Weltmeister? Torschützenkönig? Flop-Team? So tippt watson die Fussball-WM
Die WM steht vor der Tür und natürlich sind auch im watson-Büro plötzlich alle ausgewachsene Nationaltrainer und Fussball-Expertinnen. Wir haben in der Sportredaktion und darüber hinaus nach Tipps und Vorhersagen für die Europameisterschaft gefragt – das ist dabei herausgekommen.
Weltmeister
Nik Helbling: Thomas Tuchel hat mit seiner Nominierung für grosse Diskussionen gesorgt, weil er Stars wie Palmer, Trent oder Foden zu Hause gelassen hat, aber es ist ein kluger Schachzug. Jetzt kennt jeder seine Rolle, was bei solchen Turnieren sehr wichtig ist. Und England ist ja auch so hervorragend besetzt.
Philipp Reich: «Football is finally coming home!» Nach 60 Jahren stemmt England nach einem Finalsieg über Brasilien endlich wieder den WM-Pokal in die Höhe. Die Quali war makellos, die Kaderdichte ist herausragend und auch die Presse scheint für einmal voll und ganz hinter den «Three Lions» zu stehen.
Elena Müller: Beim Weltmeistertitel schwanke ich derzeit zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich gilt klar als einer der grossen Favoriten. Top-Kader, Nummer 1 der Weltrangliste und viele Prognosen tippen auf die französische Nationalmannschaft. Aber unterschätzt Deutschland nicht, das sagt zumindest mein Bauchgefühl. Gönnen würde ich ihnen den Titel auf jeden Fall.
Ralf Meile: Spanien. Ich sehe keine Schwachstelle, aber lauter Hochkaräter in jedem Mannschaftsteil.
Timo Rizzi: Ich habe erst gerade gelesen, dass vieles im Weltfussball ähnlich ist wie im Jahr 2010. Damals ging Spanien als Europameister an die WM und wurde Weltmeister. Auch in diesem Jahr.
Adrian Bürgler: Spanien. Wie der spanische Tiki-Taka-Fussball rund um die 2010er-Jahre ist dieser Tipp nicht besonders aufregend, dafür pragmatisch und hoffentlich erfolgreich. Im Final schmelzen die Engländer in der New Yorker Hitze davon und Spanien wird Champion.
Claudia Carvalho: Siuuuuu! Portugal hat ein unglaublich versiertes und talentiertes Kader. Bruno Fernandes, Vitinha, Joao Neves und Bernardo Silva bilden zusammen ein brutal starkes Mittelfeld. Portugal ist sicherlich nicht mehr abhängig von Cristiano Ronaldo, er gehört aber noch zu den grössten Motivatoren der Mannschaft. Der grosse Abschied von Ronaldo wäre mit einem WM-Titel perfekt – und würde für eine der emotionalsten WM-Geschichten aller Zeiten sorgen.
Reto Fehr: In einem Jahr, in dem der FC Thun Meister wird, ist ja alles möglich. Darum: Senegal. Natürlich ein Herzenstipp. Ein afrikanisches Team soll es endlich machen. Bin auch glücklich, wenn es die Elfenbeinküste, Ghana oder Südafrika wird. Und auch Marokko würde ich nehmen, aber nur, wenn El-Kaabi – wie beim Afrika-Cup – mindestens zwei Fallrückziehertore erzielt.
Schweizer Nati
Reto Fehr: Die Gruppenphase ist ja geschenkt. Sechzehntel- und Achtelfinal sollten auch klappen. Danach alles offen. Aber beim letzten Tanz von Granit Xhaka sind wir mal optimistisch: Halbfinal. Wäre Alvyn Sanches dabei, würde es natürlich zu mehr reichen. Aber ich bin ja (noch) nicht Nationaltrainer.
Ralf Meile: Aus im Viertelfinal. Der Gruppensieg muss gegen diese Gegner her, danach folgen Siege im Sechzehntel- und Achtelfinal, ehe die grosse Euphorie durch eine Niederlage im Penaltyschiessen in Katzenjammer umschlägt.
Elena Müller: Die Schweizer Nati kommt in den Viertelfinal. Es wird zäh, aber es ist definitiv machbar. Ich glaube, das Testspiel gegen Australien war der nötige Weckruf.
Claudia Carvalho: Holt die Schweiz den Gruppensieg, trifft sie womöglich im Achtelfinal auf Portugal. Da ich auf Portugal als Weltmeister tippe, bedeutet das die Endstation für die Nati. (P. S.: Falls trotzdem die Schweiz gewinnt, wäre ich natürlich auch ultrahappy!)
Adrian Bürgler: Die Schweiz gewinnt die Gruppe mit Kanada, Katar und Bosnien und Herzegowina, siegt im Sechzehntelfinal und scheitert dann wie 2022 in Katar im Achtelfinal an Portugal. Besonders bitter: Der Weg als Gruppenzweiter wäre einfacher gewesen.
