Ovomaltine-Eigentümer plant grossen Umbruch bei Primark
Der Primark-Mutterkonzern Associated British Foods (ABF) kündigte am Dienstag an, die Billigmode-Kette vom Lebensmittelgeschäft zu trennen. So sollen die beiden sehr unterschiedlichen Sparten künftig besser gesteuert werden.
Nach eingehender Prüfung kam der Verwaltungsrat «zu dem Schluss, dass eine Abspaltung (...) die beste Möglichkeit ist, die langfristigen Renditen für die Aktionäre zu maximieren, angesichts der Grösse, die Primark heute innerhalb des Konzerns erreicht hat», erklärte sein Präsident Michael McLintock in einer Mitteilung.
Primark, 1969 in Irland unter dem Namen Penneys gegründet, macht fast die Hälfte der Einnahmen des Konzerns aus. Der Rest der Tätigkeit ist auf den Lebensmittelbereich ausgerichtet, wobei ABF ein bedeutender Zuckerproduzent ist und zahlreiche Marken wie Twinings, Jordans oder Ovomaltine besitzt.
Nicht dieselben Investoren
Jahrelang betonte ABF, dass es Primark niemals vom Konzern trennen werde, und argumentierte, eine «Konglomeratsstruktur biete Vorteile». Doch «je mehr Primark gewachsen ist, desto stärker wurden die Rufe, das Unternehmen auf eigenen Beinen stehen zu lassen», so Dan Coatsworth von AJ Bell.
Laut dem Analysten ziehen Lebensmittel und Bekleidung nicht unbedingt dieselben Investoren an.
Der Konzern präzisiert, dass beide in London kotiert sein werden. «Angesichts ihrer Grösse wird erwartet, dass beide Teil» des Leitindex FTSE 100 sein werden. Die Lebensmittelsparte wird den Namen «Associated British Foods» beibehalten.
Ein rückläufiger Nettogewinn
Primark betreibt fast 500 Geschäfte in 19 Ländern, mit einem Jahresumsatz von rund 9,5 Milliarden Pfund (10,9 Milliarden Euro) und mehr als 83’000 Mitarbeitenden. Es sei «eine der grössten Erfolgsgeschichten im Einzelhandel der letzten zwanzig Jahre. Die Marke hat gezeigt, dass die Zukunft des Detailhandels nicht vom Internet abhängt, da physische Geschäfte weiterhin ein verlässlicher Weg bleiben, Geld zu verdienen», so Dan Coatsworth.
Die Lebensmittelsparte ist ihrerseits in 52 Ländern präsent, mit einem Jahresumsatz von rund 9,8 Milliarden Pfund (10,3 Milliarden Franken) und mehr als 55’000 Mitarbeitenden. ABF kündigte zudem am Dienstag einen um 14% gesunkenen Nettogewinn auf 445 Millionen Pfund (511 Millionen Euro) für sein erstes, verschobenes Halbjahr an, das Ende Februar abgeschlossen wurde.
«Wir wussten, dass die erste Hälfte dieses Geschäftsjahres schwierig werden würde», sagte Geschäftsführer George Weston. Er erwarte aber «eine Verbesserung der Leistung im zweiten Halbjahr».
Die Aktie von ABF an der Londoner Börse fiel am Dienstagmorgen um rund 3,5%. Die Abspaltung soll vor Ende 2027 in Kraft treten. Sie wird unter anderem «einmalige Kosten» von etwa 75 Millionen Pfund (79 Millionen Franken) verursachen. (jzs/afp/fwa)
