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Das Datenleck bringt die NSA mit dem Stuxnet-Wurm in Verbindung. screenshot: twitter

«Schlimmstes Datenleck seit Snowden»? Das sollten Windows-User wissen

Ausgerechnet zu Ostern musste der übermächtige US-Geheimdienst NSA einen schweren Schlag hinnehmen. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coup der Shadow Brokers.



Was ist passiert?

Windows-Administratoren und IT-Sicherheitsforscher hatten alles andere als ein ruhiges Oster-Wochenende:

Die Hackergruppe The Shadow Brokers hat am Karfreitag brisante Geheimdokumente veröffentlicht, die offenbar vom US-Geheimdienst NSA stammen.

Zunächst hiess es gar, dies sei das schlimmste «Leak» seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden, die ab Sommer 2013 die Welt in Atem hielten. Später wurden die Befürchtungen der Sicherheitsforscher relativiert.

Fakt ist: Das bei Git Hub veröffentlichte Material beinhaltet einzigartige Hacker-Instrumente, mit denen man in PCs und Server mit dem Windows-Betriebssystem eindringen kann.

Offenbar konnte sich der US-Geheimdienst damit Zugang zum internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift verschaffen, um eine Reihe von Banken im Nahen Osten zu überwachen.

Microsoft hat in einer Stellungnahme betont, dass die gefährlichsten Sicherheitslücken – so genannte «Zero Day Exploits» – bereits im März durch ein Update behoben worden seien. Allerdings gilt dies nur für die neueren Windows-Versionen.

Zero-Days und Patches

Exploits sind Programme, die entwickelt werden, um Schwachstellen in fremder Software auszunutzen. Die Angreifer bezwecken damit, sich (unbemerkt) Zugriff auf ein geschütztes System zu verschaffen.

Am gefährlichsten sind Zero-Days (auch «0days» genannt), das sind bis dato unbekannte Sicherheitslücken, die selbst der Hersteller nicht kennt und oder zumindest noch nicht nur Updates geschlossen hat.

Je populärer eine Software, um so begehrter und wertvoller der Exploit: Am häufigsten angegriffen werden die Windows-Betriebssysteme von Microsoft, aber auch populäre Web-Browser, sowie Flash von Adobe, PDF und Microsoft Office. Die Entwicklerfirmen müssen regelmässig Patches veröffentlichen, um Lücken in den Produkten zu schliessen.

Wie schlimm ist es?

Die gesamte Tragweite der jüngsten Shadow-Brokers-Veröffentlichung ist noch nicht abzuschätzen.

Experten gehen davon aus, dass die Hacker-Tools tatsächlich von der NSA stammen und einer geheimen Einheit namens Equation Group innerhalb der NSA gestohlen wurden.

Im Gegensatz zu Snowden, der mit Journalisten kooperierte, statt Geheimdokumente selber zu publizieren, wurde nun das erbeutete «Rohmaterial» im Internet veröffentlicht.

Darunter befinden sich funktionstüchtige Exploits, die durch Dritte relativ einfach missbraucht werden könnten. Kommentatoren sprachen von einem «Gottmodus für Windows». Soll heissen, man soll damit fremde Geräte fernsteuern können.

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screenshot: github

Der Schaden, den Kriminelle mit den NSA-Tools anrichten können, ist schwer abzuschätzen. Die Veröffentlichung macht jedenfalls Millionen Windows-Computer weltweit angreifbar und es dürfte in nächster Zeit einige Angriffsversuche geben.

Für Microsoft und seine Kunden ist kein Super-GAU eingetreten: Die neueren Betriebssysteme – allen voran Windows 10 – sind in der aktuellsten Version nicht angreifbar. Microsoft hat im März einen Patch veröffentlicht (dazu gleich mehr).

Wer ist betroffen?

Ungemütlich sieht die Situation bei Geräten mit veralteten Windows-Versionen aus, darunter Windows NT, 2000, 2003, 2008 sowie Windows XP und Windows Vista. Da Microsoft den Support für diese Betriebssysteme offiziell eingestellt hat, gibt's auch keine Patches mehr.

Microsoft rät allen Usern zum Update.

Schlimm ist das Datenleck offenbar für die NSA: Den weitaus grössten Schaden stellen gemäss Einschätzung von Experten die Listen mit tausenden Dateinamen dar. Dabei handle es sich um so genannte «Implants», das sind unauffällige kleine Skripts. Die NSA-Spezialisten hätten sie rund um den Globus in strategisch wichtigen Netzwerken versteckt:

«Diese Scripts sind mit sogenannten ‹Schläfern› im operativen Agentenbereich zu vergleichen. Sie treten möglichst wenig in Erscheinung, nur dann und wann ‹telefonieren sie nach Hause› wie es im Hackerjargon heisst. (...) Über diese ‹Schläfer› wird dann in den betreffenden Rechner oder Router eingebrochen (...).»

quelle: orf.at

Wer ist nicht betroffen?