Nik Helbling: Die Nati kann ihre Gruppe gewinnen, aber selbst dann droht im Achtelfinal ein Topgegner wie Portugal. Da ist leider Schluss.
Philipp Reich: Die Schweizer Nati qualifiziert sich souverän für den Achtelfinal, scheitert dort aber an Geheimfavorit und Turnierüberraschung Kolumbien.
Timo Rizzi: Die Schweizer spielen eine überschaubare Gruppenphase und beenden diese auf dem zweiten Platz. Dies ist in der K.o.-Phase aber nicht viel schlimmer als der erste Gruppenplatz. Zunächst gewinnt das Team von Murat Yakin im Sechzehntelfinal, verliert aber im Achtelfinal gegen die Überraschung des Turniers.
Positive Überraschung
Timo Rizzi: Nach einer sehr enttäuschenden Quali sicherte sich Schweden über die Nations League doch noch das WM-Ticket. Die Schweden beenden die Gruppe vor den Niederlanden auf dem ersten Platz und kommen bis in den Viertelfinal. Wie vor acht Jahren gewinnen die Skandinavier im Achtelfinal gegen die Schweiz.
Adrian Bürgler: Ich habe dieses Jahr die Türkei gross auf der Rechnung. Angeführt vom jungen Superstar Arda Güler gewinnt sie ihre Gruppe, schlägt im Sechzehntelfinal Bosnien, schaltet im Achtelfinal Belgien aus und fordert dann im Viertelfinal den späteren Weltmeister Spanien bis aufs Äusserste. Lasset das Hupkonzert beginnen!
Philipp Reich: Die Türkei sehe ich in diesem Jahr ganz weit vorne, aber auch Gastgeber Mexiko oder Kolumbien könnten dem einen oder anderen Topfavoriten ein Bein stellen. Und eine halbe Überraschung wird auch, dass Rekordweltmeister Brasilien den Final erreicht.
Elena Müller: Meiner Meinung nach ist Curaçao bereits jetzt die grosse Überraschung. Der Inselstaat hat den inoffiziellen Titel fürs beste Trikot gewonnen und als Underdog wird er sicherlich zum Publikumsliebling.
Ralf Meile: Portugal wird sehr weit kommen. Die wirklich positive Überraschung bei dieser positiven Überraschung: Cristiano Ronaldo akzeptiert eine Joker-Rolle.
Reto Fehr: Das Turnier findet ohne grosse Probleme statt. Ich hoffe ein bisschen auf den Iran und den Kongo. Und ist jetzt eigentlich dieser Pride-Match? Hoffentlich wird dies das beste Spiel der WM. Ah, und bei der Siegerehrung hoffe ich sehr auf so einen schönen Umhang, wie ihn Messi 2022 trug, halt einfach im US-Style mit Cowboyhut und Knarre. Das wird sicher gut. Päng päng!
Claudia Carvalho: Meiner Meinung nach hätten die Niederländer bereits bei der WM 2022 mehr verdient gehabt – die Viertelfinal-Niederlage gegen Argentinien war für mich völlig unverdient. Nun kommen sie dieses Jahr ganz weit.
Nik Helbling: Ecuador wird viele überraschen. Die haben eine hervorragende Defensive um Pacho (PSG), Hincapié (Arsenal), Sechser Caicedo (Chelsea) oder auch Estupinan (Milan). In der WM-Quali haben die bei 18 Spielen acht Mal 0:0 gespielt. Wenn Altmeister Valencia vorne ab und zu trifft, kann das für den Achtelfinal reichen.
Negative Überraschung
Claudia Carvalho: Neymar ist eine wichtige Identifikationsfigur für den brasilianischen Fussball. Diese Saison konnte er verletzungsbedingt kaum Spielpraxis sammeln – die Erwartungen an ihn sind jedoch deutlich höher als seine aktuelle Form. Zudem empfinde ich es als sehr schade, dass Joao Pedro nicht für die WM nominiert wurde. Er brillierte diese Saison für Chelsea und wurde zum besten Spieler der Saison gewählt.
Ralf Meile: Brasilien. In Erinnerung werden höchstens Tränen von Vinicius Junior und Neymar bleiben.
Nik Helbling: Ich sage es ungern, aber Deutschland. Nagelsmann kündigte vor zwei Jahren in der Trauer nach dem EM-Aus an, Weltmeister zu werden. Aber im Achtelfinal wartet wohl Frankreich – und habt ihr schon mal dessen Kader angeschaut?
Philipp Reich: Für Deutschland wird es nichts mit dem fünften WM-Stern. Die DFB-Elf ist auf vielen Positionen zu wenig gut besetzt, um mit den absoluten Topteams mitzuhalten, und defensiv so anfällig, dass spätestens im Viertelfinal Schluss ist.
