SCB-Captain Simon Moser musste nach einem Check gegen Langnaus Anton Gustafsson vom Eis.
Bild: KEYSTONE
SCB-Titan Simon Moser – hart genug für die NHL
Der Titan Simon Moser ist einer der härtesten und fairsten
Spieler der Liga. Gut, hat ihn die Hockey-Justiz freigesprochen.
Eine Szene für Hockey-Lehrstunden. Eingefangen von der TV-Kamera. SCB-Captain Simon Moser (29) kassiert nach einem Check gegen Langnaus Anton Gustafsson (28) in der 34. Minute des Derbys einen Restausschluss.
Eine Szene, durchaus typisch für den Titanen (187 cm, 97 kg). Sein gleich grosser und fast gleich schwerer Gegenspieler (187 cm/95 kg) bleibt auf dem Eis liegen. Er kann die Partie nicht mehr fortsetzen und nach dem Spiel wird eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert. Der Schwede mit Schweizer Lizenz fällt für unbestimmte Zeit aus.
Anton Gustafsson konnte die Partie nicht mehr fortsetzen.
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Die Schiedsrichter schicken Simon Moser in die Kabine (5 Minuten plus Restausschluss). Sie können die Szene nicht – wie wir – noch und noch in der Wiederholung sehen. Es ist in Echtzeit praktisch unmöglich zu erkennen, ob der Check korrekt ist oder nicht. Der Entscheid der Schiedsrichter ist nicht zu kritisieren.
Warum eine Szene für eine Hockey-Lehrstunde? Weil hier erstens in seltener Qualität zu sehen ist, was erlaubte Härte ist. Der Check ist ein legales Mittel, um einen Gegenspieler vom Puck zu trennen. Anton Gustafsson führt die Scheibe, darf also gescheckt werden und muss in dieser Situation mit einem Check rechnen.
Der Check geht nicht gegen den Kopf, Simon Moser springt nicht auf und hat auch nicht die Ellenbogen oben. Es ist ein Zusammenprall Körper gegen Körper. Raues, uriges, sauberes Hockey. Rumpelhockey.
Simon Moser.
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Der SCB-Captain ist einer der wenigen Schweizer Stürmer, der mit internationaler Härte spielt. Geradlinig, oft schmerzhaft für die Gegenspieler. Aber im Rahmen der Spielregeln. Er hat in der höchsten Liga in der Qualifikation noch nie mehr als 50 Strafminuten verbüsst.
Die Szene ist zweitens auch deshalb eine Lehrstunde, weil eine Besonderheit zu sehen ist, die auch zu unserer Liga gehört: eine gewisse Sorglosigkeit.
Der 1000er-Klub des Schweizer Eishockeys:
Bislang 15 Eishockeyspieler (Stand: 18.9.2021) schafften es auf 1000 oder mehr Spiele in der höchsten Schweizer Spielklasse. Das sind sie:
Rang 15: Beat Forster (2000 bis heute) – 1000 NLA-Spiele für den HC Davos, die ZSC Lions und den EHC Biel. keystone / PETER KLAUNZER
Rang 14: Reto von Arx (1995 bis 2015) – 1004 NLA-Spiele für den HC Davos.
Rang 13: Marc Reichert (1996 bis 2017) – 1022 NLA-Spiele für Bern, Biel, Kloten und Ambri. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Rang 12: Martin Steinegger (1990 bis 2012) – 1025 NLA-Spiele für Biel und Bern. KEYSTONE PHOTOPRESS / YOSHIKO KUSANO
Rang 11: Fabian Sutter (1999 bis 2018) – 1026 NLA-Spiele für Bern, Davos, die SCL Tigers, Zug und Biel. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Rang 10: Gil Montandon (1984 bis 2009) – 1032 NLA-Spiele für Fribourg und Bern. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
Rang 9: Sven Lindemann (1997 bis 2019) – 1034 NLA-Spiele für Kloten, Zug, die SCL Tigers und Rapperswil-Jona. KEYSTONE / MARCEL BIERI
Rang 8: Sebastien Reuille (1998 bis 2019) – 1037 NLA-Spiele für Lugano, Kloten und Rapperswil. TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
Rang 7: Michael Ngoy (2001 bis 2021) – 1042 Spiele für Lausanne, Fribourg und Ambri. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
Rang 6: Ivo Rüthemann (1994 bis 2014) – 1072 NLA-Spiele für Davos und Bern. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Rang 5: Ryan Gardner (1997 bis 2017) – 1076 NLA-Spiele für Ambri, Lugano, ZSC Lions, Bern und Fribourg. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Rang 4: Ronnie Rüeger (1990 bis 2013) – 1085 NLA-Spiele für Kloten, Davos, Ambrì, Herisau, Lausanne, Zug und Lugano (inkl. Partien als Ersatzgoalie). KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
Rang 3: Andres Ambühl (seit 2000) – 1087 NLA-Spiele für den HC Davos und die ZSC Lions.
