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Hunderte ChatGPT-Entwickler drohen zu kündigen und zu Microsoft zu wechseln

Sam Altman, left, CEO of OpenAI, appears onstage with Microsoft CEO Satya Nadella at OpenAI DevDay, OpenAI's first developer conference, on Monday, Nov. 6, 2023 in San Francisco. (AP Photo/Barbar ...
Sam Altman (links) soll Microsofts KI-Forschungsteam leiten.Bild: keystone

Hunderte ChatGPT-Entwickler drohen zu kündigen und zu Microsoft zu wechseln

Ex-OpenAI-Chef Sam Altman wechselt nach seinem Rausschmiss zu Microsoft. Hunderte ChatGPT-Entwickler drohen damit, ihm zu folgen.
20.11.2023, 11:3520.11.2023, 15:58

Vom Führungschaos bei OpenAI hat am Ende Microsoft profitiert. Der herausgedrängte OpenAI-Chef Sam Altman und wohl Hunderte weitere Mitarbeiter werden künftig für den Software-Riesen arbeiten. In einem Brief an den OpenAI-Verwaltungsrat drohen 505 der rund 700 Angestellten mit der Kündigung. Im Brief schreiben sie: «Microsoft hat uns versichert, dass es bei dieser neuen Tochtergesellschaft Stellen für alle OpenAI-Mitarbeiter gibt, sollten wir uns dafür entscheiden.»

Der Brief wurde auf X (früher Twitter) veröffentlicht.​

In Schreiben heisst es weiter, dass die OpenAI-Mitarbeiter das Unternehmen verlassen werden, wenn der Vorstand Altman und Open-AI-Mitgründer Greg Brockman nicht wieder einstellt und dann zurücktritt. Der Vorstand ging nicht auf die Forderung ein und ernannte Emmett Shear, Mitgründer des auf Spiele fokussierten Streamingdienstes Twitch, zum neuen CEO.

Altman und führende OpenAI-Leute sollen ein neues Forschungsteam anführen, wie Microsoft-Chef Satya Nadella ankündigte. Microsoft ist ein grosser Investor bei OpenAI und hatte am Wochenende laut Medienberichten ohne Erfolg versucht, die Rückkehr von Altman auf den Chefposten bei OpenAI einzufädeln.

Nun wird Microsoft auf einen Schlag ein stärkerer Player im Wettlauf um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Der Konzern hat nicht nur weiter Zugang zur Technologie von OpenAI als Grossinvestor - sondern nun auch einen Teil ihrer Erfinder im eigenen Haus.

Altman war am Freitag vom Chefposten des von ihm mitgegründeten Unternehmens verdrängt worden. Medienberichten zufolge führte ein Richtungsstreit bei OpenAI zu Altmans Abgang. Einige Führungsfiguren wie Technologiechef Ilya Sutskever seien der Ansicht gewesen, dass Altman die Software mit Künstlicher Intelligenz zu schnell und mit einem zu kommerziellen Ansatz auf den Markt bringen wolle. Sie hätten die Mehrheit des Verwaltungsrates auf ihre Seite gebracht.

Auch Interims-Chefin muss gehen

Geldgeber von OpenAI wie unter anderem Microsoft scheiterten mit dem Versuch, Altman wieder zurückzubringen. Der Verwaltungsrat enthob stattdessen sogar die erst am Freitag eingesetzte Interims-Chefin Mira Murati des Amtes, die sich zwischenzeitlich auf die Seite Altmans geschlagen haben soll.

Nach stundenlangen Verhandlungen am Wochenende wurde den Mitarbeitern dann ein weiterer Interims-Chef präsentiert, wie unter anderem der Branchendienst «The Information» und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichten. Es ist demnach der Mitgründer und langjährige Chef des auf Spiele fokussierten Streamingdienstes Twitch, Emmett Shear.

Ilya Sutskever, der an Altmans Absetzung beteiligt gewesen sein soll, schreibt am Montag auf X, dass er die Entscheidung des Verwaltungsrates bereue.

OpenAI war 2015 als eine Non-Profit-Organisation gegründet worden, mit der Mission, Künstliche Intelligenz im Interesse aller zu entwickeln. Als jedoch klar wurde, dass mit Spenden die nötigen Milliarden-Investitionen nicht aufzutreiben wären, wurde zusätzlich eine gewinnorientierte Firma mit Altman an der Spitze gebildet. Dieser holte unter anderem Microsoft als Investor an Bord und sicherte OpenAI damit den Zugang zur nötigen Rechenleistung. Der Konflikt zwischen den beiden Ansätzen wurde aber immer tiefer.

Der Chatbot ChatGPT kann Sätze auf dem sprachlichen Niveau eines Menschen formulieren. Seine Veröffentlichung vor rund einem Jahr löste einen KI-Hype aus. OpenAI wurde damit zu einem Vorreiter bei der Technologie. Microsoft ging einen milliardenschweren Pakt mit der Firma ein, um deren Technologie in Produkte des Konzerns zu bringen. Andere Tech-Schwergewichte wie Google, Amazon und der Facebook-Konzern Meta stellten Konkurrenz-Software vor.

(sda/awp/dpa)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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St. Holmenolmendolmen
20.11.2023 18:43registriert Mai 2015
Coup für Microsoft. Mal eben die Konkurrenz übernommen ohne einen Bruchteil des Börsenwertes zahlen zu müssen. OpenAI hat sich das eigene Grab geschaufelt.
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