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Neben den USA gehören dem vor 20 Jahren gegründeten Rat Kanada, Russland, Finnland, Dänemark, Island, Schweden und Norwegen an. Bild: EPA

Arktischer Rat erneuert trotz US-Skepsis Bekenntnis zum Klimaschutz

Publiziert: 11.05.17, 21:19 Aktualisiert: 11.05.17, 22:23

Der Arktische Rat hat sich mit der Stimme der USA für grössere Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel ausgesprochen.

Eine Entscheidung, ob sein Land Mitglied des Pariser Klimaabkommens bleibe, sei aber noch nicht getroffen, sagte US-Aussenminister Rex Tillerson am Donnerstag bei der Konferenz in Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska

Fairbanks gilt als Tor zur Polarregion. Der vor 20 Jahren gegründete Arktische Rat besteht aus acht Nationen sowie aus Vertretern indigener Völker. Neben den USA sind Dänemark, Kanada, Russland, Norwegen, Finnland, Schweden und Island Mitglieder. Die Schweiz hat Beobachterstaus beantragt.

Der Rat nehme mit Besorgnis zur Kenntnis, dass die Durchschnittstemperaturen in der Region nördlich des Polarkreises mehr als zweimal so schnell steigen wie im Rest der Welt, heisst es im Abschlussdokument der alle zwei Jahren stattfindenden Konferenz. Die Erklärung des Rates ist für die Mitgliedsländer bindend.

Jüngste Studien hatten ergeben, dass die Durchschnittstemperatur im Januar 2017 um fünf Grad höher war als im Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010. Ureinwohner befürchten die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage.

Der Arktische Rat erneuerte seine Forderung zur Reduzierung des Ausstosses von Treibhausgasen und anderer Klimaschädlinge. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen müssten unbedingt eingehalten und bis 2030 umgesetzt werden. Die Erwärmung der Arktis hat weitgehende soziale, umweltpolitische und wirtschaftliche Folgen für die Region und die ganze Welt.

US-Haltung mit Spannung erwartet

Die Haltung der USA war mit Spannung erwartet worden, weil sich die Regierung von Präsident Donald Trump skeptisch zum Klimaschutz geäussert hatte und die in der Wissenschaft eindeutige Auffassung, Treibhausgase seien für die Erderwärmung zu grossen Teilen mitverantwortlich, anzweifelt. Die USA geben den Vorsitz des Arktischen Rates nach zwei Jahren an Finnland ab.

Die vom Klimawandel hart getroffenen Menschen in der Arktis-Region hoffen auf eine kontinuierliche Klimapolitik der USA. Der Kampf gegen den Klimawandel müsse auch eine Priorität in der Administration von Präsident Trump bleiben, forderten Klimaschützer und Vertreter von Ureinwohnern zum Auftakt des Ministertreffens.

«Viele Generationen werden nach uns kommen», sagte Trimble Gilbert, einer der Stammesältesten der Gwitchin-Nomaden zum Start der Konferenz in Fairbanks. Auch sie bräuchten noch eine Nahrungsgrundlage, auch sie hätten ein Recht, das traditionelle Leben ihrer Vorfahren weiterzuleben. Derzeit gibt es vor allem Sorge um Rentierherden und Walrosse, die unter der Erwärmung stark leiden.

Streit um Ölförderung

Insbesondere die Ölförderung in der Arktis gilt als Zankapfel. Trump will sie wieder erlauben, nachdem sein Vorgänger Barack Obama die Bohrungen in sensiblen Regionen weitgehend verboten hatte. Durch das Abschmelzen der Gletscher und die Aussicht auf eisfreie Sommer in bereits 15 Jahren könnten sich neue Möglichkeiten zur Ausbeutung von Rohstoffen ergeben.

Neben Öl und Gas werden unter dem arktischen Eis weitere rare Rohstoffe, wie seltene Erze vermutet. Seit Jahren gibt es zwischen Russland und Dänemark einen harten Kampf um die Frage, wem der geografische Nordpol gehört. Durch eisfreie Polarrouten könnten sich im Sommer auch neue Möglichkeiten für die internationale Schifffahrt ergeben.

