Hat Heidi Z'graggen (r.) genug Boden auf Viola Amherd (l.) gutgemacht?
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Bloss lauwarmer Support von der SVP – Heidi Z’graggen packt ihre Chance nicht
Die SVP unterstützt Heidi Z’graggen für die Wahl in den Bundesrat. Ihre Konkurrentin Viola Amherd macht aber mehr Stimmen als erwartet.
Eigentlich sprach bei der SVP alles für Heidi Z’graggen. Die Urner Regierungsrätin zählt sich zum rechten Flügel der CVP, sie ist vergleichsweise ausländer- und öffnungsskeptisch, und sie ist mit dem gut vernetzten SVP-Politiker Bruno Dobler liiert. Als Christoph Blocher jüngst betonte, wie gut er bei der Planung des Ferienresorts von Samih Sawiris in Andermatt mit ihr zusammengearbeitet habe, lag der Schluss nahe: Z’graggen ist die Kandidatin der SVP.
Umso ernüchternder muss das Resultat des gestrigen SVP-Hearings für sie sein. Wie Fraktionschef Thomas Aeschi nach der Fraktionssitzung bekannt gab, unterstützt zwar eine Mehrheit der Partei die Urner Regierungsrätin. Doch angesichts dessen, dass ihre Konkurrentin, Nationalrätin Viola Amherd, in der SVP als links verschrien ist, muss das Stimmergebnis eine Enttäuschung für Z’graggen sein. 38 Parlamentarier stimmten für sie, 10 für Amherd, 7 legten leer ein.
«Insgesamt konnte Z’graggen zu wenig klarmachen, wieso sie die rechtere Alternative zu Amherd sein soll», begründet ein Ratsmitglied das durchzogene Resultat für die Urnerin. Unterstützung für Amherd gab es dagegen von den Bauern. Die Walliserin hatte am Vortag beim Hearing der Bauern deutlich besser abgeschnitten als Z’graggen. Sie überzeugte nicht nur durch ihre Dossierkenntnisse, sondern konnte auch darlegen, dass sie in der Vergangenheit stets bauernfreundlich gestimmt hatte, sagte ein Bauernvertreter im Vertrauen.
Der «Depp» wirkt nach
Schlecht kam bei der SVP zudem an, dass Z’graggen ein Parteimitglied an einer Podiumsdiskussion mit «Depp» betitelt hatte. Als ein SVP-Fraktionsmitglied sich erkundigte, wieso sie sich bis heute nicht entschuldigt habe, stritt Z’graggen den Vorfall ab. «Das finde ich unhaltbar für eine künftige Bundesrätin», sagt ein SVP-Mitglied, das Amherd wählen wird.
Auf eine Stallorder verzichtet die SVP, wie Aeschi sagte. Damit ist jedes Fraktionsmitglied frei, zu wählen, wen es will. Berücksichtigt man, dass gestern 19 Personen abwesend waren, kann Amherd mit einem guten Dutzend Stimmen aus der SVP rechnen.
Da Amherd Mitte-links sehr gut abgestützt ist, hat die Walliserin gute Chancen, am 5. Dezember zur Nachfolgerin von Doris Leuthard gewählt zu werden.
FDP: Vorsprung für Keller-Sutter
Für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann unterstützt die SVP die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter. Sie machte 38 Stimmen; auf den Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki entfielen 16 Stimmen.
Hearings haben gestern auch Grünliberale und Grüne durchgeführt. Sie entscheiden aber erst nächste Woche, wen sie unterstützen. Noch ausstehend sind zudem die Hearings der Fraktionen der FDP, CVP und BDP.
