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Blackberry produziert keine eigenen Smartphones mehr. bild: tatacliq

Wie Blackberry das Rennen gegen Apple und Google verlor

Das Branchen-Urgestein warf diese Woche den Bettel hin. Künftig wird es keine Original-Blackberrys mehr geben – die Firma lebt trotzdem weiter.



Smartphone-Pionier Blackberry will nach andauernden Verlusten keine Smartphones mehr selbst entwickeln. Dies verkündete Firmenchef John Chen diese Woche.

Einst war der Name Blackberry praktisch ein Synonym für «Smartphone». Die schon 1984 gegründete kanadische Firma, die erst im Geschäft mit Datenübermittlung und Kassen-Automaten war, entwickelte Ende der 90er Jahre ein mobiles E-Mail-Gerät mit einer kleinen kompletten Schreibtastatur. Es war ein Hit – und die Blackberrys prägten das frühe Design von Computer-Handys.

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Blackberry 850: Der erste Blackberry erschien 1999. Man konnte E-Mails senden und mit einem sehr einfachen Browser im Web surfen.  bild: crackberry

Damals waren Smartphones noch vor allem für Geschäftsleute und Beamte da – und ihre Begeisterung für die Blackberrys konnte auch der Handy-Riese Nokia mit seinen Konkurrenz-Geräten nicht erschüttern, obwohl Analysefirmen Nokia deutlich höhere Marktanteile von über 50 Prozent bescheinigten.

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Der Blackberrry 857 von 2000 erinnert schon sehr an heutige Smartphones. Charakteristisch für Blackberrys ist die Mini-Schreibtastatur. bild: crackberry

Aufstieg und Fall von Blackberry

Nach den Geschäftsleuten kauften sich auch Politiker und Prominente einen Blackberry. Dies ebnete den Kanadiern den Weg in den Massenmarkt. In den USA, Grossbritannien und vielen weiteren Ländern startete Blackberry ab 2007 auch bei Jugendlichen durch.

epa04498424 US President Barack Obama shows members of the media his BlackBerry device that he forgot and needed to walk back into the White House to retrieve after boarding Marine One, before departing from the South Lawn, in Washington DC, USA, 21 November 2014. Obama travels to Las Vegas to deliver remarks a day after making a live address to the nation on immigration reform.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Wer wichtig war oder sich wichtig fühlte, hatte in den 00er-Jahren einen Barackberry. Obama blieb seinem Blackberry bis mindestens 2014 treu. Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Auch als Apple Anfang 2007 sein iPhone präsentierte, tat der damalige Co-Chef Jim Balsillie den neuen Rivalen zumindest öffentlich ab: Die beruflichen Smartphone-Nutzer wollten eine Tastatur mit echten Tasten statt dieser Touchscreens, behauptete er.

Tatsächlich erreichte der Marktanteil von Blackberry danach noch seinen Höhepunkt mit rund einem Fünftel der weltweiten Smartphone-Verkäufe – doch der Niedergang war da schon nicht mehr aufzuhalten.

Blackberrys Umsatz brach ab Ende 2008 ein

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2007 lancierte Apple das iPhone. Doch erst ein Jahr später mit dem Start des App Stores avancierte das Apple-Handy zum Hit – und die Blackberry-Verkäufe brachen ein. grafik: quartz

Das iPhone und vor allem das Google-Betriebssystem Android, das weltweit auf rund 80 Prozent Marktanteil kommt, hatten sich in der Gunst der Nutzer durchgesetzt und sind zum Sinnbild eines modernen Smartphones geworden. Das bei Blackberry auf die Schnelle entwickelte Touchscreen-Modell «Storm» war ein Flop.

File photo of German Chancellor Angela Merkel holding a BlackBerry Z10 smartphone featuring high security Secusite software, used for governmental communication, at the booth of Secusmart during her opening tour at the CeBit computer fair in Hanover March, 5, 2013.  Merkel will celebrate her 60th birthday on July 17, 2014.   REUTERS/Fabrizio Bensch/Files (GERMANY  - Tags: POLITICS ANNIVERSARY)

Blackberry galt lange als besonders sicher. Angela Merkel etwa nutzte ein Blackberry mit spezieller Sicherheits-Software. Trotzdem wurde die Bundeskanzlerin von der NSA überwacht.  Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

Auch im zweiten Anlauf schaffte es Blackberry mit dem ehemaligen Siemens-Manager Thorsten Heins an der Spitze im Jahr 2013 nicht, ein erfolgreiches Smartphone mit berührungsempfindlichem Bildschirm zu liefern. Das neue Betriebssystem Blackberry 10 war zwar konkurrenzfähig, die App-Auswahl konnte aber bei Weitem nicht mit Android und iOS mithalten.

Blackberrys Umsatz bricht in allen Regionen der Welt ein

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Blackberry verliert Kunden und Umsatz in den USA, Europa, Südamerika und in Asien.  grafik: quartz

Blackberry kommt seit drei Jahren nicht mehr aus den roten Zahlen

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Der Konzern schreibt seit drei Jahren in jedem einzelnen Quartal einen Verlust. 2013 musste man in einem Quartal vier Milliarden US-Dollar wegen unverkauften Handys abschreiben. grafik: quartz

Dieser Misserfolg brach Blackberry fast das Genick und der erfahrene John Chen wurde als Sanierer geholt.

Er versuchte, mit neuen Tasten-Telefonen an Nostalgie-Gefühle zu appellieren. Der Kampf gegen Samsung, Apple und Co. war aber längst verloren. Der Marktanteil war zuletzt auf 0,1 Prozent geschrumpft.

BlackBerry Chief Executive Officer John Chen introduces the new Blackberry Classic smartphone during the launch event in New York, U.S. on December 17, 2014.   REUTERS/Brendan McDermid/File Photo

John Chen versuchte zuletzt treue Blackberry-User mit neuen Tastatur-Smartphones bei der Stange zu halten – mit mässigem Erfolg.  Bild: BRENDAN MCDERMID/REUTERS

Chen richtet Blackberry nun vor allem auf das Geschäft mit Software und Dienstleistungen (Blackberry-Messenger, Sicherheits-Apps) für Unternehmen aus und will so im laufenden Geschäftsjahr aus der Verlustzone kommen. Er hatte wiederholt angekündigt, dass er aus dem Hardware-Geschäft aussteigen werde, wenn es nicht aus den roten Zahlen komme. Nun hat er die Notbremse gezogen.

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(oli/sda/dpa)

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