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Mit Schnee auf dem Auto fahren ist nicht nur gefährlich und strafbar, es schmälert auch die (elektrische) Reichweite.
Mit Schnee auf dem Auto fahren ist nicht nur gefährlich und strafbar, es schmälert auch die (elektrische) Reichweite.Bild: shutterstock

Im Winter sind E-Autos ein Albtraum? Die Reichweite schmilzt dahin? Diese Tipps helfen

Im Winter benötigen Elektroautos deutlich mehr Energie als im Sommer. Mit diesen Tipps kommt dein Stromer auch bei tiefen Temperaturen noch ein gutes Stück weiter.
12.12.2021, 12:1013.12.2021, 21:20

Die ersten Elektroautos kamen im Winter keine 100 Kilometer weit. Heute sieht dies ganz anders aus. Moderne E-Autos bieten dank grösseren Akkus, deren Energiegehalt zudem besser genutzt wird, für die allermeisten Fahrerinnen und Fahrer auch im Winter genügend Reichweite.

Nutzer eines neueren E-Autos müssen die kalte Jahreszeit also nicht mehr fürchten. Ein Elektromotor hat im Winter sogar Vorteile: Die Kälte ist ihm egal. Der Wagen «säuselt los, wie gewohnt», wie es der TCS so schön formuliert.

Allerdings gibt es einen Haken. Das Problem bei Kälte ist nicht der Antrieb, sondern der Akku:

«Einerseits steigt bei Kälte der Energiebedarf, anderseits kann der Akku gerade davon im Winter weniger liefern. Die Zellchemie in den Stromtanks ist ganz einfach weniger munter als bei Wohlfühltemperatur.»

Auch neue E-Autos verlieren bei tiefen Temperaturen an Reichweite. Je nach Fahrprofil, Beschaffenheit des Akkus und äusseren Bedingungen zwischen 10 und 30 Prozent gegenüber der maximalen Reichweite bei idealen Temperaturen von gut 20 Grad. «Im Extremfall aber auch mal mehr, vor allem wenn bei mehreren Kurzstrecken pro Tag das ausgekühlte Elektroauto jeweils erneut aufgeheizt werden muss», schreibt der deutsche Automobil-Club ADAC.

«In einem breit angelegten Fahrversuch mit zwanzig Fahrzeugen ermittelte der norwegische Autofahrerverband im Schnitt eine um 18,5 % geringere Reichweite, verglichen mit den offiziellen WLTP-Messwerten. Die Bandbreite lag zwischen 9 und 30 %.»

Der grösste Stromfresser im Winter ist die Luftheizung. «Verbraucher wie die Infotainmentanlage, das Fahrlicht oder auch die Sitzheizung fallen dagegen kaum ins Gewicht hinsichtlich der Reichweite», schreibt der ADAC.

Mit ein paar einfachen Massnahmen können E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer die Reichweite auch im Winter optimieren.

