geschirr zerschlagen» werde, mahnte Maurer.

epa07275047 Swiss Federal President Ueli Maurer (L) and Austrian Federal President Alexander Van der Bellen (R) speak during a press conference after their meeting at the presidential office of the Hofburg Palace in Vienna, Austria, 11 January 2019. Maurer is on a working visit to Vienna.  EPA/FLORIAN WIESER

Bild: EPA/EPA

Die mit dem EU-Ultimatum verbundene Drohung der EU, der Schweizer Börse die Anerkennung als gleichwertig zu verweigern, wies der Finanzminister scharf zurück. Sollte die Börse nicht als gleichwertig anerkannt werden, bestehe die Gefahr eines Wirtschaftskrieges. «Wir sollten versuchen, nicht in eine solche Sackgassen zu geraten.» Maurer kritisierte zudem, dass es derzeit keine Kontakte mit Brüssel auf persönlicher Ebene gebe.

Wien zeigt Verständnis für Bern

Der österreichische Bundespräsident Van der Bellen bekräftigte die Unterstützung seines Landes für das Abkommen und äusserte zugleich Verständnis für Bern. «Ich plädiere dafür, ein bisschen Geduld zu haben.» Van der Bellen erwartet, dass man «Anfang 2020» wieder über das Thema reden werde. Schliesslich sei es «nicht wie der Brexit», wo man ohne Lösung vor dem Nichts stehe.

Obwohl der österreichische Präsident auf Anfrage die Entscheidung der Schweiz, kein EU-Mitglied zu werden, bedauerte, verwies er auf viele ähnliche Ansichten beider Länder, etwa auch in der Klimapolitik.

Austrian Chancellor Sebastian Kurz, right, welcomes Swiss Federal President Ueli Maurer, left, for a meeting at the federal chancellery in Vienna, Austria, Friday, Jan. 11, 2019. (AP Photo/Ronald Zak)

Maurer mit Bundeskanzler Kurz. Bild: AP/AP

Maurer sagte, dass ein Land wie die Schweiz, in dem drei Jahre lang über Fragen wie die Enthornung von Kühen diskutiert werde, keinen Platz im EU-Entscheidungssystem habe. «Wir würden nie in die EU passen», schloss der 68-Jährige einen EU-Beitritt der Schweiz zumindest zu seinen Lebzeiten aus. «Ich werde es nicht erleben.»

Maurer und Van der Bellen lobten nach ihrem Treffen am Freitag die Tradition, wonach Spitzenpolitiker beider Länder ihren ersten Auslandsbesuch jeweils in dem Nachbarland absolvieren. Van der Bellen hob hervor, dass die Schweiz mit 65'000 Österreichern die zweitgrösste Gemeinde an Auslandsösterreichern beherberge und gleichzeitig für fünf Millionen Logiernächte in Österreichs Tourismus stehe.

«Wichtiger Kern für Europa»

Maurer seinerseits zeigte sich begeistert von der österreichischen Herzlichkeit und strich die gemeinsame Zugehörigkeit zum Alpenraum hervor. «In diesem Alpenraum ist die wirtschaftliche Kraft Europas entstanden», er sei auch heute «ein wichtiger Kern für Europa», so Maurer. Damit wies er zugleich indirekt den Vorwurf an die Schweiz zurück, wonach das Land isolationistisch sei: «Wir sind eines der europäischsten Länder», sagte er.

Van der Bellen hatte Maurer am späten Vormittag am Inneren Burghof in Wien mit militärischen Ehren empfangen. Am Mittag traf Maurer mit dem österreichischen Finanzminister und ÖVP-Politiker Hartwig Löger zusammen. Für den Nachmittag waren Gespräche mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (beide ÖVP) angesetzt. (aeg/sda/apa)

Wir erklären dir das institutionelle Rahmenabkommen

abspielen

Video: Lea Senn, Angelina Graf

Europa und die Schweiz

11 Festivals in ganz Europa, die du dieses Jahr besuchen kannst 

Link zum Artikel

Auf Schienen durch Europa: 6 Routen für einen stressfreien Backpack-Trip

Link zum Artikel

Gute Bedingungen, nix draus gemacht: Wir sind Europas Pfeifen bei Wind- und Solarenergie

