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«Sie wollen also noch weiter darauf herumhacken?» – Andreas Glarner versteht die Aufregung um seinen Facebook-Post nicht. Bild: KEYSTONE

Andreas Glarner: «Mein Gott! Ist doch nicht so schlimm, dass das eine Falschinformation war!»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner löste mit einem Facebook-Post heftige Beleidigungen gegen zwei Twitterinnen aus, die ihn wiederholt darauf aufmerksam machten, dass er Falschinformationen verbreitete. Glarner findet das nicht so schlimm. Ein Gespräch über die linke Brut, staatsbesoldete Twitterinnen und die Jobsorgen der Autorin. 

Publiziert: 21.06.16, 14:08 Aktualisiert: 23.06.16, 14:54

Herr Glarner, wie ist das Ganze aus Ihrer Sicht abgelaufen? 
Andreas Glarner:
Es war so, dass so eine Kollegin von Ihnen, eine Linke, wegen Chiasso schwierig getan hat. Egal, was ich auf Twitter geschrieben habe, jedes Mal haben diese beiden Damen danach gefragt. Plötzlich waren es nicht mehr nur die beiden, sondern eine ganze Brut von Linken. 

Sie haben eine Falschinformation verbreitet, gemäss welcher Rentner in Chiasso aus einem Haus ausziehen müssten, um Platz für 500 Asylbewerber zu schaffen. Das stimmt nicht. Warum haben Sie das nicht einfach korrigiert? 
Mein Gott! Das ist doch nicht so schlimm, dass das eine Falschinformation war. Ich habe die Information im Nationalrat von der Vizestadtpräsidentin von Chiasso erhalten, diese Quelle habe ich offen gelegt. Warum hätte ich an ihr zweifeln sollen? 

bild: tages-anzeiger/twitter

Im Nachhinein wurde bekannt, dass die Information falsch war. 
Na und? Ich habe die Quelle genannt. Das ist doch nicht weiter tragisch! Jedes Medium verbreitet Falschinformationen. Also hallo! 

Ja, aber wenn Medien Falschinformationen verbreiten, korrigieren sie den Fehler danach öffentlich. 
Da habe ich aber andere Erfahrungen gemacht, auch mit sogenannten Qualitätszeitungen. Und für ein Verlustportal wie Ihres ist das sowieso typisch.

Da sind Sie aber gut über die Finanzen unseres Portals informiert.
Ja, Sie müssen um Ihren Job fürchten.

Schon wieder eine Falschinformation. Das behaupten Sie seit zwei Jahren und wir sind immer noch da. Aber reden wir doch wieder über das Thema. Sie finden es also nicht weiter schlimm, wenn Sie als Politiker kurz vor einer Abstimmung irreführende Falschinformationen verbreiten? 
Sie wollen also noch weiter darauf herumhacken? Finden Sie doch mal ein richtig spannendes Thema, beispielsweise wie Jacqueline Badran während der Sessions-Sitzung gelangweilt ihren Kopf auf die Pultplatte legt. 

Ok, schicken Sie mir doch den Facebook-Post, falls Jacqueline Badran mal einen ähnlichen macht wie Sie. Sie haben dann die Bilder der Frauen, die Sie wiederholt auf Chiasso angesprochen haben, auf Facebook gepostet. Warum? 
Warum nicht! Wenn diese beiden Frauen so spitzig tun. Sie haben mich praktisch gestalkt. Die eine davon ist Staatsbesoldete, da hat sich nun mein Riecher bestätigt. Wir haben sie erwischt. Sie arbeitet für die Asylorganisation Zürich und twittert fleissig während der Arbeitszeit. 