So schonst du die Energiereserven bei Kälte im Winter

  1. Heizen, aber richtig. Die Luftheizung hat bei E-Autos im Winter einen massgeblichen Einfluss auf die Reichweite. Sie benötigt 2 bis 5 kW Leistung, was den Energieverbrauch des Fahrzeugs um 10 bis 20 Prozent erhöht. Da im Winter niemand frieren will, empfiehlt der Auto Club Europa (ACE) primär die Sitz- und Lenkradheizung zu nutzen. Sind diese aktiv, reduziert man intuitiv die Temperatur im Auto, was im Endeffekt Energie spart. Denn die Luftheizung benötigt 10 bis 30 Mal mehr Strom als das Temperieren von Sitz und Lenkrad. Einige E-Autos verfügen von Haus aus über entsprechende Fahrmodi, in denen die Innentemperatur abgesenkt und Sitz- sowie Lenkradheizung automatisch aktiviert werden.
  2. Zudem kann man das E-Auto 15 bis 30 Minuten vor der Abfahrt, wenn es noch an am Ladekabel hängt, vorheizen. Das Aufheizen eines ausgekühlten Wagens auf Wohlfühltemperatur benötigt mehr Strom als das Halten der Temperatur während der Fahrt. Bei E-Autos lässt sich das Vorheizen über die Abfahrtszeit im Bordsystem oder via App einstellen. Das ist praktisch, wenn man beispielsweise von Montag bis Freitag jeweils um 7 Uhr losfährt.
  3. Schalte die Heizung auf Umluft: Im Umluftbetrieb wird der Innenraum schneller erwärmt und das System benötigt weniger Energie, um den Innenraum auf die gewünschte Temperatur zu bringen.
  4. Wenn möglich in einer Garage parkieren, um ein extremes Auskühlen des Akkus zu vermeiden.
  5. Möglichst kleine Felgen und Winterreifen mit geringem Rollwiderstand wählen: Denn je kleiner die Räder, desto sparsamer ist man unterwegs. Bereits ein Zoll kleinere Reifen können auf einer Strecke von 100 Kilometern etwa eine Kilowattstunde einsparen. Auch ein etwas höherer Reifendruck im Winter senkt den Verbrauch, da der Rollwiderstand kleiner wird.
  6. E-Autos rekuperieren in der Regel, wenn der Fuss vom Gaspedal genommen wird – dabei wird das Auto verlangsamt und der Akku geladen. Intelligentes Rekuperieren kann auch im Winter die Reichweite erhöhen. Sind die Batteriezellen kalt, nehmen sie aber schlechter Energie auf, wodurch auch die Energierückgewinnung schwächer ist. Bei winterlichen Strassenverhältnissen empfiehlt die Fachzeitschrift «Auto Motor und Sport» die Rekuperationsstufe so weit wie möglich zu reduzieren, «damit das Auto auf glatter Fahrbahn nicht unvermittelt durch einen hohen Verzögerungsimpuls ins Rutschen gerät, sobald man vom Fahrpedal geht».
  7. Wer sich nicht detailliert mit den Einstellungen des Autos befassen will, kann (im Winter) auf den Eco-Modus zurückgreifen. Dieser drosselt die Heizleistung und das Strompedal reagiert weniger dynamisch, was ebenfalls die Reichweite erhöht. Das Auto beschleunigt verhaltener und fährt langsamer an, was bei winterlichen Strassenverhältnissen sinnvoll sein kann, da Elektroautos systembedingt über ein starkes Anfahr-Drehmoment verfügen.

Weitere Tipps für mehr Reichweite im Winter

Die umfassende Übersicht im Video von Nextmove.Video: YouTube/nextmove

Warum haben E-Autos im Winter eine geringere Reichweite?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Je kälter es ist, desto höher ist der Luftwiderstand und desto geringer ist die Reichweite. Zudem haben Winterreifen einen höheren Rollwiderstand als Sommerreifen und auch ein kalter Akku verringert die Reichweite. Durch die Kälte ist der Innenwiderstand der Akku-Zellen grösser, die Spannung und im Endeffekt die nutzbare Kapazität sinkt.

Kalte Akkus laden ausserdem langsamer. Im Winter kann es sich deshalb lohnen, erst nach einer längeren Fahrt, wenn der Akku aufgewärmt ist, an eine Schnellladestation zu fahren und nicht gleich zu Beginn der Fahrt, wenn er noch kalt ist.

Zuletzt verringert ein kalter Akku auch die Rekuperationsleistung, denn Rekuperieren, also beim Ausrollen und Bremsen Strom generieren, ist nichts anderes als laden.

«Sind die Batteriezellen kalt, nehmen sie schlechter Energie auf als in ihrem Wohlfühlbereich. Dadurch wird die Rekuperation schwächer», schreibt der ADAC. Die Rückgewinnung von Energie beim Rekuperieren bzw. One-Pedal-Driving ist im Winter (vor allem auf den ersten Kilometern) eingeschränkt, was wiederum die Reichweite schmälert.

Keine Angst vor dem Stau im Winter

E-Autos sind inzwischen für viele, aber nicht für alle, auch im Winter eine gute Alltagslösung. Trotzdem halten sich in diesem Kontext hartnäckig Gerüchte und Schauermärchen.

Elektroauto-Akku ging im Stau LEER – Fahrer verliert 2 Finger!

«In diesem Zusammenhang gilt es, mit einem Gerücht aufzuräumen. Hartnäckig hält sich nämlich die Mär, bei einem Elektroauto wäre im Stau die Batterie so schnell leer, dass man fürchten müsse, zu (er)frieren.»
ADAC
«Doch ein ADAC Versuch hat bewiesen: Mit einem Elektroauto im Stau darf die Heizung auch bei eisiger Kälte problemlos mehrere Stunden auf Wohlfühltemperaturen laufen.»
ADAC

Stefan Moeller von der E-Auto-Vermietung Nextmove hat ebenfalls einen Test gemacht. Sein Ergebnis: Nach 9,5 Stunden im Auto, aussen Minus 5 Grad, innen Plus 19 Grad, war die Reichweite um gerade einmal 70 Kilometer gesunken. Er hat den Selbstversuch im folgenden Video dokumentiert.

Vollsperrung! Wie lang überlebt man bei -5°C im E-Auto im Stau?

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