Strassenbild aus Neapel. Die süditalienische Stadt hat mehr zu bieten als die Camorra.
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Ausgerechnet Neapel: Apple eröffnet das erste europäische App-Entwicklerzentrum in der Mafia-Hauptstadt
Mit dem App Store hat Apple einen milliardenschweren neuen Wirtschaftszweig geschaffen. Nun lässt der US-Konzern in Süditalien Programmierer fördern.
Update: Apple-Chef Tim Cook hat in einem Interview mit der italienischen Zeitung «La Repubblica» unter anderem zur Standort-Wahl Stellung genommen. Er sei von Ministerpräsident Renzi darauf hingewiesen worden, dass der Süden Italiens wirtschaftlich schwach sei und Impulse brauchen könne. Dies sei mit ein Grund gewesen, warum Apple beschlossen habe, das Zentrum in Neapel zu eröffnen.
Napoli? Das ist doch der Vesuv!
Blick auf den neapolitanischen Hausberg, der manchmal Feuer, oder zumindest Rauch und Asche spuckt. Zuletzt 1944.
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Wer Neapel hört, denkt an ...
Müllberge: Wer in Neapel eine Schutzgelderpressung dem Staat anzeigte, musste vorübergehend keine Abfallgebühr bezahlen.
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An heissblütige Fussball-Fans ...
Diego Armando Maradona zauberte von 1984 bis 1991 für den SSC Napoli und wird bis heute verehrt.
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Und wer denkt an Apple?
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Noch gibt es in der süditalienischen Stadt keinen Apple Store. Dafür aber bald das erste europäische App-Entwicklerzentrum.
Apple hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass in der drittgrössten Stadt Italiens ein entsprechendes Bildungsinstitut aufgebaut wird.
Laut Medienmitteilung will man dort den Studenten die praktischen Fähigkeiten vermitteln, die es braucht, um Anwendungen für das iPhone und andere iOS-Geräte wie das iPad zu entwickeln.
Für Tausende Entwickler
Laut Medienmitteilung sollen Tausende zukünftige Entwickler mithilfe eines speziellen Lehrplans darauf vorbereitet werden, Teil der Entwickler-Community von Apple zu werden.
Apple wird das App-Entwicklerzentrum aber nicht selber betreiben, sondern in Kooperation mit einer Partnerinstitution. Zusätzlich werde man im ganzen Land «mit Partnern zusammenarbeiten, die – abgestimmt auf diesen Lehrplan – Entwickler-Schulungen anbieten und Studenten somit zusätzliche Möglichkeiten eröffnen».
Apple-Chef Tim Cook war zuletzt im vergangenen Oktober in Italien. In Norditalien.
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Aus Schweizer Sicht interessant ist Apples Ankündigung, dass das Unternehmen damit rechne, das Programm auf andere Länder in der ganzen Welt auszuweiten. Europa sei die Heimat einiger der kreativsten Entwickler weltweit, lässt sich Apple-Chef Tim Cook zitieren.
Die Schaffung vieler Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt mit der App-Entwicklung zu tun haben, ist natürlich beste PR in eigener Sache.
«‹Der unglaubliche Erfolg des App Store ist eine der treibenden Kräfte hinter den mehr als 1,4 Millionen Arbeitsplätzen, die Apple in Europa geschaffen hat und bietet über den gesamten Kontinent hinweg unbegrenzte Möglichkeiten für Menschen jedes Alters und für Unternehmen jeder Grösse.›»
Apple-Chef Tim Cook
quelle: medienmitteilung vom 21. Januar 2016
Der US-Konzern spricht von einem beispiellosen Wachstum und informiert auf der eigenen Website über das moderne Job-Wunder. Durch den weltweiten App-Verkauf hätten europäische Entwickler schon mehr als 10 Milliarden Euro verdient.
Die Durchschlagskraft des iOS-Ökosystems wird durch Schweizer App-Entwickler bestätigt. «Apple bietet uns eine globale Reichweite und Relevanz, eine starke Vertriebsplattform, hervorragende Geräte und effiziente Entwicklungswerkzeuge» sagt der Chef der Software-Schmide Bring! Labs AG, Marco Cerqui. «Für uns als Start-Up sind das zentrale Erfolgsfaktoren, um unsere Vision umzusetzen».
Die in Zürich beheimatete Firma hat die populäre Einkaufszettel-App «Bring!» fürs iPhone und Android herausgebracht.
Diese Zahlen nennt Apple auf der eigenen Website.
screenshot: apple.ch
Mafia-Krieg neu entflammt
Apple dürfte bei der Standort-Wahl die verschiedensten Faktoren sorgfältig gegeneinander abgewogen haben.
Bekanntlich gilt der Norden Italiens als der eigentliche Wirtschaftsmotor. Umso erstaunlicher mutete es an, dass der Süden zum Zug kommt. Neapel war lange wegen Korruption und Misswirtschaft in Verruf.
Nachdem es mehrere Jahre ruhig war in der Hafenstadt, entbrannte 2015 erneut ein Krieg zwischen verfeindeten Mafia-Clans. Die FAZ berichtete, es sei eine junge Generation von Mafiosi herangewachsen, die brutaler sei als ihre Väter. Die Polizei erscheine machtlos.
Dass sich Apple weder für Rom oder Mailand entschieden hat, sondern für Neapel, hat umso mehr grosse Symbolkraft. Es ist ein mutiger Entscheid, der für die Region viel bedeuten dürfte.
