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Fahrerlose Robotaxis dürfen in ganz San Francisco Geld verdienen

A Waymo driverless taxi stops on a street in San Francisco for several minutes because the back door was not completely shut, while traffic backs up behind it, on Feb. 15, 2023. Cruise, a subsidiary o ...
Szene vom Februar 2023 in San Francisco: Ein führerloses Taxi von Waymo blieb für mehrere Minuten stehen, weil die hintere Tür nicht vollständig geschlossen war.Bild: keystone

San Francisco wird zum einzigartigen Testfeld für Roboter-Taxis – gegen Widerstand

Fahrdienste mit autonomen E-Autos dürfen neu in der ganzen kalifornischen Metropole zahlende Fahrgäste befördern.
11.08.2023, 07:33
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San Francisco wird zu einem einzigartigen Testfeld für Robotaxi-Dienste. Die Firmen Waymo und Cruise haben die grundsätzliche Erlaubnis erhalten, zahlende Fahrgäste im gesamten Stadtgebiet rund um die Uhr auch ohne einen Sicherheitsfahrer zu befördern. Die kalifornische Regulierungsbehörde CPUC setzte sich mit ihrer Entscheidung in der Nacht zum Freitag über den Widerstand der städtischen Verkehrsbetriebe und einiger Einwohnerinnen und Einwohner hinweg.

Mit der erweiterten Erlaubnis kann nun nach Milliarden-Investitionen zum ersten Mal im grossen Stil ausprobiert werden, wie gut ein Geschäftsmodell mit selbstfahrenden Autos funktioniert. Die Fahrzeuge sind teuer. Sie müssen daher möglichst permanent ausgelastet sein und Geld verdienen.

San Francisco habe bestimmt mehr als 10'000 Menschen, die Fahrdienste anbieten, räumte jüngst Cruise-Chef Kyle Vogt ein. «Diese Fahrer arbeiten aber natürlich nicht 20 Stunden täglich, wie es ein Robotaxi kann», gab er zu bedenken. Vogt sieht Raum für mehrere tausend autonome Taxis in grossen Städten.

Befürchtungen nach blockiertem Verkehr

Kritiker führen an, die fahrerlosen Autos blockierten manchmal nach Software-Fehlern die Strassen – und behinderten so den Verkehr und die Arbeiten von Rettungsdiensten. Im Internet machen Augenzeugen-Videos die Runde, in denen Autos von Cruise Kreuzungen verstopfen. Befürworter sehen einen Vorteil in der höheren Sicherheit, da sich Computer am Steuer im Gegensatz zu Menschen nicht ablenken lassen.

Waymo ist eine Schwesterfirma von Google, Cruise gehört dem Autoriesen General Motors. Beide Unternehmen testen schon seit Jahren selbstfahrende Autos in San Francisco.

Aktuell sind ihre Fahrzeuge zum Teil bereits ohne einen Menschen am Steuer unterwegs. Nur Cruise durfte in diesem Fall aber Geld von Fahrgästen nehmen – und das lediglich nachts. Waymo-Autos mussten bei kommerziellen Fahrten bisher einen Sicherheitsfahrer an Bord haben.

Testfeld San Francisco

Cruise sieht San Francisco als perfektes Testfeld zum Training von Roboterauto-Software. «Wenn wir selbstfahrende Autos in einer Stadt wie San Francisco mit ihrem Nebel, Hügeln und Verkehr fahren lassen können – werden sie so gut wie überall funktionieren», betonte Vogt vor kurzem. Cruise expandiert gerade auch in andere US-Städte. Waymo stellte die Entwicklung selbstfahrender Lastwagen zurück, um sich auf Robotaxis zu konzentrieren.

Die Entscheidung der CPUC öffnet die Tür zur kommerziellen Nutzung neuartiger Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale. Jetzt verwenden Cruise und Waymo zu selbstfahrenden Autos umgebaute Elektrofahrzeuge, sie bereiten aber Autos mit Platz nur für Fahrgäste vor. Auch die inzwischen zu Amazon gehörende Firma Zoox will solche Fahrzeuge auf die Strasse bringen.

Kosten sollen sinken

Die Kosten der Technologie sollen auch sinken. Cruise und GM entwickelten gerade eine technische Plattform für die kommenden Robotaxis, die 75 Prozent günstiger sein werde, sagte Vogt im Juli. Sie solle bis Ende kommenden Jahres eingeführt werden. Dann werde bei den Kosten die «magische Schwelle» von weniger als einem Dollar pro Meile in Sichtweite sein, ab der es für die meisten Menschen günstiger sei, mit einem Robotaxi zu fahren als ein Auto zu besitzen.

Die für Versorgungsdienste zuständige CPUC billigte die Ausweitung der Dienste nach einer mehrstündigen Anhörung mit einer Mehrheit von drei der vier anwesenden Kommissionsmitglieder. Zugleich wird für Herbst eine weitere Anhörung mit einer ersten Zwischenbilanz erwogen.

Die Euphorie rund um das autonome Fahren flaute in den vergangenen Jahren merklich ab. Es stellte sich heraus, dass die Technologie mehr Zeit und Geld braucht als von vielen auch innerhalb der Branche ursprünglich angenommen. Einige gaben zwischendurch auf. So verkaufte der Fahrdienst-Vermittler Uber seine Roboterauto-Sparte. Apple lässt dagegen weiter seine Testwagen Runden im Silicon Valley drehen. In Deutschland will die zum Chip-Riesen Intel gehörende Firma Mobileye einen Robotaxi-Service aufbauen.

(dsc/sda/dpa)

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