Warum ist Hillary Clinton eigentlich so unbeliebt? 7 Gründe und wie plausibel sie sind
Die Kandidaten für das Präsidentschaftsamt in den USA stehen fest: Hillary Clinton und Donald Trump. Doch nicht nur der polternde Populist Trump sorgt für Kopfschütteln, auch die Abneigung gegenüber Hillary Clinton ist gross. Warum?
«Sie ist eiskalt und berechnend»
Hillary, die knallharte Politikerin?
Bild: Paul Holston/AP/KEYSTONE
Auf vielen Bildern wirkt Clinton distanziert, ganz im Gegenteil zu Bernie Sanders, dem liebenswürdigen Grossväterchen. Auch wird ihr Berechnung vorgeworfen:
Die amerikanische Komikerin und YouTuberin Franchesca Ramsey vergleicht Hillary mit einem beliebten Highschool-Girly, das sich plötzlich für den Normalo interessiert. Ob sie wirklich eine kalte Person ist, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, schliesslich ist sie Politikerin. Doch wird es ihr gelingen, dieses Image abzulegen? Eine schwierige Aufgabe.
«Sie sieht sich über dem Gesetz»
Die «E-Mail-Affäre» hat Clintons Ansehen ebenfalls geschadet. Dabei ging es darum, dass sie bei sich zuhause einen eigenen E-Mail-Server betreibt. Das Problem dabei ist, dass Staatsbeamten der USA ihre E-Mails abspeichern müssen, da diese unter dem Öffentlichkeitsrecht stehen. Dies hat sie auch getan, doch die Mails, die sie den Behörden übermittelt hat, wurden von ihrem Stab vorsortiert. Nun wird ihr Vorgeworfen, sie habe heikle Nachrichten gelöscht.
Nun wird sie vom republikanischen Lager immer wieder damit konfrontiert:
9. Juni 2016<">
Der Tweet von Clinton bezieht sich auf einen angriffigen Tweet von Trump.
«Sie ist reich und arrogant»
Clinton reist nur in ihrem Privatflugzeug.
Bild: Getty Images North America
Weiter wird ihr vorgeworfen, der weissen, reichen Oberschicht anzugehören. Dies lässt sich nur schwer bestreiten und besonders unvorteilhaft war, dass Hillary Clinton während einer Ansprache über die ungerechte Verteilung von Reichtum einen 12'000-Dollar-Armani-Anzug trug.
Jedoch war bisher jeder amerikanische Präsident wohlhabend. Besonders ihr jetziger Konkurrent Donald Trump fällt in die Kategorie: weiss, reich, mächtig.
«Sie wird von der Wall Street gesponsert»
Eine Weiterführung des vorherigen Grundes findet sich in diesem Argument: Hillary Clinton ist von der Wall Street gekauft. Oder wie es Sanders-Anhänger gerne ausdrücken: Sie ist ein «corporate democrat», also eine Unternehmens-Demokratin.
Tatsächlich verdiente Clinton etwa 250'000 Dollar pro Ansprache an der Wall Street, insgesamt etwa zwei Millionen, schrieb die «New York Times». Sanders-Anhänger und die Occupy-Wall-Street-Bewegung hegen daher eine gewisse Abneigung gegenüber Clinton, einige sind sogar bereit, Trump zu wählen.
«Sie wird nur gewählt, weil sie eine Frau ist»
Sie wäre die erste Präsidentin der USA überhaupt. Doch die Frage, ob man für sie stimmen muss, weil sie eine Frau ist, beschäftigt die USA. So sagte einst Schauspielerin und Sanders-Supporterin Susan Sarandon, sie würde nicht mit ihrer Vagina wählen»:
Darauf entwickelt sich eine Diskussion unter #vaginavote:
Es kann also kaum von einer geschlossenen Unterstützung von Feministinnen und Aktivistinnen für Hillary Clinton gesprochen werden.
«Sie ist nur wegen ihrem Ehemann erfolgreich»
Weiter wird Clinton unterstellt, nur als Anhängsel ihres Ehemannes Erfolg zu haben. Doch das Gegenteil ist der Fall: Bevor Bill Clinton 1992 zum Präsidenten gewählt wurde, war Hillary eine sehr erfolgreiche Anwältin. Sie war unter anderem beteiligt am Verfahren gegen den ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon wegen der Watergate-Affäre.
«Sie ist wie eine Fahne im Wind»
Besonders von LGBT-Aktivisten wird Clinton vorgeworfen, sie stelle sich immer auf die Seite, die ihr gerade passt. Während dem Wahlkampf von 2008 gegen Barack Obama stellte sie sich öffentlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Im jetzigen Wahlkampf ist sie dafür.
Zu ihrem Meinungsumschwung sagte sie: «Als Politiker überlegt man sich seine Positionen. Man ist nie 100 Prozent sicher.» Susan Sarandon, eine der berühmtesten Verfechterinnen der Gleichberechtigung Homosexueller in den USA, sagte dazu während einer Wahlkampfveranstaltung von Sanders, es sei einfach, für die Gleichberechtigung zu sein, wenn jeder dafür ist.
Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern
Geboren wird Hillary (Zweite von links) 1947 in Chicago als Hillary Diane Rodham. Ihr Vater, Hugh Ellsworth Rodham, war Eigentümer einer mittelständischen Textildruckerei. Der Textilunternehmer war überzeugter Republikaner und hoffte stets, dass sein späterer Schwiegersohn und US-Präsident Bill Clinton die Partei wechseln würde.