Rang 2: Mathias Seger (1996 bis 2018) – 1167 NLA-Spiele für den SC Rapperswil-Jona und die ZSC Lions. KEYSTONE / URS FLUEELER
Rang 1: Beat Gerber (seit 1999) – 1169 NLA-Spiele für die SCL Tigers und den SC Bern. keystone / PETER KLAUNZER
Anton Gustafsson konzentriert sich so auf die Scheibe, dass er von Simon Mosers Angriff überrascht wird. Wer vor dem gegnerischen Tor frei den Puck hat, muss ganz einfach die Umgebung im Auge haben und auf einen Check gefasst sein. Es ist die gefährlichste Zone für den angreifenden Stürmer. Aber in unserer Lauf- und Tempoliga ist die Gefahr, von einem Check erwischt zu werden, halt verhältnismässig klein und die «Kultur» des Auffangens von Checks, des richtigen Verhaltens in der Gefahrenzone oder entlang der Bande nach wie vor nicht hoch entwickelt.
Simon Moser (rechts) 2014 im Dienste der Nashville Predators
Bild: AP/FR170793 AP
Simon Moser ist inzwischen zweifacher Silberheld. Er scheiterte in der Saison 2013/14 beim ersten Versuch, die NHL zu erobern (6 Spiele/1 Tor/1 Assist für Nashville). Inzwischen wäre er mit ziemlicher Sicherheit gut genug für die wichtigste Liga der Welt. Er hat in seinem Spiel die ideale Kombination aus Tempo, Technik, Intelligenz, Mut und Härte. Simon Moser ist der wichtigste Schweizer Feldspieler beim SC Bern.
Oder wer es gern martialisch mag: er ist auch hart genug für die NHL.
Schweizer Meilensteine in der NHL:
29. Januar 1995: Pauli Jaks, Los Angeles Kings – Pauli Jaks schreibt am 29. Januar 1995 Schweizer Eishockeygeschichte: Als erster Schweizer überhaupt kommt er in der NHL zum Einsatz. Für die Los Angeles Kings darf er gegen die Chicago Blackhawks nach der ersten Drittelspause 40 Minuten lang das Tor hüten. Er kassiert zwei Gegentreffer und sollte nie mehr einen Fuss auf NHL-Eis setzen.
27. Juni 1997: Michel Riesen, Edmonton Oilers – Michel Riesen wird von den Edmonton Oilers in der ersten Runde als Nummer 14 gedraftet. Am 27. Juni 1997 zieht er sich anlässlich dieses Drafts zum ersten Mal das Oilers-Trikot über. Zunächst spielt er in der AHL bei den Hamilton Bulldogs, erst im Jahr 2000 folgt dann der Wechsel in die NHL. Insgesamt absolviert Riesen zwölf NHL-Spiele und verbucht dabei einen Assistpunkt. AP / GENE J PUSKAR
5. Oktober 2000: Reto von Arx, Chicago Blackhawks – Der Emmentaler Reto von Arx bestreitet als erster Schweizer Feldspieler ein NHL-Spiel. Er kommt auf 13:06 Minuten Eiszeit und meint nach dem Spiel ehrfürchtig: «Was Intensität und Einsatz angeht, habe ich noch nie in meinem Leben auf so hohem Niveau gespielt.» AP / TOM OLMSCHEID
07. Oktober 2000: Reto von Arx, Chicago Blackhawks – Im erst zweiten NHL-Einsatz erzielt Reto von Arx bereits eine Doublette. Er ist somit der erste Schweizer, der in einem NHL-Spiel ins Schwarze trifft. Der «Blick» titelt am Tag darauf euphorisch: «Von Arx besser als Gretzky». Etwas gar voreilig, wie sich herausstellen sollte. Nach 19 Spielen in der NHL beendet von Arx sein Abenteuer in Übersee und kehrt wieder zurück in die Schweiz.
