Ein Bild, das Geschichte ist: Nino Niederreiter spielt neu für die Carolina Hurricanes.
Bild: AP
Niederreiter wollte gerade ein Nickerchen machen, als er von seinem Trade erfuhr
Nino Niederreiter ist ab sofort ein Spieler der Carolina Hurricanes. Die Minnesota Wild haben ihn getradet. Für den Churer beginnt damit von einem Tag auf den anderen ein neuer Lebensabschnitt.
Es kann verdammt schnell gehen in der NHL. Am Dienstag schiesst Nino Niederreiter noch das erste Tor beim Heimsieg von Minnesota Wild gegen die Los Angeles Kings. Zwei Tage später steht gestern Abend ein Spiel gegen die Anaheim Ducks auf dem Programm, der Churer Stürmer will sich deshalb am Nachmittag nochmals kurz hinlegen und ausruhen.
Da wird Niederreiter vom General Manager der Wild angerufen und ihm wird mitgeteilt: Du bist keiner mehr von uns. Wir haben dich soeben zu den Carolina Hurricanes getradet. Mach's gut.
Niederreiter bedankt sich bei den Fans, die Minnesota zu seiner Heimat weit weg von der Schweiz gemacht hätten.
«Das ist etwas, das du nie kommen siehst», sagte Niederreiter in einer Telefonkonferenz mit Reportern. Selbst dann nicht, wenn man eine Ahnung davon habe, ein möglicher Kandidat für einen Trade zu sein. Minnesota tauscht den 26-jährigen Flügel mit dem schwedischen Center Victor Rask. Weil der Neue weniger verdient, spart Minnesota 1,25 Millionen Dollar.
Ein Liebling des Publikums
Niederreiter macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. «Derzeit habe ich noch gemischte Gefühle. Ich habe tolle Erinnerungen an Minnesota.» 2013 stiess der frühere Junior des HC Davos zu den Wild, nachdem der Erstrunden-Pick bei den New York Islanders nicht mehr weiterkam.
Gleich in seiner ersten Saison sorgte er für ein Glanzlicht: Dank seinem Tor in der Verlängerung von Spiel sieben schlug Minnesota die Colorado Avalanche und zog in die zweite Playoff-Runde ein – es war der grösste Erfolg des Teams seit mehr als einem Jahrzehnt. Doch nicht nur wegen seiner Treffer, auch wegen seiner bodenständigen Art wurde Niederreiter rasch zu einem Fanliebling.
Niederreiters Tor, das die Serie entscheidet.
Video: YouTube/NHL
Martin Gerbers gute Erinnerungen an Carolina
Nach 498 NHL-Spielen folgt nun also ein Neustart während einer Saison, in der es Niederreiter bislang nicht wunschgemäss lief. 23 Skorerpunkte (9 Tore) lieferte er in 46 Einsätzen ab. «Nun wird definitiv ein neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen und ich freue mich darauf.»
Teamkollege Matt Dumba verabschiedet sich vom «interessantesten Mann der ganzen Welt».
Niederreiter wird nach Martin Gerber der zweite Schweizer in der Geschichte der «Canes» sein. Der Goalie aus dem Emmental war Teil jener Mannschaft, die 2006 den Stanley Cup gewann.
Gerber hatte Niederreiter in der Vergangenheit auch schon von seinem neuen Arbeitsort erzählt. «Er sagte mir stets, wie sehr er es bei Carolina geliebt habe. Ich bin gespannt darauf, seine Erfahrungen nun selber machen zu können.» Auch Eric Staal, in Minnesota Teamkollege von «El Niño» und einst Captain der Hurricanes, habe oft von der Zeit dort geschwärmt.
Aus Grün wird Rot-Schwarz.
Noch ausserhalb der Playoffs
112 Tore schoss Niederreiter bisher in der NHL, er ist damit der erfolgreichste Schweizer überhaupt. «Wir freuen uns, dass wir einen erfahrenen Spieler holen konnten, der weiss, wie man Tore macht», liess sich Carolinas GM Don Waddell zitieren. Dass Headcoach Rod Brind'Amour offensiv spielen lässt, dürfte Niederreiter zugutekommen. Das Problem war bislang, dass trotzdem zu wenig Tore erzielt wurden – die wenigsten in der Eastern Conference.
