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Missbrauch, Schlamm und Traumata: 340'000 junge Rohingya sind in Gefahr

Bild: EPA/EPA

Im Chaos der Flucht vor Mord und Gewalt werden unter den aus Myanmar fliehenden Rohingya vor allem die Kinder aufgerieben. Das Kinderhilfswerk UNICEF schlägt wegen unzumutbarer Zustände Alarm.

20.10.17, 02:01 20.10.17, 08:15


Die furchtbaren Zustände in den Zufluchtsgebieten der aus Myanmar geflohenen Rohingya sind nach einem Bericht des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF für Kinder und Jugendliche unzumutbar. Rund 340'000 Minderjährige seien in Gefahr, berichtet UNICEF aus dem Südosten von Bangladesch, wo seit Ende August mehr als 580'000 Menschen Zuflucht gefunden haben. 58 Prozent sind unter 18 Jahre alt.

«Kein Wunder, dass die Kinder und Jugendlichen die Lage als Hölle auf Erden beschreiben.»

Simon Ingram, Autor des UNICEFS-Berichts

Viele Familien hätten nur Zeltplanen als Schutz vor der sengenden Sonne, bei Regen sässen sie in knöcheltiefem Matsch. Statt des nötigen Minimums von 7,5 Liter Wasser pro Person zum Trinken und Waschen täglich hätten viele nur 2,5 Liter oder weniger, sagte der Autor des Berichts, Simon Ingram, in Genf.

Im Chaos der provisorischen Lager gingen Kinder verloren, und überall lauere die Gefahr, dass die Minderjährigen missbraucht oder ausgenutzt werden. Ein Fünftel der unter Fünfjährigen seien stark unterernährt.

«Kein Wunder, dass die Kinder und Jugendlichen die Lage als Hölle auf Erden beschreiben», sagte Ingram. Viele hätten nach eigenen Angaben die Ermordung von Eltern und Freunden mit ansehen müssen und seien traumatisiert.

«Sie brauchen Hilfe, um damit fertig zu werden», sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. «Sie brauchen Unterricht, sie brauchen psychologische Beratung, sie brauchen Hoffnung. Wenn wir ihnen das jetzt nicht geben, wie sollen sie dann zu produktiven Mitgliedern ihrer Gesellschaft heranwachsen?»

Seit Ende August haben mehr als 580'000 Rohingya in Bangladesch Zuflucht gefunden. Bild: AP/AP

Drei Viertel des Geldes fehlt

In Genf findet am kommenden Montag eine Geberkonferenz statt. Von den benötigten 434 Millionen Dollar war bis Anfang dieser Woche erst ein Viertel zusammengekommen.

UNO-Vertreter haben Dutzende zerstörte und niedergebrannte Häuser in der Heimat der Rohingya, der Rhakine-Region, gesehen. Das UNO-Menschenrechtsbüro spricht von ethnischen Säuberungen, aber die Regierung Myanmars streitet das ab, räumt aber Sicherheitsmassnahmen ein, nachdem militante Rohingya Ende August Polizeiposten überfallen hatten.

Das mehrheitlich buddhistische Myanmar verweigert den muslimischen Rohingya die Staatsbürgerschaft, obwohl viele seit Generationen dort leben. Vor der jüngsten Fluchtwelle wurde ihre Zahl auf etwa 1,1 Millionen geschätzt.

«Nachts wache ich plötzlich auf und dann sehe ich die Leute, die erschossen worden sind.»

Hossan, 16 Jahre alt

Jugendliche trügen ihre kleineren Geschwister auf dem Rücken durch den regennassen Schlamm der Grenzregion, so UNICEF. Viele stünden täglich stundenlang in langen Schlangen vor Essensausgaben oder schleppten Wasserkanister für die Familien heran.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat zahlreiche Gräueltaten gegen Rohingya in Myanmar festgehalten. Bild: EPA/EPA

Traumatisierte Kinder

UNICEF hat sichere Zonen für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Dort können sie spielen und malen. In dem Bericht sind Zeichnungen von Kindern abgebildet. Darauf sind Helikopter und schiessende Soldaten zu sehen, Menschen mit Macheten, die anderen den Hals durchschneiden, viele brennende Häuser und viel Blut.

«Nachts wache ich plötzlich auf und dann sehe ich die Leute, die erschossen worden sind», zitiert UNICEF den 16-jährigen Hossan. «Ich habe vier Klassenkameraden und einen Lehrer verloren.» Zwei jüngere Geschwister der zehnjährigen Aisha seien umgekommen, weil Soldaten sie nicht aus dem Haus fliehen liessen.

