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Manchmal ist Distanz die einzige Lösung. 
bild: kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Meine Eltern haben meine ganze Kindheit/Jugend hindurch gekifft. Als sie sich scheiden liessen, machte meine Mutter einen Entzug. 



Seit diesem Entzug komme ich nicht mehr mit ihr klar: Ich kannte sie ja mein Leben lang nur high und nach dem Entzug stand da diese «fremde» Frau mit einer ganz anderen Persönlichkeit. Ich habe mir Mühe gegeben eine neue Beziehung zu ihr aufzubauen, doch mittlerweile ist sie dem Alkohol verfallen. Sie behauptet jedoch kein Problem damit zu haben. Sollte ich als Tochter trotz allem diesen Kontakt aufrechterhalten, obwohl es mir damit nicht gut geht? Bin ich ihr das «schuldig»?

Schon lange lese ich Ihre Ratschläge und zum Teil sehr amüsanten Ratschläge. Vielen Dank, dass Sie mir so oft meinen Tag versüssen. Ich danke Ihnen für eine Antwort und hoffe, Sie können mir weiterhelfen. Freundliche Grüsse. Josiane, 26

Liebe Josiane

Vom Regen in die Traufe nennt man so eine Entwicklung wohl. Es tut mir sehr leid, dass Sie diese Erfahrung machen müssen, das klingt alles sehr schmerzhaft und kompliziert. Wir kommen auf die Welt und werden in ein System hineingeboren, das wir uns (je nach Glaubenssystem) nicht wirklich aussuchen können. In diesem machen wir dann unseren Weg und entwickeln uns von unmündigen Bündeln zu Erwachsenen, die den Eltern plötzlich auf Augenhöhe begegnen. Nicht selten kommt es da zu totalen Verschiebungen, die Kinder müssen plötzlich Verantwortung für die Eltern übernehmen, oder machen sich zumindest die Sorgen, die man sich sonst eher um pubertierende Halbwüchsige macht.

Selbst wenn Ihre Mutter Sie unter Schmerzen in diese Welt gesetzt und danach grossgezogen hat, Sie sind Ihr null und nichts schuldig.

In Ihrem speziellen Fall ist es ja tatsächlich eine verkehrte Welt, aber viele erleben diese Entwicklung auch ohne das Kiffen und die Alkoholsucht. Und was immer die Gründe sein mögen, es gibt darauf nur eine Antwort: Sie sind nicht verantwortlich für das Leben Ihrer Mutter. Das klingt hart und ist hart. Aber es ist dennoch wahr. Selbst wenn Ihre Mutter Sie unter Schmerzen in diese Welt gesetzt und danach grossgezogen hat, Sie sind Ihr null und nichts schuldig. Und das sage ich als Tochter und als Mutter.

Wenn Eltern und Kinder eine funktionierende Beziehung haben, ist das etwas sehr Schönes. Ich darf mir nicht ausmalen, wie es sich anfühlen würde, wenn der Kontakt zu meinem Sohn nicht mehr vorhanden wäre. Trotzdem muss man sich auch im Bezug zu familiären Beziehungen manchmal am nächsten sein und Verbindungen kappen, die einem mehr negative Gefühle bereiten, als dass sie gut tun.

Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen haben es da besonders schwierig. Sie fühlen sich oft noch mehr verpflichtet, als dass man es eh schon tut. Darum gibt es viele Selbsthilfegruppen, die sich genau diesen Themen widmen. Wenn man einem suchterkrankten Menschen helfen will, stösst man schnell an eigene Grenzen. Der Gegner (in Ihrem Fall der Alkohol) ist einfach zu stark, als dass man gegen ihn ankommen kann. Sie können behilflich sein, wenn es darum geht, Ihrer Mutter Kontakte für die Suchtberatung zukommen zu lassen. Hingehen und sich helfen lassen kann nur Ihre Mutter allein. Das ist schmerzhaft, aber auch die Erfahrung vieler Eltern, die ein Kind an die Drogen verloren haben.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

Kafi Freitag - Das Buch

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Fragen an Frau Freitag? ​ 

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • L.G. 17.06.2016 16:24
    Highlight Highlight Deine Mutter hat eine sucht gegen eine andere "ausgetauscht". - Es hat sich im Grunde nicht geändert, im Gegenteil.
    Deine Eltern war ja auch immer egoistisch wenn es um ihre Drogen ging, was ist mit ihrer schuld gegenüber dir? Deine Bedürfnisse und Empfindungen sind auch wichtig!



