Schweiz
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Eine kuenstlich beschneite Skipiste bei einem Schlepplift, am Donnerstag, 29. Dezember 2016 in Adelboden. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kein Niederschlag, kein Schnee: Lange ging Wintersport heuer nur dank künstlicher Beschneiung. Bild: KEYSTONE

Wo bleibt das Sauwetter? Die Schweiz erlebt den trockensten Winter seit 40 Jahren

Es ist der trockenste Winter seit Jahrzehnten. Forscher rätseln, ob das mit der Erderwärmung zu tun hat. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

Andreas Frey / Nordwestschweiz



Zum Ende des Winters hat sich doch tatsächlich ein Tief der Schweiz genähert. Der Wind ist aufgefrischt, Regenwolken sind aufgezogen, in den Alpen herrscht leichtes Tauwetter. Kein grosser Nachrichtenwert eigentlich – und doch ein Kuriosum in dieser zu Ende gehenden kalten Jahreszeit. Denn der Winter 2016/17 wird in der Schweiz voraussichtlich als trockenster seit 41 Jahren in die Geschichte eingehen, lautet die vorläufige Bilanz von Meteo Schweiz. Rund 120 Liter Regen und Schnee kamen pro Quadratmeter in den vergangenen drei Monaten vom Himmel – das macht nicht einmal die Hälfte der üblichen Menge.

Noch ist der Winter, der meteorologisch gesehen bis Ende Februar dauert, nicht zu Ende. Doch Meteo Schweiz hat für die «Nordwestschweiz» die gesammelten Daten bereits ausgewertet und mit den Prognosen für die letzten Februar-Tage ergänzt. Das sich ergebende Bild ist historisch: Die geringen Winterniederschläge summierten sich im Wallis und in der Westschweiz auf nur 20 bis 30 Prozent der Norm 1981–2010. Das Wallis verzeichnete den niederschlagsärmsten Winter seit 40 Jahren.

In der Westschweiz liegt eine vergleichbare Wintertrockenheit sogar 45 bis 55 Jahre zurück. In der Region Zürich war es mit 60 Prozent der Norm der trockenste Winter seit 25 Jahren. Die Alpensüdseite registrierte verbreitet nur 30 bis 45 Prozent der Norm. Ähnlich trockene Winter traten hier in den letzten Jahren aber hin und wieder auf.

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SRF-Meteo rechnet fürs Wochenende mit mildem und trockenem Wetter für die Schweiz. bild: srf/meteo

Zyklonenfriedhof über Europa

Gefühlt lag die Schweiz von Ende November an unter einem mächtigen Hochdruckgebiet. Es wölbte sich über die Schweiz – und lenkte die Tiefdruckgebiete in einer grossen Schleife um den Kontinent. Meteorologen sprechen – etwas martialisch – von einem Zyklonenfriedhof über Mitteleuropa. Die Schlechtwettergebiete bleiben dann zwar auf Distanz, allerdings kehrt am Himmel auch Langweile ein.

Den Höhepunkt der trögen Trockenphase erlebten die Schweizer im Dezember. Einen ganzen Monat lang fiel praktisch kein Regen oder Schnee. Es war dies der trockenste Dezember, der jemals in der Schweiz gemessen wurde. In höheren Luftschichten dominierte warme Mittelmeerluft, auf den höchsten Alpengipfeln wurden Mitte Dezember neue Rekordwerte gemessen. Auf dem 3580 Meter hohen Jungfraujoch war es mit minus 0,1 Grad an einem Dezembertag noch nie so warm seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1933. An vernünftiges Skifahren war jedenfalls lange Zeit nicht zu denken.

Zum Jahreswechsel rückte dann aus Osten grimmige Kälte heran. Die Alpennordseite erlebte den kältesten Januar seit dreissig Jahren. Tagelang herrschte Dauerfrost, Schnee fiel meist nur zu Monatsbeginn, auf der Alpensüdseite reichte es nur für wenige Zentimeter. Einzig in der Ostschweiz kam mehr Niederschlag vom Himmel. Unter dem Winterhoch produzierte die eingeflossene Arktisluft ihre Kälte in den langen Nächten selbst. Noch kälter war es nur in Osteuropa, wo arktische Eisluft über den Balkan bis nach Nordafrika strömte.