Laut Ankündigung im Microsoft-Blog sind folgende PC- und Server-Systeme (mit aktualisierter Software) nicht gefährdet:

Ok, dann ist also alles halb so schlimm? Nope!

Im Gegenteil. Und dies aus mehreren Gründen:

Das Leak soll belegen, dass die NSA Stuxnet entwickelt hat

Zum Schluss gilt es festzuhalten, dass solche Geheimdienst-Leaks aus Sicht der Öffentlichkeit ziemlich aufschlussreich sein können. So soll die Bezeichnung für eines der Hacker-Tools einen Zusammenhang mit dem Stuxnet-Wurm herstellen.

Bis heute ist offiziell nicht bestätigt, dass die NSA den mächtigen Schädling entwickelte, um das iranische Atomprogramm lahmzulegen. Die Sabotage-Operation hiess «Olympic Games» ...

Der Stuxnet-Krimi und warum staatliche Hacker-Tools so gefährlich sind

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michel (1) 18.04.2017 14:39
    Highlight Highlight Ich hätte es noch hilfreich gefunden, wenn man die rechtliche Situation bz. des GitHub Materials, das sie hier sogar verlinken, zumindest angesprochen hätten. Landet man auf einer Liste, sollte man die Dateien runterladen? Oder ist es wie mit dem Besitz einer Waffe: Besitz ok, aber Anwendung strafbar?
    • @schurt3r 18.04.2017 15:10
      Highlight Highlight Herunterladen auf eigene Gefahr, kann man sagen. Strafbar macht man sich damit meines Wissens hierzulande nicht. Aber auf einer Liste (der NSA) könnte man durchaus landen ;-)

      Und ja, die «Anwendung» (auf fremden Computer-Systemen) ist selbstverständlich illegal.
  • xname 18.04.2017 14:30
    Highlight Highlight Die Kurzlebigkeit von Informationen, in den Köpfen der Meisten, gibt einem schon zu denken.

    https://www.golem.de/0701/49838.html

    http://www.t-online.de/computer/id_20635758/windows-7-us-geheimdienst-hat-an-der-entwicklung-mitgewirkt.html

    Verstehe nicht, wie man sich über die neuesten News noch wundern kann.

    http://www.zdnet.de/41558408/spionagesoftware-auf-millionen-handys-vorinstalliert/

    Und nein, es sind bestimmt nicht nur amerikanische Geheimdienste, die mitmischen.
    Bevor jetzt wieder alle auf dem Ausland rumhacken, denkt mal kurz darüber nach, über was "wir" kürzlich abstimmten

    • Midnight 20.04.2017 08:12
      Highlight Highlight Oh man, erinnere mich bloss nicht dran... Wie hoch war nochmal die Zustimmung zum NDG? 65%? Ich kann es immer noch nicht glauben!
  • Tom B. 18.04.2017 14:03
    Highlight Highlight Wer glaubt, dass seine Daten jemals privat waren (auch auf dem eigenen Compi), der hebe die Hand...🙈
    • @schurt3r 18.04.2017 14:10
      Highlight Highlight ...
      Benutzer Bildabspielen
  • Madison Pierce 18.04.2017 12:58
    Highlight Highlight Als Privatanwender muss man sich keine grossen Sorgen machen. Mit den SMB-Exploits kann man zwar Windows-Systeme übernehmen, aber bei normalen Anwendern ist SMB nicht vom Internet her erreichbar. Auch den Webserver IIS betreibt man eher nicht zuhause.

    Für Firmen sieht es natürlich anders aus: sei es, weil sie Serverdienste anbieten oder weil Mitarbeiter mit den Exploits Admin-Rechte erlangen können.
    • Alnothur 18.04.2017 15:56
      Highlight Highlight Es sind ja nicht nur Exploits in SMB, sondern auch in anderer Software.

Er riskierte sein Leben, um die Welt zu warnen – jetzt meldet sich Edward Snowden zurück

Schon in jungen Jahren spionierte er für die CIA in Genf. Nun will uns der Whistleblower mit einem neuen Buch zeigen, auf was es wirklich ankommt.

Edward Snowden war 30, als er alles, was ihm lieb war, hinter sich liess, um die Welt vor Big Brother und Massenüberwachung zu warnen. Jetzt meldet sich der NSA-Whistleblower, der seit 2013 in Russland im Exil leben muss, wieder zu Wort. Und seine jüngste Warnung klingt nicht weniger eindrücklich, im Gegenteil: Unsere offenen Gesellschaften und demokratischen Länder seien gefährdeter denn je.

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