Drei Geschwister (16, acht und sieben) hätten zugesehen, wie ihr Vater ermordet wurde und hätten ihre Mutter auf der Flucht aus den Augen verloren. Die gebrechliche Grossmutter kümmere sich um die drei. (sda/dpa)

Das ganze Ausmass der Rohingya-Verzweiflung

Video: Angelina Graf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Linus Luchs 20.10.2017 08:01
    Highlight "Das mehrheitlich buddhistische Myanmar verweigert den muslimischen Rohingya die Staatsbürgerschaft." Das ist der Kern des Übels. Religion wird über Recht gestellt. Egal, ob Buddhisten gegen Moslem, Moslem gegen Juden, Christen gegen Moslem... – sobald die einen die Möglichkeit haben, sich aufgrund ihres Glaubens mehr Rechte einzuräumen als den anderen, ist die rechtsstaatliche Demokratie am Ende. Kein Friede ohne strikte Trennung von Kirche und Staat.
    44 4 Melden
    • luckyrene 20.10.2017 10:42
      Highlight Gut gesprochen!!👍👍👍
      5 1 Melden
    • FancyFish 20.10.2017 12:16
      Highlight Es ist weniger der Hass der Buddhisten gegen Moslems, sondern der Hass auf (vermeintliche) Terroristen.

      Das Volk wird vertrieben weil es von der Regierung mit einer radikalen Splittergruppe gleichgesetzt wird, die einige Anschläge verübt hatte.

      Natürlich wird das danach zu einem Glaubenskrieg hochstilisiert
      2 2 Melden
  • Anam.Cara 20.10.2017 07:20
    Highlight Ein "Kampf gegen Terroristen" zwingt fast eine Million Menschrn (die zudem offenbar Staatenlos sind) zu Flucht. Laut Regierung ist es legitim. Und die getöteten Kinder sind dann wohl Kollateralschäden.

    Ich hoffe, dass solche Geschichten und Bilder in der Welt immer noch tiefe Betroffenheit auslösen. Auch wenn wir in den letzten Jahren viele solche Informationen erhalten haben.

    Gibt es übrigrns eine Aktion mit Spendenkonto des SRK oder ähnlicher NGO?
    17 12 Melden
    • Liselote Meier 20.10.2017 11:38
      Highlight Sippenhaft ernsthaft? "Das Leben ist ein lautes Echo! Was du sähst wirst du ernten. Was du aussendest kommt zurück", musst dich also nicht wunderen wenn eines Tages in einem GULAG erwachst. Karma is a fucking bitch
      7 1 Melden
    • Liselote Meier 20.10.2017 15:17
      Highlight Aha ein GULAG ist was schlechtes und ein Kommentar weiter oben forderst du aber genau, dass selbe. Sippenhaft praktizierte man in de SU unter Dschugaschwili.

      Nennt sich Doppelstandard. Schön entlarvend, wenn es einem selber treffen könnte.

      Und was für Märchen widerlegt die Digitalisierung? Selbst bei liberalen Ökonomen ist ein BGE zukünftig Unumgänglich.

      http://www.focus.de/finanzen/experten/weik_und_friedrich/arbeitsplaetze-bedroht-die-digitalisierung-macht-das-grundeinkommen-unumgaenglich_id_6761830.html
      3 3 Melden
    • Liselote Meier 20.10.2017 20:34
      Highlight Weshalb? Krieg, Gewalt und Leid sind heute leider immer noch Alltag für Milliarden von Menschen.


      Ja solch ein Weltbürgertum wünsche ich mir.

      Das der Mensch zumindest seine eigene Art lernt zu respektieren.

      Sozialismus oder Barberei!
      2 1 Melden
  • Jein 20.10.2017 07:15
    Highlight Gleichzeitig erfreut sich Myanmar so vielem Tourismus wie noch nie. Ist ja jedem selber überlassen, als Reisender muss man sich aber im Klarem sein dass man dadurch dieses Regime finanziell unterstützt und legitimiert.
    20 11 Melden
    • öpfeli 20.10.2017 09:57
      Highlight leider ignorieren dies viele Reisende. Ja, es fallen viele Länder weg wenn man Politik etc. als kontra Kriterium betrachtet.
      Aber unser Handeln ist ein Stimmzettel wie man so schön sagt. Jeden Tag auf Neue.
      Und jeden Tag aufs Neue pfeifen viele darauf.
      5 3 Melden
  • little.saurus 20.10.2017 06:58
    Highlight Zieht das fehlende Geld vom Gehalt des CEO ab, dann habt ihr genug Geld für die Armen.
    15 7 Melden
  • Energize 20.10.2017 06:50
    Highlight Sind wir noch immer nicht so weit als UN hinzustehen und die Verbrechen beim Namen zu nennen und zu stoppen? Ich kann es nicht verstehen.
    20 7 Melden
  • Goon 20.10.2017 06:48
    Highlight Und die Welt schaut zu. Ist doch zum kotzen.
    26 10 Melden
    • luckyrene 20.10.2017 10:45
      Highlight Ja, du hast recht!! Wahrscheinlich ist es nicht provitabel genug für andere Staaten. Kein Eigengewinn, keine Unterstützung!
      7 4 Melden

68,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht – so viele wie noch nie

Jedes Jahr sind mehr Menschen vor Krieg, Gewalt und Elend auf der Flucht. Europäer meinen oft, sie seien besonders schwer betroffen. Der Schein trügt aber, sagt der UN-Flüchtlingshochkommissar.

Nie sind in der Welt durch Krisen und Konflikte so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Insgesamt waren es Ende des Jahres 68,5 Millionen, 4,6 Prozent mehr als Ende 2016, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag berichtete. Es ist der fünfte Rekordwert in Folge.

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