Eine Frau mit Rad ueberquert die verschneite Strasse, am Dienstag, 3. Januar 2017, in Zuerich. In der Nacht auf Dienstag ist der lang ersehnte erste Schnee im Flachland gefallen. Nach Angaben der Wetterdienste Meteonews und SRF Meteo duerften es in der Deutschschweiz fuenf bis zehn Zentimeter Schnee gewesen sein. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Weisse Pracht in Zürich: Wirklich Schnee gab es im Flachland eigentlich nur zu Beginn des Januars. Bild: KEYSTONE

Beweise fehlen

Klimaforscher wundern sich seit einigen Jahren über solche beständigen Wetterlagen. Ob sie mit dem Klimawandel in Zusammenhang stehen, ist allerdings unklar. In zahlreichen Studien ist bereits die Wirkung der Erderwärmung auf grossräumige Windströmungen untersucht worden, genauer: auf die Schleifen, die der Höhenwind Jetstream wirft. Bläst er – wie im Dezember und Januar – hauptsächlich im grossen Bogen um Mitteleuropa herum, bildet sich über Mitteleuropa ein Hoch – und die Luft kann bei Windstille auskühlen. Die Tiefdruckgebiete hingegen ziehen häufig mit der Höhenströmung und sind in den Jetstream eingelagert.

Das Muster der Jetstream-Schleifen wandert normalerweise um die Nordhalbkugel, kann sich aber auch verhaken. Kommen sie nicht mehr vom Fleck, kann das Wetter extrem werden. Dann bleibt es je nach Strömung entweder sehr lange trocken oder eben nass. Klare Belege, dass das etwas mit dem Klimawandel zu tun hat, fehlen allerdings noch.

Die Konsequenzen der langen Trockenheit lassen sich in der Natur ablesen. Die Wasserstände der Flüsse und Seen lagen während der letzten Wochen auf unterdurchschnittlichem bis stark unterdurchschnittlichem Niveau, teilt das Bundesamt für Umwelt auf Nachfrage mit. «Es wurden verbreitet Abflüsse beobachtet, wie sie nur alle zwei bis zehn Jahre vorkommen», sagt Pressesprecher Jérôme Chariatte. An zahlreichen Messstationen seien allerdings noch tiefere Abflüsse, wie sie nur alle zehn bis dreissig Jahre auftreten, registriert worden. Und auch die Grundwasserstände waren lange Zeit sehr tief.

Sauwetter willkommen

Mittlerweile haben sich viele Gewässer zwar wieder gefüllt, teilweise sind die Wasserstände aber immer noch sehr tief. Die Aare führt weiterhin Niedrigwasser und auch der Lago Maggiore liegt einen halben Meter unter seinem Durchschnittspegel. Die Grundwasserspeicher haben sich ebenfalls erholt, teilweise seien aber immer noch tiefe Grundwasserstände und Quellabflüsse mit sinkender Tendenz zu beobachten.

Alles gut also? Eher nicht. Denn ein grosser Wasserlieferant scheidet in diesem Frühjahr ebenfalls grossteils aus: die Schneeschmelze. In den Alpen liegt viel weniger Schnee als im langjährigen Mittel. Schnee wäre eigentlich ideal, um die Grundwasserspeicher zu füllen. Schmilzt das eisige Nass, sickert es langsam und gleichmässig in den Boden, und fliesst nicht oberflächig ab. Wegen dieses Effekts sind Winterniederschläge generell geeigneter als Sommerregen. Der Boden mag Landregen, keine Schauer. Doch damit sich die Niedrigwassersituation in der ganzen Schweiz wieder entspannt und sich auch die Seen weiter füllen, bräuchte es ein bis zwei Wochen Regen, sagt Chariatte. Wochenlanges Sauwetter also.

Ob das allerdings kommt, ist noch ungewiss. Zwar deuten sich fürs Wochenende und auch Anfang der nächsten Woche Regenfälle an, es ist allerdings unklar, ob daraus der ersehnte Wetterumschwung wird. Vom schweren Sturm, der am Donnerstag Holland und Norddeutschland erreichen wird, blieb die Schweiz jedenfalls verschont. Eines jedoch ist klar: Setzt sich die Trockenheit im Frühjahr fort, kommen auf Bauern und Wasserversorger grosse Probleme zu.

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