Zuvor hatten mehrere Studien belegt, dass das Eis der Arktis schneller schmilzt als zunächst befürchtet. Die Fläche des arktischen Meereises ging in den vergangenen 20 Jahren um 1,21 Millionen Quadratkilometer zurück - dreimal die Fläche von Deutschland. Schon 2030 könnte die Nordpolarregion im Sommer eisfrei sein. (sda/dpa)

Klimawandel und Golfstrom: Fragile Ozeanzirkulation

Wärmebild des Atlantiks (rot = warm, blau = kalt): Europas Fernheizung entspringt im Golf von Mexiko. Dort heizt sich das Meer auf, gelenkt von Winden und der Erddrehung strömt das warme Wasser nach Norden.
Ozeanzirkulation: Der Golfstrom und seine nördlichen Ausläufer bestimmen das europäische Klima. Ohne die Wärmeenergie des Meeres wäre es in Nordeuropa deutlich kälter. (Grafik: Spon)
Strömungen im Atlantik: Auf dem Weg nach Norden kühlt sich das Wasser ab und gewinnt dabei an Dichte. Schliesslich sinkt es irgendwo im Nordmeer oder Nordatlantik in die Tiefe und fliesst zurück nach Süden. Bislang waren sich Forscher weitgehend einig, dass der Golfstrom als stabil einzuschätzen ist. X80001 / HANDOUT
Forscher um Wei Liu vom Scripps-Institut im kalifornischen San Diego warnen nun vor einer «übersehenen» Gefahr für den Golfstrom. Die Grafik zeigt ihre Klimasimulation mit (rechts) und ohne Berücksichtigung (links) des Salzhaushalts im Südatlantik. Die Forscher haben mit einer konstanten CO2-Konzentration von 560 ppm gerechnet. Anfangs gibt es nur minimale Unterschiede zwischen den beiden Szenarien. (Bild: Wei Liu)
Doch schon nach 200 Jahren ist der Golfstrom deutlich schwächer (rote Linie) - und seine Stärke sinkt der Simulation zufolge auch in den Jahrhunderten danach. Auch ohne die neuen Details zum Salzhaushalt im Südatlantik würde sich der Warmwasserstrom abschwächen (blaue Linie) – aber nicht so stark. (Bild: Wei Liu)
Nach einer Simulation eines Zeitraums von 200 Jahren sind die Veränderungen offenkundig: Die Temperaturen in Nordeuropa sinken, erkennbar an der Blaufärbung. (Bild: Wei Liu)
Nach 400 Jahren hat sich die Abkühlung weiter verstärkt. (Bild: Wei Liu)
Zirkulation an der Meeresoberfläche: Die Verhältnisse im Südatlantik machten Europas Fernheizung inhärent instabil, berichten die Forscher. Ein möglicher Zusammenbruch des Golfstroms könnte die Temperaturen in Nordwest-Europa auf Talfahrt schicken. (Bild: IFM-GEOMAR)
Der Thufa-Hügel der Hauptstadt Reykjavik: Die Winter in Island könnten um sieben Grad Celsius kälter werden, ergaben die Simulationen. AP / FRANK AUGSTEIN
Cornwall, England: Auch das Klima auf den britischen Inseln und in Irland könnte sich verändern. In Schottland und Irland drohen um drei Grad Celsius niedrigere Temperaturen. X80003 / POOL
Betroffen wäre auch Norwegen. Hier lautet die Prognose minus fünf Grad. EPA/NTB SCANPIX / JAN MORTEN BJOERNBAKK
Grönland: Sein abschmelzender Eispanzer könnte grosse Mengen Frischwasser in den Nordatlantik schütten und dort das Salzwasser so verdünnen, dass es nicht mehr wie bisher in die Tiefe sinkt. Auch dies könnte den Golfstrom schwächen. EPA/NASA / NASA / HANDOUT

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