Wer freut sich in Zeiten von stetig steigenden Preisen nicht über ein wahres Schnäppchen? Der Onlineshop Temu wirbt seit Längerem mit unglaublich niedrigen Preisen – und dem Slogan «Shoppe wie ein Milliardär!».
In den sozialen Netzwerken rührt das amerikanische Unternehmen kräftig die Werbetrommel – mit Erfolg. Die App steht in den App Stores von Apple und Google Play an erster Stelle der beliebtesten Anwendungen. Doch trotz der Beliebtheit des Onlineshops gibt es auch viel Kritik – auch von Konsumentenschützern.
Wer sich auf der Webseite umschaut – man muss sich dafür zunächst registrieren –, dem fällt schnell auf, wie unfassbar billig die Produkte sind. Es gibt Bluetooth-Kopfhörer, die gerade einmal knapp vier Franken kosten, T-Shirts für drei Franken, Schallzahnbürsten für fünf Franken.
Auch wenn sich manche über die extremen Schnäppchen freuen, werden andere bei solchen Preisen misstrauisch. Wie kann es sein, dass eine Schallzahnbürste bei Temu nur fünf Franken kostet, wenn sie woanders gut und gerne 100 Franken kosten kann?
Die Antwort: Es handelt sich meistens um Billigware. Auf «Trustpilot» findet man viele Bewertungen, in denen über die mangelhafte Qualität der Produkte berichtet wird. In einigen Fällen funktioniere die Ware gar nicht, sei beschädigt oder kaputt.
Einige Benutzer geben sogar an, auf Temu betrogen worden zu sein. Sie hätten ihre Bestellung bezahlt, die Ware sei allerdings nie angekommen. Auch über den «schlecht erreichbaren» Kundenservice hagelt es Beschwerden, ebenso wie über die unzähligen Mails mit Angeboten und Rabatten.
«Ein Kundenservice ist meist so gut wie nicht erreichbar, schon gar nicht auf Deutsch. Und die Retoure nach China ist teuer und aufwendig und übersteigt in der Regel den Warenpreis», warnt die deutsche Verbraucherschutzzentrale Rheinland-Pfalz.
Doch es gibt auch viele positive Bewertungen auf «Trustpilot». Trotz der niedrigen Preise sei die Qualität gut, es gebe keine Lieferkosten, die Lieferung an sich sei schnell und der Kundenservice gut. Ob diese Kritiken echt sind, ist unklar. In auffällig vielen positiven Bewertungen findet sich ein Gutscheincode für den Onlineshop.
Schuld an den Kritikpunkten an Temu ist auch das System, das dahinter steckt. Denn es handelt sich hierbei weniger um einen klassischen Onlineshop als vielmehr um einen Internet-Marktplatz – ähnlich wie etwa AliExpress. Temu fungiert dabei sozusagen als Vermittler zwischen den Kunden und den Händlern, die meistens in China sitzen.
Oft bieten diese Marktplätze Waren aus allen möglichen Bereichen an – von Elektronik über Mode bis hin zu Möbeln. Dieses riesige Angebot ist auch möglich, weil diese Anbieter keine eigenen Lager haben. Der Kunde bestellt zwar auf Temu, kauft aber eigentlich Produkte von einem dritten Händler.
Das heisst eben auch, dass Temu oder andere Internet-Marktplätze die Qualität der angebotenen Waren nicht überprüfen können, da sie mit ihnen nicht in Kontakt kommen. Bei einer grossen Webseite mit einem solch enormen Angebot können sich auch Betrüger einschleichen und von dem Hype um die App profitieren.
In Sachen Temu-App warnt der deutsche Verbraucherschutz: «Es sollte misstrauisch machen, dass eine Shopping-App Zugriff auf Kamera, Mikrofon, Fotos und das Adressbuch der Nutzer verlangt. Denn diese Daten sind zum Beispiel für die Funktion der App gar nicht erforderlich.» Und auch Schweizer Expertinnen sind skeptisch: «Wir vermuten einen unlauteren Wettbewerb», sagt Dagmar Jenni (56), Direktorin der Swiss Retail Federation, 2024 zum Blick.
Wer also wirklich mal «wie ein Milliardär» shoppen will, sollte vorsichtig sein. Auch wenn Temu an sich keine Abzock-Webseite ist, besteht ein gewisses Risiko, dass man doch in eine Falle tappt oder ein Produkt von minderwertiger Qualität erhält. Braucht man eine neue Schallzahnbürste oder Bluetooth-Kopfhörer, ist man besser beraten, solche Geräte in einem Fachgeschäft zu kaufen.
(leo/via t-online)
Ich mag kein Blut an meinen Waren.