In diesem Haus lebte der mutmassliche Täter mit seiner Mutter.
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Fall Rupperswil: Niemand will das Haus des mutmasslichen Täters
Heute vor einem Jahr wurde der mutmassliche Täter im Vierfachmord von Rupperswil gefasst. Das Haus, in dem er mit seiner Mutter lebte, steht seit März zum Verkauf. Doch niemand scheint darin wohnen zu wollen.
Heute jährt sich die Verhaftung des mutmasslichen Täters im Vierfachmord von Rupperswil. Es handelt sich um eines der grauenvollsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte.
Die Mutter des mutmasslichen Täters hat das Haus, in dem sie mit ihrem Sohn bis zu seiner Verhaftung lebte, seither zum Verkauf angeboten.
Das gestaltet sich aber schwierig: Bereits seit Anfang März kann das Haus erworben werden. Doch niemand scheint es kaufen zu wollen. Denn, dass ihr Sohn und mutmasslicher Vierfachmörder bis zu seiner Verhaftung am 12. Mai 2016 hier wohnte, ist schweizweit bekannt.
«Kinderfreundliches Einfamilienhaus in ruhigem Wohnquartier»
So ist das Inserat auf der Internetseite der Immobilien-Firma, die das Dossier betreut, nach wie vor online. Das Haus wird darin als «kinderfreundliches Einfamilienhaus in ruhigem Wohnquartier» angepriesen. Die Fotos der inneren vier Wände wurden jedoch seit den zahlreichen Medienberichten zum Thema vom Netz genommen. Am Preis hingegen hat sich nichts geändert. Das ehemalige Heim des mutmasslichen Täters soll für 715'00 Franken an den Mann gebracht werden.
Das sei angesichts der Vorgeschichte der Immobilie möglicherweise zu hoch, sagt der Immobilienexperte Ueli Kehl von Neue Immo AG, die in der Umgebung Aarau tätig ist. Für ein Haus ohne ähnliche Vorgeschichte entspreche die Immobilie ungefähr dem Marktpreis. «Die Nachfrage nach solchen Einfamilienhäusern in Rupperswil ist eigentlich gut. Aber es ist nachvollziehbar, dass sich für dieses Haus weniger Interessenten finden lassen als für andere.»
«Abriss wäre eine Option»
Im Ausland werden Häuser von Menschen, die in ähnlich brutale Taten verwickelt sind, in gewissen Fällen abgerissen. Entweder, weil sich kein Käufer für das Haus finden lässt, oder weil der Ort zu einer Art Gedenkstelle von Bewunderer des Täters wird. Ein Abriss hält Kehl auch im Fall Rupperswil für möglich: «Natürlich wäre das eine Option, wenn sich das Haus nicht verkaufen lässt.» Diese Entscheidung hänge aber alleine von der Eigentümerin des Hauses ab, und dem finanziellen Druck, dem sie standhalten muss.
Die Immobilien-Firma, die das Dossier betreut, wollte zum Fall keine Stellung nehmen.
Der Fall Rupperswil:
Am 12. Mai 2016 wurde der mutmassliche Täter in einem Café in Aarau verhaftet. Der heute 34-Jährige hatte kurz vor Weihnachten Carla S. (48) und ihre Söhne Davin (13) und Dion (19) sowie dessen Freundin Simona F. (21) getötet, indem er ihnen die Kehle durchgeschnitten hat. Nach seiner Festnahme wurde klar, dass er bereits neue Opfer im Visier hatte. Wann er vor Gericht stehen wird, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn bis heute noch keine Anklage erhoben.
146 Tage Angst: Die Chronologie des Vierfachmords von Rupperswil
21. Dezember 2015: Kurz vor Mittag wird die Feuerwehr zu einem Brand in einem Einfamilienhaus in Rupperswil gerufen. Im Innern des Hauses finden die Feuerwehrleute vier Leichen. Es stellt sich heraus, dass die Opfer Stich- und Schnittverletzungen aufweisen. Der Brand wurde absichtlich gelegt. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus.
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23. Dezember 2015: Die vier Opfer sind identifiziert. Es handelt sich um eine 48-jährige Frau, ihre Söhne im Alter von 13 und 19 Jahren sowie die 21-jährige Freundin des älteren Sohnes. Die Frau und ihre zwei Söhne wohnten in dem Haus, die 21-Jährige war bei der Familie zu Besuch.
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24. Dezember 2015: Um die Bluttat aufzuklären, setzt die Polizei auf Flugblätter. An Heiligabend gehen Dutzende Polizisten in Rupperswil und den umliegenden Gemeinden direkt auf die Bewohner zu. Auf dem Flugblatt ist zudem das Foto einer Überwachungskamera zu sehen, das die 48-jährige Frau beim Geldabheben kurz vor der Tat zeigt. KEYSTONE / WALTER BIERI
26. Dezember 2015: Dank ihrer Flugblattaktion bekommt die Polizei Dutzende von Hinweisen. Darunter befinden sich auch zwei Aufnahmen von Videokameras in Fahrzeugen, sogenannten Dashcams. Weil aber die entscheidenden Hinweise fehlen, wird auch die internationale Polizeibehörde Interpol eingeschaltet.
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8. Januar 2016: Fast 500 Personen nehmen in Rupperswil an einem Gedenkgottesdienst für drei der vier Opfer teil. Vertreter von Kirche und Politik sprechen tröstende Worte. Der Andrang ist so gross, dass rund 200 Trauergäste den Gottesdienst vom Saal des Kirchgemeindehauses aus verfolgen müssen.
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21. Januar 2016: Die Aargauer Staatsanwaltschaft gelangt an die ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY – ungelöst». Dort wird der Fall im Verlaufe des Frühlings in Deutschland «verfilmt». Geplanter Ausstrahlungstermin für den Beitrag war der 8. Juni 2016.
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18. Februar 2016: Die Behörden informieren erstmals ausführlich über den Fall, können aber keine Fortschritte bei der Auflösung melden. Für Hinweise wird eine Belohnung von 100'000 Franken ausgesetzt. Zudem wird ein weiteres Flugblatt in verschiedenen Sprachen mit dem Hinweis auf die Belohnung breit gestreut.
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13. Mai 2016: Polizei und Staatsanwaltschaft laden überraschend zu einer Pressekonferenz. Dort vermelden die Ermittler, dass der mutmassliche Täter am Vortag festgenommen wurde. Der nicht vorbestrafte Mann sei geständig. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
Bei dem Mann handelt es sich um Thomas N. Er war jahrelang als Fussball-Trainer tätig.
An der Presskonferenz wurden auch Tatwerkzeuge gezeigt, die beim 33-Jährigen gefunden wurden: Kabelbinder, Tape, eine alte Armeepistole und Stricke. KAPO AG
Thomas N. lebte zusammen mit seiner Mutter in diesem Haus in Rupperswil – nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt.
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