Link zum Artikel

Daten-Flatrate fürs Handy? Roaming-Abo? Lohnt sich das für mich? Hier findest du es heraus

Link zum Artikel

7 Europa-Karten, die du in der Schule ziemlich sicher nicht gelernt hast

Link zum Artikel

Das Aufatmen war von kurzer Dauer: Europa ist zurück im Krisenmodus

Link zum Artikel

«Es gibt im Herzen Europas ganz konkrete Bedrohungen für Journalisten»

Link zum Artikel

Schweizer wären die Fleissigsten in Europa – wären da nicht die Isländer

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pasch 12.01.2019 11:25
    Highlight Highlight Hier hätte ich mal ein Video passend gefunden! Viel Sympathie kann ich für ihn nicht aufbringen seit der Panamageschichte, aber ihm zuzuhören ist doch immer wieder interessant. Anscheinend hat er hier doch sehr gute Worte gefunden und den Standpunkt rübergebracht. Und wer sein Land mit einer Kuh vergleicht der kann sich sicher sein, dass auch wenns keine EU als Partner gibt (auch wenn wir am viel kleineren Hebel sitzen), wir doch für die Inder heilig wären! Also einfach mal den EU-Turbo auf Sparflamme und Eile mit Weile, ansonsten gibts den hier!
    Benutzer Bildabspielen
  • rodolofo 12.01.2019 10:51
    Highlight Highlight Kühe sind faszinierende Wesen!
    Wer einmal richtig in die tiefen, dunklen, manchmal zärtlich glänzenden Augen von Kühen geschaut hat, kann sich kaum mehr satt sehen, an der wunderbaren inneren Ruhe, welche dieser Verdauungs-Spezialistinnen ausstrahlen!
    Eine Kuh beobachtet alles sehr genau und erinnert sich daran, wie die Situation am Vortag war.
    Wurde ein Objekt räumlich verschoben, wird es als neues Objekt behandelt, mit vorsichtigem sich Annähern, Beobachten und Beschnuppern.
    Kühe als Flucht-Tiere müssen diese Fähigkeiten und Verhaltensweisen haben!
    Ist die Schweiz ein Flucht-Tier...?
    • Spooky 12.01.2019 13:12
      Highlight Highlight "Ist die Schweiz ein Flucht-Tier...?"
      Nein, die Schweiz ist nämlich kein Tier. Und darum auch kein Fluchttier.
    • rodolofo 12.01.2019 20:19
      Highlight Highlight Aber gemäss Ueli dem Bundesrat ein Gross-Wiederkäuer.
  • Spiessvogel 12.01.2019 10:07
    Highlight Highlight Hoffentlich gelingt es Volks-Ueli rechtzeitig mit Kuh-Vergleichen aufzuhören. Es ist ja allseits abzusehen, was herauskommt, wenn das Ende des Verdauungstrakts erreicht ist.
    • grosnaldo 12.01.2019 12:05
      Highlight Highlight ...ob ich einverstanden bin weiss ich noch nicht wirklich, aber lachen muss ich vom Kommentar doch ziemlich :-D
  • Kip_Organa 11.01.2019 23:00
    Highlight Highlight so wie sich dieser Bericht anhört, hat Mauerer ( erhlich gesagt: entgegen meinen Erwartungen) die Schweiz würdig be unseren Nachbaren vertreten *daumen hoch*

Tests zeigen: Schweizer Markenartikel gibt es in Deutschland meist günstiger

Ausländische Hersteller und Händler schöpfen gezielt die höhere Kaufkraft in der Schweiz ab, lautet die häufige Kritik. Doch wie sieht es bei Schweizer Markenherstellern aus, die ihre Produkte auch ins Ausland exportieren?

Die Schweiz am Wochenende hat getestet, wie gross der Preisunterschied bei ausgewählten Schweizer Produkten in Deutschland und in der Schweiz ist. Die Testkäufe bei Coop, der zu Edeka gehörenden Einzelhandelskette Hieber, der Drogerie Müller oder den jeweiligen Webshops zeigen, dass es die Produkte in Deutschland tatsächlich meist günstiger als in der Schweiz zu kaufen gibt.

Eine Zahnbürste von Curaprox kostet zum Beispiel 23.8 Prozent mehr, die Pralinés du Confiseur von Lindt & Sprüngli …

Artikel lesen
Link zum Artikel