Es wird erwartet, dass Nino Niederreiter schon in der Nacht auf Samstag (Schweizer Zeit) gegen die Ottawa Senators zu seinem ersten Einsatz mit dem neuen Team kommt. Carolina liegt derzeit ausserhalb der Playoffplätze, der Rückstand beträgt kurz nach Saisonhalbzeit sieben Punkte.
Dieser Streit über den Winter eskaliert schnell
Video: watson/Corsin Manser, Emily Engkent
Meilensteine aus 100 Jahren NHL
Am 19. Dezember 1917 startete der Spielbetrieb der National Hockey League (NHL). Sie wurde zur besten Eishockey-Liga der Welt. NHL
1917: Die NHL beginnt mit den vier Klubs Montreal Wanderers, Ottawa Senators, Montreal Canadiens und Toronto Torontos. NHL
1924: Mit den Boston Bruins steigt die erste Mannschaft aus den USA in die NHL ein.
1926/27: Erstmals spielen nur NHL-Teams um den Stanley Cup, den davor auch Klubs anderer Ligen gewinnen konnten. Die NHL besteht aus zehn Teams. Wikipedia / RasputinAXP
1938: Erste Europa-Tour von NHL-Klubs durch die Montreal Canadiens und Detroit Red Wings in der Vorbereitung.
1942/43: Als Folge der Wirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs müssen einige Teams den Betrieb einstellen. Die Ära der «Original Six» (Montreal Canadiens, Toronto Maple Leafs, Boston Bruins, Chicago Blackhawks, Detroit Red Wings, New York Rangers) beginnt. Sie dauert 25 Jahre. Archives of Ontario
27. Januar 1965: Der Schwede Ulf Sterner debütiert für die New York Rangers und wird zum ersten in Europa geborenen und ausgebildeten Spieler in der NHL. Wikipedia
1967/68: Die NHL expandiert durch den Einstieg der «Second Six» (Philadelphia Flyers, Los Angeles Kings, St. Louis Blues, Pittsburgh Penguins, Minnesota North Stars, Oakland Seals) von sechs auf zwölf Clubs. NHL
1972: Mit den Atlanta Flames, die 1980 nach Calgary umziehen, expandiert die NHL in den Süden. New York bekommt mit den Islanders ein zweites Team. Wikipedia / Rick Dikeman
1972: In der «Summit Series» (vier Spiele in Kanada und vier in Moskau) spielen erstmals die besten NHL-Spieler und die besten aus der Sowjetunion gegeneinander. Das Team aus der NHL gewinnt die Serie mit 4:3 Siegen (ein Unentschieden). Wikipedia/Canadian Press / Frank Lennon
1976: Jacques Soguel wird 1976 als erster Schweizer gedraftet. Der Stürmer des HC Davos wird von den St.Louis Blues als Nummer 121 gezogen, spielt aber nie in der NHL.
1979: Die World Hockey Association (WHA), die 1972 als Konkurrenz zur NHL gegründet worden war, gibt auf. Die Edmonton Oilers, Hartford Whalers (Bild), Quebec Nordiques und Winnipeg Jets wechseln von der WHA in die NHL. Wikipedia
1981/82: Wayne Gretzky (Edmonton Oilers) stellt mit 92 Saisontoren einen noch immer gültigen Rekord auf. 1985/86 holt «The Great One» 215 Skorerpunkte, auch diese Marke bleibt bisher unerreicht. AP
1989: Sergej Prjachin wird der erste aktuelle sowjetische Nationalspieler, der mit offizieller Erlaubnis in die NHL wechselt (zu den Calgary Flames). Weitere Stars wie Wladimir Krutow, Igor Larionow oder Sergej Makarow folgen. KEYSTONE / STR
1991: Nach zwölf Jahren Pause beginnt mit dem Einstieg der San Jose Sharks eine neue Ära der Expansion. Elliot Lowe / Elliot Lowe
1992/93: Die Montreal Canadiens gewinnen ihren 24. Stanley Cup (Rekord). Es ist der bisher letzte Triumph einer kanadischen Mannschaft. AP
29. Januar 1995: Goalie Pauli Jaks steht als erster Schweizer in einem offiziellen NHL-Spiel auf dem Eis. Er wird bei den Los Angeles Kings nach einem Drittel gegen die Chicago Blackhawks (Schlussresultat 3:6) eingewechselt und hält 23 von 25 Schüssen. Es bleibt sein einziger Einsatz für die Kings.