Die haarsträubendsten Fauxpas der SVPler auf Social Media

SVP-Nationalrat und Asylchef Andreas Glarner verlor die Nerven und stellte zwei Twitterinnen mit Bild an den Facebook-Pranger, mit dem beleidigenden Kommentar: «Ich verstehe irgendwie schon, dass sie links und feministisch sind.» Die beiden hatten ihn wiederholt aufgefordert, seine falsche Behauptung zu korrigieren, der Bund hätte in Chiasso Pensionäre rausgeschmissen, um Platz für 500 Asylsuchende zu schaffen. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
Jean-Luc Addor, Walliser SVP-Nationalratskandidat, veröffentlichte auf Twitter den Satz «On en redemande!», sinngemäss übersetzt heisst das: «Wir wollen mehr davon». Dem Tweet hatte er einen Link beigefügt, der sich auf eine tödliche Schiesserei in einer St.Galler Moschee bezog. Addor hat nun eine Strafanzeige am Hals, die immer noch hängig ist. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Marcel Töltl, Präsident der SVP St.Margrethen, behauptete auf Facebook,, Syrer und Eritreer verfügten allein ob ihrer Herkunft über einen tiefen IQ. Sie sollten deshalb der Schweiz fernbleiben: «Gerade Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien, welche nachweislich einen sehr tiefen ‹Länder-IQ› haben, sind in unserem Land, wirtschaftlich gesehen, fehl am Platz.» Bisher hatten seine Äusserungen keine Konsequenzen.
Der Solothurner SVP-Politiker Beat Mosimann musste aus der Partei austreten, nachdem er rassistische Kommentare und Statusmeldungen auf Facebook verfasst hatte. Unter anderem schrieb er: «Wann wird das gottverdammte Pack endlich ausgeschafft oder standrechtlich erschossen?» Auch Bezüge zum Dritten Reich wurden Mosimann zum Verhängnis: «Wenn wir nicht bereit sind, Deportationen im grösseren Rahmen vorzunehmen, auch wenn dies böse Erinnerungen weckt, dann komen wir aus der Scheisse nicht mehr raus.»
Die SVP-Frau Marlies Werner wollte in die Schulpflege von Wohlen (AG) gewählt werden. Auf ihrem Facebook-Profil fanden sich aber wenig jugendtaugliche Sprüche. «Eine richtige Frau macht deinen Penis hart und nicht dein Leben», war noch einer der harmloseren. Kritik an ihren Postings liess sie an sich abperlen. Die Wahl schaffte sie nicht.
Der Stadtzürcher SVPler Alexander Müller musste aus der SVP aus- und von seinem Amt bei der Schulpflege zurücktreten, weil er folgenden Satz getwittert hatte: «Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht ... diesmal für Moscheen». Der später von den Medien aus dem Zusammenhang gerissene Tweet zerstörte seine Existenz. Keystone
Seppi Spiess, der ehemalige Präsident der SVP-Ortspartei Schwyz, musste zurücktreten, nachdem er sich auf Facebook über die Erschiessung eines moldawischen Autodiebes gefreut hatte. «Ech ha richtig Freud gha, so müessts si, abeschüsse, dä choscht die sauwar nümmi ...», schrieb Spiess.
Der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti wollte Bundeshaus-Chef der «Basler Zeitung» werden. Unter anderem kam ihm da ein Tweet dazwischen. Nach einer Schiesserei im afghanischen Innenministerium in Kabul schrieb er: «Man soll Kameltreiber Kamele treiben lassen und aufhören, ihnen die Aufklärung bringen zu wollen.» KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Der Wiler SVP-Fraktionspräsident Mario Schmitt erhielt einen Strafbefehl, weil er ein Enthauptungsvideo des IS auf Facebook mit folgendem Satz kommentiert hatte: «Mir kommt gleich das Kotzen, wann wird diese Religion endlich ausgerottet.» Schmitt ist der politische Vorgesetzte von Blaufahrerin Bösch.
Die Wiler SVP-Stadträtin Sarah Bösch geriet angetrunken in eine Polizeikontrolle und beschwerte sich während der folgenden Blutabnahme über «Bürokratie» und dass sie wie eine Verbrecherin behandelt würde. «Ich fühle mich munter, frisch, spüre null Promille», versicherte Bösch auf ihrer Facebook-Seite. facebook / facebook

Sie gehen also immer erst auf Twitter, wenn Sie ausgestempelt haben? 
Ich bin selbständiger Unternehmer. Ich darf twittern wann ich will.

Und Staatsangestellte nicht?
Nein. 

Diese Frauen sind nicht Personen von öffentlichem Interesse und Sie haben sie an den Facebook-Pranger gestellt. 
Ja und? Ich habe ihre Namen ja nicht genannt. Ich habe auch nichts Abwertendes über sie gesagt. Ich habe bloss mein Verständnis ausgedrückt. 

Ihr Verständnis für was? 
Mein Verständnis dafür, dass die beiden feministisch und links sind. 

Und aufgrund von was haben Sie Verständnis dafür? 
Aufgrund von ihren Bildern.

Sie stellen also doch einen Zusammengang zwischen ihrem Aussehen und ihrer politischen Gesinnung her? 
Nein. Sowas habe ich nicht geschrieben. Das können Sie nachlesen.

Wie Sie meinen. Die Kommentatoren haben Sie auf jeden Fall so verstanden. Sie nannten die Frauen unter anderem «Brechmittel», «Kampflesben» und «Models für Rosshaarmatratzen» – um nur drei jugendfreie Beleidigungen zu nennen. Finden Sie das gut? 
Davon weiss ich nichts. Diese Kommentare habe ich nicht gesehen. Ich habe wirklich noch zwei, drei andere Dinge zu tun, als auf Facebook zu sein. 

Sie haben diese Kommentare also komplett übersehen?
Ja, ich habe nicht alles gelesen. Wenn die Medien und Linken jetzt den Zusammenhang zwischen dem Aussehen und der politischen Gesinnung machen, tun sie ja genau das, was man nicht darf. 

Sie sind also stolz auf den Post und würden ihn wieder machen? 
Nein, wenn ich gewusst hätte, dass das so ein Theater gibt, hätte ich ihn nicht gemacht. 

Warum haben Sie dann Ihr Facebook-Profil gelöscht? 
Ich habe es nicht gelöscht. Das waren die Linken, die meine Kommentare gemeldet haben. Wenn das viele sind, sperrt Facebook automatisch für eine gewisse Zeit das Profil. Es ist schon wieder online. 

Sie haben zu Beginn gesagt, die Frauen hätten Sie regelrecht gestalkt. Wollen Sie deswegen rechtlich gegen sie vorgehen? 
Naja, Stalking ist jetzt ein grosses Wort. Und ich bin der Letzte, der ein Gericht bemüht. 

Die Frauen behalten sich aber rechtliche Schritte gegen Sie vor. Bereitet Ihnen das Sorgen? 
Nein, ich habe nichts Schlimmes geschrieben. 

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