Apple seinerseits musste in Italien zuletzt negative Schlagzeilen hinnehmen, wie die Tageszeitung Corriere della Sera erinnert. Wegen eines Steuerstreits mit den italienischen Behörden zahlte der Konzern einem Insider zufolge 318 Millionen Euro nach.
Apple setzt nicht nur bei der Software-Entwicklung auf den Alten Kontinent. Man arbeite darüber hinaus mit Europas führenden Herstellern von mechanischen Mikro-Elektronik-Systemen zusammen, die die winzig kleinen Bauteile kreieren, die einige der Sensor- und Audio-Technologien in iOS-Geräten antreiben.
Im Wettstreit der Smartphone-Ökosysteme mit Android von Google gelte iOS trotz des geringeren Marktanteils nach wie vor als die lukrativere Plattform, konstatiert die Nachrichtenagentur SDA. Das Geld für Apps sitze bei Käufern der teureren iPhones oft lockerer.
Apple: Spannende Hintergrund-Storys
Die wichtigsten Gerüchte zum iPhone 7
2016 bringt Apple das iPhone 7 heraus. Hier fassen wir die wichtigsten Gerüchte rund um das nächste Flaggschiff zusammen ... X90027 / DAMIR SAGOLJ
Wie bei der aktuellen iPhone-Generation, die im September 2015 lanciert wurde (Bild), dürften im nächsten Herbst zwei Modelle herauskommen, die sich bezüglich Display-Grösse und Ausstattung unterscheiden: das kleinere iPhone 7 und die XL-Version, das iPhone 7 Plus. Getty Images North America / Stephen Lam
Angeblich soll das iPhone 7 Plus in wichtigen Punkten besser bestückt sein als das kleinere iPhone 7. Es soll in der teuersten Ausstattung (Preis nicht bekannt) erstmals 256 Gigabyte (GB) internen Speicherplatz bieten und ausserdem einen leistungsfähigeren Akku (3100 Milliampere-Stunden) besitzen als das iPhone 6S (2750 mAH) und das iPhone 6S Plus (mAH). X02805 / BECK DIEFENBACH
Das iPhone 7 Plus soll es in zwei Kamera-Varianten geben: Neben der Ausstattung mit einer standardmässigen iSight-Kamera soll es ein teureres Dual-Kamera-Modell geben, mit zwei 12-Megapixel-Kameras (inklusive optischem Zoom und Weitwinkelobjektiv) auf der Rückseite. Die Technik stammt laut Apple Insider von der 2015 zugekauften Firma LinX Imaging. X00503 / DAVID GRAY Drahtloses Aufladen? Laut unbestätigten Meldungen forscht Apple an einer neuartigen Technologie, die es erlaubt, Akkus von Mobilgeräten aus einer Entfernung von bis zu einem Meter ohne Kabel mit Strom zu versorgen. Dass sich bereits das iPhone 7 drahtlos aufladen lässt, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Laut Bloomberg wird die Technik, die mit Partnern in den USA und Asien entwickelt wird. erst 2017 so weit sein.
Wasserdicht: Das iPhone 7 soll laut einem Gerücht aus China dank robustem Gehäuse und Rahmen widerstandsfähiger sein als bisherige Modelle und könnte erstmals (offiziell) als wasserdicht vermarktet werden. Dank spezieller Versiegelung der Öffnungen und dem Verzicht auf die traditionelle Kopfhörer-Buchse? AP/AP / Kiichiro Sato
Die Hinweise verdichten sich, dass Apple tatsächlich das iPhone 7 ohne 3,5-mm-Klinkenanschluss ausliefern wird. Der Verzicht auf den Kopfhörer-Stecker ist angeblich notwendig, um das Handy noch dünner machen zu können. Dafür soll ein kostenloses Bluetooth-Headset mitgeliefert werden. (Bild: iPhone 6.) Shutterstock
Sicher ist: Apple wird die mit dem iPhone 6S lancierte Technologie 3D Touch, die das schnellere und einfachere Bedienen des Geräts ermöglicht, in die nächste iPhone-Generation integrieren. Das funktioniert, indem hochempfindliche, in den Touchscreen integrierte Sensoren die Stärke des Fingerdrucks unterscheiden. iFixit.com
Grösse: Wenn Apple die mit dem iPhone 6 eingeführten Dimensionen beibehält, besitzt das iPhone 7 ein 4,7-Zoll-Display (12 cm) und das iPhone 7 Plus einen Touchscreen mit einer Diagonalen von 5,5 Zoll (14 cm). X90027 / Damir Sagolj
Verkaufsstart: Abgesehen von dem im Frühling lancierten iPhone SE deutet nichts darauf hin, dass Apple seinen bewährten Produkte-Fahrplan grundlegend ändert. Demnach werden das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus im Spätsommer, respektive Herbst 2016 vorgestellt. Der Verkaufsstart könnte Mitte oder Ende September erfolgen, gestaffelt nach Ländern. X03134 / YUYA SHINO
Farbe: Zur Farbpalette der nächsten iPhone-Generation gibts noch keine gesicherten Informationen. Überraschungen sind jederzeit möglich, wie zum Beispiel mit einem iPhone 7 in Blau. Das iPhone 6S und das 6S Plus gibt es in Gold, Grau, Roségold und Weiss. Getty Images North America / Stephen Lam
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