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Für längere Distanzen geeignet: der Mercedes-Benz eActros LongHaul.
bild: Daimler Trucks

Mercedes bringt Elektro-Lkw mit 500 Kilometer Reichweite

Der Brummi hat ausgebrummt: Daimlers Nutzfahrzeugsparte hat einen Lkw vorgestellt, der vollelektrisch – und damit leise – auch lange Strecken fahren kann.
Publiziert: 19.09.2022, 21:29
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Ein Drittel des CO2-Ausstosses im Verkehr stammt von Nutzfahrzeugen – und davon die Hälfte von schweren Lkw, die im Fernverkehr über die Autobahnen donnern. Eine Menge Einsparpotenzial und eine Chance für den Elektroantrieb. Gleichzeitig sind im Lkw-Fernverkehr hohe Reichweiten und schnelle Lademöglichkeiten gefragt, um Waren schnell und effizient von A nach B zu transportieren. 500 Kilometer sollte ein Lkw schaffen, ohne nachzutanken. Eine Herausforderung für die Lkw-Hersteller.

Daimler Trucks hat auf der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover einen Batterie-Lkw für den Fernverkehr vorgestellt, der diese Anforderung erfüllen soll: Der eActros LongHaul ist 2024 serienreif und soll dann eine Reichweite von rund 500 Kilometern mit einer Batterieladung liefern. Und dabei auch noch ohne laute Motorgeräusche fahren.

Schnelles Aufladen, hohe Reichweiten

Energiespeicher: Im Unterbau sitzen die Akkus das eActros.
Bild: MediaPortal Daimler Truck AG

Die Batteriezellen mit etwa einem Megawatt Leistung lassen sich laut Daimler Trucks in deutlich unter 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen. Drei Batteriepakete liefern eine installierte Gesamtkapazität von mehr als 600 Kilowattstunden. Ausgelegt ist der schwere E-Lkw für eine Laufleistung von 1,2 Millionen Kilometern in zehn Betriebsjahren.

Gefertigt werden soll der Langstrecken-E-Lkw komplett auf der bereits bestehenden Montagelinie im Werk im rheinland-pfälzischen Wörth. Elektrische und mit Diesel betriebene Lkw laufen also vom selben Band. Seit vergangenem Jahr produziert Daimler bereits einen elektrischen Actros mit 300 bis 400 Kilometern Reichweite.

E-Lkw: Es gibt noch Herausforderungen

Zwei Haken gibt es jedoch aktuell noch: «Beim Verkaufspreis sind wir noch nicht auf Augenhöhe mit einem Dieselantrieb», räumte Mercedes-Lkw-Spartenchefin Karin Rådström ein. Allerdings seien die laufenden Kosten der Spediteure für den Energieverbrauch dafür niedriger.

Punkt zwei: die Lademöglichkeiten. «Unsere Kunden benötigen die passende Infrastruktur», so Daimler-Truck-Chef Martin Daum. «Für einen zügigen Aufbau ist es essenziell, dass die gesamte Branche und die Politik an einem Strang ziehen.» Die deutsche Automobilbranche fordert über ihren Lobbyverband VDA seit Längerem sowohl im Pkw- als auch im Lkw-Bereich mehr Unterstützung durch die Politik beim Ausbau der Ladestationen und -netze.

Konkurrent Volvo hat bereits vergangene Woche verkündet, noch dieses Jahr mit der Produktion der Elektroversionen seiner wichtigen Schwerlast-Lkw zu beginnen. Daimler muss also aufholen.

Alternative zur Batterie: Wasserstoff

Wasserstoff an Bord: Der Prototyp des GenH2 Truck.
Bild: Daimler Truck

Eine weitere Möglichkeit, die Emissionen von Lkw zu senken, ist Wasserstoff. Experten sehen den Brennstoffzellenantrieb besonders bei den Brummis im Vorteil: Während die Batteriepakete bei E-Lkw für ein deutliches Zusatzgewicht sorgen, kann Wasserstoff schnell getankt werden und wiegt weniger. 1000 Kilometer Reichweite sollen dann drin sein, wenn die ersten Lkw von Daimler ab Mitte des Jahrzehnts in Serie kommen. Beim Thema Brennstoffzelle arbeitet Daimler Truck mit Volvo in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen. Martin Daum setzt auf eine «duale Strategie». Erste Versuchsfahrzeuge sind bereits im Testeinsatz.

Hyundai wiederum hat bereits erste Lastwagen mit Wasserstoffantrieb ausgeliefert. Die Lkw vom Typ Xcient Fuel Cell haben eine Reichweite von 400 Kilometern und jeweils sieben Wasserstofftanks.

Der feuchte Traum jedes Brummifahrers? Tesla
Auf einem Flughafen bei Los Angeles hat Tesla-Chef Elon Musk am Freitagmorgen den Tesla Semi enthüllt.
Der Lastwagen, mit dem Tesla ins LKW-Geschäft einsteigt, soll mit einer Ladung rund 800 Kilometer zurücklegen können und 2019 in Produktion gehen. Tesla
Mit einer Maximalladung von rund 40 Tonnen kann er laut Tesla in 20 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Tesla
Unbeladen soll der Tesla Semi in fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h kommen. Tesla
Der Semi wird laut Tesla, wie auch die anderen Fahrzeuge des Herstellers, über einen erweiterten Autopiloten verfügen, der in Notfällen bremst, automatisch die Spur halten kann und beim Spurwechsel warnt. Tesla
Der Fahrer soll in der Mitte der Kabine sitzen. Damit spart sich Tesla auch verschiedene Versionen für den Links- oder Rechtsverkehr. Tesla
Der Tesla-Chef nannte keinen konkreten Preis für den E-Lastwagen, sondern sagte nur, dass Diesel-Lkw pro Kilometer 20 Prozent teurer seien. Tesla
Der Sattelschlepper hat vier Motoren – und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann. Tesla
Auch mit zwei ausgefallenen Motoren könne sein Fahrzeug immer noch einen Diesel-Lastwagen schlagen, kündigte Musk vollmundig an. Tesla
Der Lastwagen kann ab sofort reserviert werden. Für 5000 Dollar. Tesla