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Gesellschaft & Politik
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ARCHIVBILD ZUR NATIONALEN KUNDGEBUNG

Arbeiter beim Aufbau einer 5G-Antenne. Bild: KEYSTONE

Neuester Streit der Putin-Trolle: Jetzt verbreiten sie 5G-Paranoia

Der russische Propaganda-Sender RT verbreitet regelmässig Beiträge mit Schauergeschichten über die angeblichen Gefahren der 5G-Technologie.



Spätestens seit der Veröffentlichung des Mueller-Reports ist im Detail bekannt, wie Russlands Propaganda-Maschinerie versucht, westliche Demokratien zu destabilisieren. Die Putin-Trolle beschränken sich jedoch nicht nur darauf, Wahlen zu beeinflussen. Sie versuchen ganz gezielt, die Bevölkerung zu verunsichern und Hass zu schüren.

Nun hat die «New York Times» aufgedeckt, dass Russlands Propagandasender RT, vormals Russia Today, systematisch Gruselmärchen über die angeblichen Gefahren der 5G-Technologie verbreitet. In Beiträgen wie «Ein gefährliches Experiment» wird behauptet, 5G-Signale hätten «Gehirn-Krebs, Unfruchtbarkeit, Autismus, Herztumore und Alzheimer zur Folge», schreibt die «New York Times».

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Warnt vor 5G: RT-Format «Der Fehlende Part». Video: YouTube/Der Fehlende Part

Auch RT Deutschland ist auf den 5G-Panik-Zug aufgesprungen. Im Format «Der Fehlende Part» wird die neue Technologie verteufelt, ja gar vor einer Apokalypse gewarnt.

Es sind zwei Gründe, die Schauergeschichten für Putin-Trolle attraktiv machen. Was IT und künstliche Intelligenz betrifft, ist Russland von den USA und China abgehängt worden. Die Chinesen haben Huawei, der Westen verschiedene andere Player, ein bedeutender russischer Player hingegen existiert nicht. «Es ist ein Wirtschaftskrieg», sagt daher Ryan Fox von der Firma New Knowledge. «Russland hat kein sehr gutes 5G-Netz.»

Dank Alibaba, Tencent und Baidu ist es China gelungen, eine gleichwertige Konkurrenz zu Silicon Valley aufzubauen. Russland versucht derweil, den Einfluss von Facebook, YouTube & Co. im eigenen Land einzudämmen.

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Hier kommen Verschwörungstheoretiker voll auf ihre Kosten. Video: YouTube/Aniassy

Ziel der Putin-Trolle ist es, die Nato und EU zu schwächen und so die westliche Einheit aufzubrechen. Die Verteufelung der 5G-Technologie passt perfekt in diese Strategie. Wie die Impf-Panik schürt sie latent vorhandene Ängste, sät Misstrauen und hetzt Menschen gegeneinander auf.

Molly McKew von der Beratungsfirma Fianna Strategies in Washington erklärt: «Der Kreml hätte wirklich grosse Freude daran, würden sich die demokratischen Regierungen in Kämpfe um die gesundheitlichen und ökologischen Folgen der 5G-Technologie verstricken.»

RT hat eine Tradition in Sachen Fake News. Legendär ist etwa der Fall Lisa. Als im Januar 2016 die damals 13-jährige Schülerin in Berlin als vermisst gemeldet wurde, verbreitete der Russensender tagelang die Falschmeldung, sie sei von Asylsuchenden gefangen genommen und missbraucht worden.

Selbst der russische Aussenminister Sergei Lawrow schaltete sich ein. Der Fall Lisa sorgte für eine gewaltige Empörung gegenüber der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Schülerin ausgerissen war und ein paar Nächte bei einer Freundin verbrachte hatte.

Russian President Vladimir Putin speaks during the Victory Day military parade marking 74 years since the victory in WWII in Red Square in Moscow, Russia, Thursday, May 9, 2019. (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)

Wladimir Putin am Veteranentag. Wenn es um Russland geht, hat der Präsident keine Bedenken gegenüber 5G. Bild: AP/AP

Auch die 5G-Panik ist viel Lärm um Nichts. In den Schauermärchen wird der Eindruck erweckt, diese Technologie sei eine weit potentere Version der bisherigen und daher umso gefährlicher. «Je höher die Frequenz, desto gefährlicher ist es für die Menschen», warnte etwa ein RT-Reporter seine Zuschauer.

Das Gegenteil ist der Fall. Je höher die Frequenz ist, desto harmloser ist es für die Menschen. Marvin C. Ziskin, Medizinprofessor an der Temple University, erklärt: «Wenn überhaupt, sind 5G-Emissionen sicherer als die vorhergehenden Generationen.»

Wie scheinheilig die Angstmacherei von RT und den Trollen ist, zeigt die Tatsache, dass Wladimir Putin keinerlei Bedenken hat, die Technik im eigenen Land einzusetzen. «Wir müssen vorwärts schauen», erklärte er jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur Tass. «Die Herausforderung der nächsten Jahre besteht darin, ein Hochgeschwindigkeits-Internet für alle zu schaffen.»

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