Zürich

Winterthurer An'Nur-Prozess: «Ich war dort niemals Imam»

23.11.17, 09:43 23.11.17, 10:56

Der 25-jährige Äthiopier, der in der Winterthurer An'Nur-Moschee zu Gewalt aufgerufen haben soll, hat am Donnerstag jegliche Tätigkeit als Imam abgestritten. «Ich war dort niemals Imam», sagte er vor dem Bezirksgericht. Er verstehe den Koran inhaltlich gar nicht.

In kurzen, knappen Aussagen gab der Beschuldigte an, dass er den Koran zwar auswendig kenne, den Inhalt aber nicht verstehe. Er verstehe die Sprache dazu nicht gut genug. Er habe in der An'Nur-Moschee zwar gelegentlich vorgebetet, aber mehr auch nicht. «Ich war dort niemals Imam.» Die 600 Franken, die er von der Moschee als Lohn erhalten haben soll, seien ein Geschenk gewesen.

Er gab zwar zu, die umstrittene Freitagspredigt im Oktober 2016 gehalten zu haben. Wie er auf den Text kam, wollte er am Donnerstag aber nicht mehr sagen. In einer früheren Aussage gab er an, den Text aufgrund mangelnder Kenntnisse im Internet zusammengesucht zu haben.

Text «geradezu souverän» gemeistert

Im November 2016 fand in der Moschee ein Razzia statt. Bild: KEYSTONE

Ein Gutachten, das den Text und eine Tonaufnahme auswertete, kommt jedoch zum Schluss, dass der Beschuldigte sehr gute Kenntnisse des klassischen Arabischen besitzt und auch den Inhalt versteht. Die Anzahl der Fehler sei gering, der Text sei «geradezu souverän» gemeistert worden.

Bei den brutalen Propaganda-Aufnahmen, die er auf Facebook geliked und geteilt haben soll, verstrickte sich der Beschuldigte in Widersprüche. Zuerst gab er an, er habe nichts geteilt sondern nur den Kommentar geschrieben, dass ihn Gewalt traurig mache. Dann gab er das Teilen trotzdem zu. Zu den Fotos von abgetrennten Gliedmassen, die auf seinem Handy waren, wollte er nichts mehr sagen.

Seine Freitagspredigt vom 21. Oktober 2016 war der Auslöser für die Razzia in der An'Nur-Moschee. Der Äthiopier somalischer Ethnie rief vor rund 60 Zuhörern dazu auf, Muslime, die nicht in Gemeinschaft beten, zu meiden, zu verleumden und in ihren Häusern zu verbrennen.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einen Landesverweis von 15 Jahren. Den Landesverweis zu vollziehen, dürfte allerdings schwierig werden. Die Schweiz hat derzeit kein Rückübernahmeabkommen mit Äthiopien. Der Beschuldigte sitzt wegen Fluchtgefahr derzeit in Sicherheitshaft. (sda)

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Video: srf

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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