26. Oktober 2000: David Aebischer, Colorado Avalanche – In seinem zweiten NHL-Spiel von Beginn weg gelingt David Aebischer gegen die Chicago Blackhawks der erste Shutout eines Schweizer Torwarts in der NHL. AP / DAVID ZALUBOWSKI
9. Juni 2001: David Aebischer, Colorado Avalanche – David Aebischer wird zwar schon 1997 gedraftet, sein erstes NHL-Spiel absolviert der Torwart aber erst am 18. Oktober 2000. Bereits am 9. Juni gewinnt der Schweizer mit den Colorado Avalanche gegen die New Jersey Devils den Stanley Cup – Stammtorwart ist jedoch Patrick Roy. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
25. Januar 2009: Mark Streit, New York Islanders – Als erster Schweizer wird Mark Streit für das All-Star-Game nominiert. Dort spielt er im Team der Eastern Conference unter anderem mit Alexander Owetschkin, Zdeno Chára und Jewgeni Malkin. AP The CANADIAN PRESS / Ryan Remiorz
13. Oktober 2010: Nino Niederreiter, New York Islanders – Niederreiter erzielt die 1:0-Führung gegen die Washington Capitals. Damit wird er mit 18 Jahren und 35 Tagen zum jüngsten Islanders-Torschützen aller Zeiten und zum jüngsten Schweizer Torschützen in der NHL. FR67404 AP / Nick Wass
21. September 2011: Mark Streit, New York Islanders – Der Berner Mark Streit wird als erster Schweizer Captain eines NHL-Teams. Bei den New York Islanders spielt Streit von 2008 bis 2013, danach folgt der Wechsel zu den Philadelphia Flyers. FR170351 AP / Kathleen Malone-Van Dyke
10. Juni 2013: Roman Josi, Nashville Predators – Roman Josi, MVP der Eishockey-WM 2013, unterschreibt bei den Nashville Predators einen Traumvertrag über sieben Jahre, welcher ihm 26 Millionen Franken einbringt. Zuma Sports Wire / Billy Hurst/freshfocus
13. November 2014: Nino Niederreiter, Minnesota Wild – Nino Niederreiter gelingt beim 6:3-Heimsieg von Minnesota gegen die Buffalo Sabres als erstem Schweizer überhaupt ein Hattrick. AP/AP / Jim Mone
April 2015: Nino Niederreiter, Minnesota Wild – Nino Niederreiter erzielt als erster Schweizer mehr als 20 Tore (24) in der Regular Season. zumapress / Mike Wulf/freshfocus
12. Juni 2017: Mark Streit, Pittsburgh Penguins – Mark Streit gewinnt mit den Pittsburgh Penguins als erster Schweizer Feldspieler und als dritter Schweizer überhaupt den Stanley Cup.
24. Juni 2017: Nico Hischier (New Jersey Devils) – Nico Hischier schreibt Schweizer Sportgeschichte. Als erster Schweizer wird der junge Walliser im NHL-Draft an erster Stelle gezogen (von den New Jersey Devils).
27. Februar 2018: Roman Josi (Nashville Predators) – Roman Josi skort als erster Schweizer fünf Punkte in einem NHL-Spiel beim 6:5-Sieg gegen die Winnipeg Jets gelingen dem Nashville-Captain fünf Assists. AP/AP / Mark Humphrey
20. Mai 2018: Luca Sbisa (Vegas Golden Knights) – Luca Sbisa schafft mit dem Expansion Team (!) aus Las Vegas den Einzug in den Stanley-Cup-Final. Dort scheitern der Zuger und seine Golden Knights aber an den Washington Capitals. AP/AP / John Locher
26. Januar 2019: Roman Josi (Nashville Predators) – Der Berner Verteidiger der Nashville Predators wird als erster Schweizer zum zweiten Mal für ein All-Star-Game nominiert.
1. April 2019: Timo Meier (San Jose Sharks) – Als erster Schweizer knackt Timo Meier die magische 30-Tore-Marke in der NHL. Mit 66 Punkten (30 Tore/36 Assists) stellt er den neuen Schweizer Punkterekord für eine Regular Season auf. AP/FR171606 AP / Josie Lepe
26. Januar 2020: Nico Hischier (New Jersey Devils) und Roman Josi (Nashville Predators) – Zum ersten Mal werden mit Nico Hischier und Roman Josi zwei Schweizer für ein NHL-All-Star-Game nominiert. AP / Jeff Roberson
22. September 2020: Roman Josi (Nashville Predators) – Roman Josi wird an den NHL-Awards mit der James Norris Memorial Trophy als bester Verteidiger der Saison ausgezeichnet. Nie zuvor konnte ein Schweizer eine der begehrten Auszeichnungen gewinnen. imago images/Icon SMI / Nicole Fridling/Icon Sportswire
Das Büro steht Kopf, wir sind im Playoff-Fieber:
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