Timo Rizzi: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Zwar skoren beide noch in der Gruppenphase, aber sobald es ernst wird, werden die beiden Superstars keine Stricke mehr reissen können und ohne Treffer bleiben.
Adrian Bürgler: Die USA. Der grösste der drei Gastgeber blamiert sich nicht nur mit fehlender Gastfreundschaft, sondern auch sportlich. Mit nur zwei Punkten aus drei Spielen bleibt das Team von Mauricio Pochettino in der Gruppenphase hängen.
Elena Müller: USA.
Reto Fehr: Ich nehme an, Infantinos und Trumps Bromance findet einen Höhepunkt. Aber bleiben wir beim sportlichen Teil. Hach, meine Wunschliste mit Teams, die für eine negative Überraschung sorgen sollten, ist lang. Italien hat ja schon mal vorbildlich erfüllt. Es verbleiben: Deutschland, Portugal, Spanien, Frankreich, Uruguay. Ich wähle Frankreich. In der Gruppe werden sie von Norwegen überrascht und Senegal spielt mal wieder das Spiel des Lebens gegen die alten Kolonialherren. Als Dritte duseln sie sich weiter. Im 1/16-Final dann gegen England – adieu!
Torschützenkönig
Adrian Bürgler: Auch hier ist mein Tipp eher langweilig und pragmatisch: Harry Kane, der beste Torschütze der Saison, schiesst England bis in den WM-Final.
Ralf Meile: Mikel Oyarzabal. Andere Namen im spanischen Team sind prominenter, aber der Baske ist als Mittelstürmer gesetzt und bewies zuletzt immer seinen Torriecher, wenn er in der Nati auflief.
Nik Helbling: Harry Kane. Mit dem künftigen Weltmeister England hat der im neuen Modus ja etwa 34 Spiele und in der Bundesliga reichte ihm das zu 36 Toren.
Philipp Reich: Torschützenkönig wird Harry Kane von Weltmeister England.
Timo Rizzi: Wahrscheinlich Harry Kane. Aber mein Herz sagt Edin Dzeko. Die bosnische Legende wird an der gesamten WM sechs Tore erzielen und so oft einnetzen wie sonst niemand bei diesem Turnier.
Reto Fehr: Da Neymar das Vorrundenspiel gegen Haiti wohl noch verpasst, profitiert Raphinha und macht beim 9:0 gegen Haiti mal sechs Buden, womit er den Titel praktisch auf sicher hat. Klar: Messi trifft gegen Jordanien beim 11:0 auch fünfmal. Aber nachher will ihm nicht mehr viel gelingen. Oder wie Fans dann sagen werden: «Where is Messi? Messi is asleep.»
Elena Müller: Florian Wirtz wird Torschützenkönig. Erstens, weil Deutschland wahrscheinlich Weltmeister wird, und zweitens wird Wirtz in der Gruppenphase einen Hattrick schiessen.
Claudia Carvalho: The GOAT Cristiano Ronaldo. Braucht es noch einen Kommentar dazu?
Bester Spieler
Elena Müller: Der beste Spieler wird wahrscheinlich Harry Kane. Er ist einfach ein Macher. Hat eine wahnsinnige Saison hingelegt und ein Blick auf die Wettquoten zeigt, dass er als einer der besten vom Platz gehen wird.
Nik Helbling: Declan Rice als Mittelfeldmotor und Antreiber bei den Three Lions. Schwankend gröle ich vor dem inneren Auge mit den englischen Fans «It's Coming Home».
Reto Fehr: Ich hoffe auf Mohammed Kudus. Aber da dieser verletzt ausfällt und Frankreichs Maghnes Akliouche völlig unverständlicherweise wohl wenig spielen wird, wird's wohl Bukayo Saka. Nur im Endspiel gegen den Senegal gelingt dann nicht mehr viel.
Claudia Carvalho: Vitinha ist nicht nur das Herz im Zentrum von PSG, sondern auch von der portugiesischen Nationalmannschaft. Er wurde bereits zum MVP der Champions League gekürt und verzaubert uns hoffentlich auch an der WM.
Ralf Meile: Wenn ich Spanien als Weltmeister tippe, dann muss es fast ein Spanier sein, sagen wir: Pedri.
Adrian Bürgler: Da Spanien mein Weltmeistertipp ist, muss der beste Spieler auch ein Spanier sein. Rodri gewann den Titel schon an der letzten EM. Nun ist sein jüngerer Teamkollege Lamine Yamal an der Reihe.
Timo Rizzi: Da Spanien Weltmeister wird, kommt der MVP auch aus Spanien und das wird in diesem Jahr Lamine Yamal sein.
Philipp Reich: Lamine Yamal, obwohl er Spanien nach dem EM-Titel nicht auch noch zum WM-Pokal führen kann.
Und jetzt du!
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