Z'graggens Mikrofon-Fauxpas: «Dä isch en Depp»
Doris Leuthard – ihre Karriere im Rückblick
Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) war mehr als zwölf Jahre Mitglied der Landesregierung. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
1999 nominierte die CVP Aargau die erst 36-jährige Juristin aus dem Freiamt als Kandidatin für den Ständerat. Leuthard verlor, schaffte aber den Sprung in den Nationalrat. KEYSTONE / MARIO GACCIOLI
Im Wahlkampf wurden unter dem Motto «Erfrischender Aargau» Duschgels mit Leuthards Konterfei verteilt. Daraus entstand der etwas anzügliche Spruch «Duschen mit Doris». KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
In ihrer Partei stieg Leuthard rasch die Karriereleiter empor. 2001 wurde sie zur Vizepräsidentin der CVP Schweiz gewählt. 2004 verabschiedete sie die abgewählte Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold. KEYSTONE / EDDY RISCH
Im gleichen Jahr wurde die 41-Jährige zur Präsidentin der CVP Schweiz gewählt. Herausforderer gab es keine. KEYSTONE / EDI ENGELER
Zu den Pflichten ihres Amtes gehörte die Teilnahme an der «Elefantenrunde» von SRF an Abstimmungssonntagen, geleitet von ihrem Cousin Urs Leuthard. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
Im April 2006 trat Bundesrat Joseph Deiss zurück. Für seine Nachfolge setzte die CVP auf eine Einerkandidatur mit Präsidentin Doris Leuthard. KEYSTONE / EDDY RISCH
Am 13. Juni 2006, nur einen Tag vor der Bundesratswahl, besuchte Leuthard mit anderen Parlamentariern das Spiel Schweiz gegen Frankreich an der Fussball-WM 2006 in Stuttgart. KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
Am 14. Juni 2006 wurde die Aargauer Nationalrätin mit 133 von 234 gültigen Stimmen zum 109. Mitglied und zur fünften Frau in der Landesregierung seit 1848 gewählt. KEYSTONE REUTERS VBF / STEFAN WERMUTH
Die neue Bundesrätin übernahm von ihrem Vorgänger Joseph Deiss das Volkswirtschaftsdepartement. KEYSTONE / MONIKA FLUECKIGER
Im Ausland setzte sich Leuthard für die Anliegen der Schweizer Wirtschaft ein. Ende 2006 vereinbarte sie im Rahmen der EFTA mit Indien die Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Sie sind bis heute nicht abgeschlossen. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI
Ein Schwerpunktland für die Wirtschaftsministerin war China. Im Juli 2007 besuchte sie das Panda-Reservat in Chengdu. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
Während der Finanzkrise 2008 veröffentlichte die SP eine Vermisstenanzeige. Damit protestierte sie gegen die angeblich ungenügende Reaktion der Bundesrätin auf die globalen Turbulenzen. SP SCHWEIZ / HANDOUT
Doris Leuthard auf der Rodelbahn in Jakobsbad (AI) während der Bundesratsreise 2009. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Im Dezember 2009 wurde Leuthard zur Bundespräsidentin gewählt. Weil Pascale Bruderer (l.) gleichzeitig als Nationalrats- und Erika Forster als Ständeratspräsidentin amtierte, waren die drei höchsten Ämter in Bundesbern erstmals ganz in Frauenhand. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Die neue Bundespräsidentin beim offiziellen Empfang in Aarau mit Ehemann Roland Hausin. KEYSTONE / URS FLUEELER
Zu den Höhepunkten ihrer Amtszeit gehörte die Begegnung mit US-Präsident Barack Obama am Gipfel für nukleare Sicherheit in Washington im April 2010. MISSION SCHWEIZ/MAI PHOTO / SANDY SCHAEFFER
Für die Bundespräsidentin aus dem katholischen Freiamt war die Audienz bei Papst Benedikt XVI. am 6. Mai 2010 im Vatikan ein weiterer denkwürdiger Moment. KEYSTONE / KARL MATHIS
Im Juni 2010 besuchte Fussballfan Leuthard die Schweizer Nationalmannschaft und Trainer Ottmar Hitzfeld in ihrem Quartier an der WM in Südafrika, Geschenke inklusive. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
In ihrem Präsidialjahr erlebte Doris Leuthard eine historische Konstellation. Nach der Wahl von Simonetta Sommaruga am 22. September 2010 hatten die Frauen im Bundesrat erstmals die Mehrheit, wenn auch nur für kurze Zeit. POOL EQ IMAGES / YOSHIKO KUSANO
Leuthard nutzte die neue Zusammensetzung im Bundesrat für einen Wechsel. Sie übernahm von Moritz Leuenberger das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Im neuen Amt erlebte die CVP-Bundesrätin im November 2013 ihre vielleicht bitterste Niederlage in einer Volksabstimmung. Die Erhöhung der Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken scheiterte klar. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Ein Höhepunkt war dafür die aufwändig zelebrierte Einweihung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni 2016. Wobei Leuthards eigenwilliges Kleid fast mehr zu reden gab als die Feier selbst. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Während der Bundesratsreise 2016 machte die Aargauerin eine nicht ganz einfache Sitzprobe in einem Formel-E-Rennwagen. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Am 7. Dezember 2016 wurde Doris Leuthard zum zweiten Mal zur Bundespräsidentin gewählt. Im Interview zum 1. August mit SRF kündigte sie an, die laufende Legislaturperiode werde ihre letzte sein. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
Warten auf dem Roten Teppich, hier am 16. Februar 2017 auf den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Doris und Franziskus: Der Besuch beim Papst gehört für ein CVP-Mitglied fast zum Pflichtprogramm im Präsidialjahr. AP AFP / ANDREAS SOLARO
Der Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am 23. November 2017 endete nachträglich mit Misstönen. Weil Juncker beim Rahmenabkommen einmal mehr vertröstet wurde, gewährte die EU der Schweiz die Anerkennung ihrer Börsenregulierung nur befristet auf ein Jahr. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Ihren wohl letzten grossen Erfolg feierte Medienministerin Doris Leuthard am 4. März 2018 mit dem klaren Nein zur No-Billag-Initiative. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Doris Leuthard und ihre Outfits waren ein beständiges Thema für Klatsch und Tratsch. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
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