Nach dem Tod von John F. Kennedy 1963 beschliesst Clinton (stehend) Rechtswissenschaften zu studieren. 1964 engagiert sie sich zudem als Wahlhelferin im Präsidentschaftswahlkampf des erzkonservativen Republikaners Barry Goldwater. AP PARK RIDGE HS / Anonymous
Von 1965 bis 1969 studiert Hillary Clinton Politikwissenschaften am Elite-College Wellesley, wo sie 1969 als erste Studentin die Rede bei der Abschlussfeier hält. Life Magazine
1971 geht sie an die Unversität Yale, wo sie Jura studiert und Bill Clinton kennenlernt. Sie heiraten 1975. reddit.com
Für die Clintons geht es steil bergauf: Hillary arbeitet als Anwältin in einer renommierten Kanzlei und engagiert sich bei den Demokraten. Bill wird 1978 Gouverneur von Arkansas. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1982. AP
Mit der Geburt ihrer Tochter Chelsea tritt die Karriere der ehrgeizigen Hillary in den Hintergrund. AP/AP / Silvia Izquierdo
Ehemann Bill aber ist im November 1992 auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Er wird zum Präsidenten der USA gewählt und Hillary damit zur «First Lady». Die beiden ziehen ins Weisse Haus. AP NY / DOUG MILLS
Im Januar 1996 muss Clinton vor dem Geschworenengericht zur sogenannten «Whitewater-Affäre» aussagen. Dabei geht es um zweifelhafte Immobiliengeschäfte, an denen die Clintons beteiligt waren. Die Whitewater-Affäre war die langlebigste Affäre seit Watergate, die einen amerikanischen Präsidenten begleitete. AP / Barry Thumma
Trotzdem wurde Bill Clinton 1996 erneut zum Präsidenten gewählt. Hier duelliert er sich im Oktober 1996 mit Bob Dole, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten, bei der letzten Debatte vor der Wahl. X03763 / REUTERS FILE PHOTO
Auch die First Lady sorgte dafür, dass Ehemann Bill im Weissen Haus bleiben durfte. Hier ist sie mit Tochter Chelsea auf Visite in Sarajevo. AP/AP / Doug Mills
Und dann kam Monica Lewinsky. Bill und die junge White-House-Praktikantin führten eine Affäre, die 1998 publik wird und den Präsidenten beinahe das Amt kostet. AP, OIC / STR
Nachdem Bill Clinton zunächst bestreitet, eine sexuelle Beziehung mit Lewinsky gehabt zu haben, richtet er sich schliesslich an die Nation: «Ich hatte eine Beziehung zu Frau Lewinsky, die unangemessen war», gesteht er und bittet zugleich um Entschuldigung. Das gegen ihren Mann eingeleitete Amtsenthebungsverfahren wegen Meineids und Behinderung der Justiz scheitert. Hillary hält in dieser Zeit stets zu ihrem Mann. CNN / STR
Noch während Bills Amtszeit feilt Hillary an ihrer politischen Karriere. Bei den Kongresswahlen im Jahr 2000 gewinnt sie einen Senatssitz im Bundesstaat New York. 2001 schafft sie die Wahl und wird in Anwesenheit ihres Mannes vereidigt. AP / HILLERY SMITH GARRISON
Der Senat ist nur der Anfang.: 2008 bewirbt sie sich um die demokratische Präsidentschaftskandidatur für die Nachfolge von George W. Bush. «Eight years Bill, eight years Hill» (acht Jahre Bill, acht Jahre Hill), lautet ein Spruch im Wahlkampf. AP / Carolyn Kaster
Obama setzt Hillary als Aussenministerin ein. In ihrer Amtszeit wird der Terrorist Osama bin Laden aufgespürt. AP / JOHN RAOUX
Obama setzt Hillary als Aussenministerin ein. In ihrer Amtszeit wird der Terrorist Osama bin Laden aufgespürt – das Bild zeigt die Verantwortlichen im «Situation Room» und ging um die Welt. AP The White House / Pete Souza
Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012 stellt Clinton ihre Loyalität gegenüber Barack Obama noch einmal unter Beweis: Sie übernimmt die politische Verantwortung für die tödliche Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi und stärkt Obama damit im Wahlkampf den Rücken. AP/AP / Evan Vucci
Nach Obamas Wiederwahl kündigt Clinton ihren Rückzug aus der Politik an. Sie wolle sich ins Privatleben zurückziehen, heisst es. Doch bereits da gibt es Zweifel, dass der Abschied endgültig ist. X80003 / POOL
2015 dann das Comeback: Hillary Clinton steigt ins Rennen um das Präsidentschaftsamt ein und erhält dabei Unterstützung von ganz oben: First Lady Michelle Obama und Hillary Clinton am 27. Oktober 2016. (AP Photo/Andrew Harnik) AP/AP / Andrew Harnik
Jahrelang überliess Hillary die Bühne ihrem Mann, jetzt steht sie im Fokus. X90035 / CARLOS BARRIA
Doch dann kommt, was kaum jemand erwartet hat: Donald Trump gewinnt die Wahl-Schlacht, Hillary Clinton muss sich geschlagen geben. EPA/ABACA POOL / OLIVIER DOULIERY / POOL
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