  • oldman 14.04.2016 07:54
    Highlight Highlight @B.W.: Kafi hat schon recht. Man ist niemandem etwas schuldig - ausser (vielleicht den Steuerbehörden, seufz) und SICH SELBST! Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, heisst aber nicht, möglichst nur alle Vorteile unserer egozentrischen Konsum- und Lustgesellschaft zu nutzen und fertig. Vielmehr tragen wir Verantwortung und haben uns selbst, unseren Mitmenschen und der Umwelt achtsam zu begegnen. Die Schuld am Versagen Anderer ist uns (i.d.R.) nicht aufzubürden, was aber nicht einfach wegzusehen erlaubt. Hilfsbereitschaft muss daher sein, hingegen sicherlich nicht bis zur Selbstaufgabe.
  • Bruno Wüthrich 19.03.2016 08:32
    Highlight Highlight Den Eltern nichts schuldig sein zu wollen, ist halt wohl das, was Frau Freitag, die ja nach eigenen Angaben (zumindest zum Teil) auf dem Land aufgewachsen ist, in ihrem Leben in der Stadt gelernt hat. Es gibt Blogs von ihr, aus denen ganz klar hervor geht, dass sie von den Landmenschen und deren Werten nichts hält.
    Doch abgesehen davon hat Frau Freitag diesmal in der Sache recht. Wenn die eltern ihr Leben selbst verpfuschen wollen, liegt dies nicht in der Verantwortung der erwachsenen Kinder. Vielleicht ist ja das «Nichts schuldig sein» einfach nur etwas fahrlässig auf die Situation bezogen.
  • 's all good, man! 18.03.2016 13:27
    Highlight Highlight Kann hier Kafi nur beipflichten. Die Mutter wird selber darauf kommen müssen, dass sie ein Problem mit dem Alkohol hat und sich dann selber auch wirklich helfen lassen wollen. Alles andere bringt nichts und raubt den Angehörigen nur Kraft und Nerven. Es ist dafür umso wichtiger, die Mutter einfach zu unterstützen und für sie da zu sein (sofern noch möglich und gewollt), wenn sie sich dann (professionelle) Hilfe holt.
  • Kibar Feyzo 18.03.2016 12:24
    Highlight Highlight Den Eltern nichts schuldig sein? Na ja, das ist wohl eher Ansichtssache. Wenn man eine Gesellschaft von ignoranten Egomanen heranziehen will passt diese Haltung. Wozu das führt sieht man aktuell am Umgang mit hilfsbedürftigen Flüchtlingen.
    Ich zuerst und danach lange nichts. Individualität über alles.
    • eausecrète 20.03.2016 01:12
      Highlight Highlight Ich glaube nicht, dass Josiane dies so gemeint hat, obwohl die Antwort von Frau Freitag sehr harsch klingt. J. hätte ja nicht gefragt, wenn sie nicht schon sehr viel über diese "Schuldgefühle" nachgedacht gehabt hätte. Persönlich finde ich es in J. Situation sehr schwierig, mehr für ihre Mutter zu tun, als einfach nur da zu sein. Aber niemals sollte sie den Kontakt abbrechen, das würde deiner Bezeichnung "ignorante Egomanen" entsprechen. Man kann nicht einfach wegschieben, was einem keine Freude bereitet, aber man kann die Art und Weise verändern, wie man damit umgeht.
  • who cares? 18.03.2016 11:19
    Highlight Highlight Cannabis-Verteidiger incoming in 3... 2... 1...
    • Matrixx 18.03.2016 12:07
      Highlight Highlight Ist das 3, 2, 1 auf Sekunden bezogen?

      Wenn ja, vergiss es. Das dauert noch mind. 3 Wochen, bis einer von denen reagiert (oder reagieren kann).
    • Datsyuk * 18.03.2016 13:27
      Highlight Highlight "Who cares?", wir warten auf dein Argument. Dann können wir reagieren. :)
    • Martiis 18.03.2016 14:02
      Highlight Highlight Was gibts denn zu verteidigen? Als die Mutter kiffte, war sie erträglich. Seit sie aufgehört hat bzw. seit sie viel Alkohol konsumiert, ist sie es nicht mehr.
    Weitere Antworten anzeigen

FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kaffi, vielen Dank, dass du mir (und vielen anderen) schon so viele Male ein Lächeln oder ein Schmunzeln aufs Gesicht gezaubert hast. 

Deine Antworten sind immer sehr bedacht, stinkehrlich und gut gewählt. Deshalb ist meine Frage an dich: Was möchtest du wissen? Deborah, 29

Liebe Deborah  Es gibt so viele Fragen, die mich immer wieder umtreiben. Einige begleiten mich schon ein Leben lang, andere sind jünger und quälen mich richtiggehend. Viele drehen sich um den Sinn oder Unsinn des Lebens, einige sind existenziell, andere eher trivial. Gerne will ich Ihnen hier eine kleine Auswahl davon offenbaren. Ich habe bewusst nach Schweregrad sortiert und werde mit den weniger drückenden enden. Schliesslich hat der Himmel nach all dem Regen aufgerissen und ich …

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