2000/01: Der Finne Alpo Suhonen, in der 90er-Jahren zweimal Meister mit dem EHC Kloten, und der Tscheche Ivan Hlinka sind die ersten europäischen Cheftrainer von NHL-Klubs. Suhonen führt die Chicago Blackhawks, Hlinka die Pittsburgh Penguins. KEYSTONE / STR
5. Oktober 2000: Mit Reto von Arx kommt bei den Chicago Blackhawks erstmals ein Schweizer Feldspieler in der NHL zum Einsatz. Er erzielt in seinem zweiten Spiel auch das erste Tor eines Schweizers. AP / TOM OLMSCHEID
2001: David Aebischer gewinnt als Ersatzgoalie der Colorado Avalanche als erster Schweizer den Stanley Cup. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
2004/05: Wegen eines Streits um den Gesamtarbeitsvertrag entfällt die gesamte Saison. Während des Lockouts sorgen Stars wie Joe Thornton, Rick Nash und Niklas Hagman beim HC Davos für Spektakel und führen die Bündner souverän zum Meistertitel und Spengler-Cup-Sieg. PHOTOPRESS / EDDY RISCH
2006: Martin Gerber gewinnt mit den Carolina Hurricanes als zweiter Schweizer den Stanley Cup. Wie Aebischer kommt er als Ersatzgoalie im Final aber nicht zum Einsatz. Getty Images North America / Jim McIsaac
25. Januar 2009: Streit, mittlerweile bei den New York Islanders, ist als erster Schweizer beim Allstar-Game der NHL dabei. AP The CANADIAN PRESS / Ryan Remiorz
2011: Streit wird bei den Islanders als erster Schweizer Captain eines NHL-Teams. FR170351 AP / Kathleen Malone-Van Dyke
2013: Verteidiger Roman Josi unterschreibt bei den Nashville Predators mit 28 Mio. Dollar für sieben Jahre den bestdotierten Vertrag eines Schweizers. AP/AP / Mark Humphrey
1. Januar 2014: Beim Winter Classic zwischen den Detroit Red Wings und den Toronto Maple Leafs (2:3 n.P.) sorgen 105'591 Fans im Michigan Stadium von Ann Arbor für einen Zuschauerrekord in der NHL. AP NHLI POOL / NOAH GRAHAM
23. Juni 2017: Nico Hischier ist der erste Schweizer, der im NHL-Draft als Nummer 1 gezogen wird (von den New Jersey Devils). Der Walliser ist erst die vierte Nummer 1, die nicht aus Nordamerika oder Russland stammt. AP/AP / Nam Y. Huh
2017/18: Die NHL expandiert mit den Golden Knights als erste grosse Liga in die Spieler-Hochburg Las Vegas und zählt neu 31 Klubs. Das Expansion Team schafft gleich die grosse Sensation und zieht in den Stanley-Cup-Final. AP/AP / John Locher
2018/19: Timo Meier stellt bei den San Jose Sharks mit 30 Toren und 36 Assists in der Qualifikation einen Schweizer Punkterekord in einer Saison auf. Auch seine 15 Punkte (5 Tore, 10 Assists) in den Playoffs sind eine neue Schweizer Bestmarke. AP/AP / Marcio Jose Sanchez
2019: Verteidiger Roman Josi unterschreibt bei den Nashville Predators mit 72 Mio. Dollar für acht Jahre den bestdotierten Vertrag eines Schweizers. AP / Mark Humphrey
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