Digital
International

Tesla vs. Gewerkschaften: Ein alter Konflikt eskaliert

Bavaria, Germany - October 14, 2024: Logo of car manufacturer or manufacturer of electric vehicles TESLA, on a sign. Symbol lightning strike, criticism, scandal, scandal at the e-car or electric car c ...
Stürmische Zeiten bei Tesla in Deutschland.Bild: www.imago-images.de

Tesla lässt Gewerkschaftsmitglied während einer Sitzung von Security abführen

Eine Kontroverse zwischen Tesla und der deutschen Gewerkschaft IG Metall ist eskaliert. Die Gewerkschaft erhebt nun schwere Vorwürfe gegen das US-Unternehmen von Elon Musk.
11.02.2026, 10:2911.02.2026, 14:27
Ein Artikel von
t-online

Der Streit zwischen dem US-Elektroautobauer Tesla und der deutschen Gewerkschaft IG Metall spitzt sich wenige Wochen vor den Betriebsratswahlen zu. Das Unternehmen wirft einem externen Gewerkschaftsvertreter vor, am Dienstag heimlich eine Betriebsratssitzung aufgezeichnet zu haben. Tesla stellte Strafanzeige, wie aus einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden internen Mitteilung an die Mitarbeiter hervorgeht.

Tesla-Werksleiter Andre Thierig schrieb, der Gewerkschaftsvertreter sei von einem «aufmerksamen Betriebsratsmitglied» bei der Aufnahme erwischt worden. Die Polizei habe den Computer beschlagnahmt und Zeugenaussagen aufgenommen.

Gewerkschaft wirft Tesla eine «Schmutzkampagne» vor

Die Gewerkschaft spricht indes von einer «Schmutzkampagne». «Diese Behauptung ist eine ebenso dreiste wie kalkulierte Lüge», erklärte die Gruppe «IG Metall – Tesla Workers GFBB» im Tesla-Betriebsrat.

Ein Betriebsrat der Arbeitgeberfraktion habe plötzlich behauptet, dass der Gewerkschaftssekretär die Sitzung aufzeichne. «Der Rest erschien uns wie ein abgekartetes Spiel: Die Betriebsratsvorsitzende gab dem Kollegen keine Möglichkeit, die Vorwürfe zu entkräften.» Stattdessen sei die Sitzung unterbrochen und der Werkschutz gerufen worden. Security-Mitarbeiter hätten den Beschuldigten in einen Nebenraum geführt. Anschliessend sei auch die Polizei eingetroffen.

Die IG Metall ist zwar im Tesla-Betriebsrat vertreten, stellt dort aber nicht die Mehrheit.

In Deutschland ist der Betriebsrat die gewählte Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Betrieben. Er hat deutlich mehr Macht als die Arbeitnehmervertretungen in Schweizer Unternehmen. Tesla versucht daher mit dem Unternehmen wohlgesonnenen Betriebsräten zu verhindern, dass die Gewerkschaftsvertreter der mächtigen IG Metall die Mehrheit im Tesla-Betriebsrat erlangen.

«Fingierte Vorwürfe»

Jan Otto, Leiter des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen, sagte, die Gewerkschaft sei harte Wahlkämpfe gewöhnt. «Aber hier ist jedes Mass und offenbar auch jedes demokratische Bewusstsein verloren gegangen», sagte er.

Das Management könne mit fairen Mitteln nicht gewinnen und greife jetzt zu solchen Methoden. «Mit fingierten Vorwürfen Wahlen zu beeinflussen, erinnert uns an das Vorgehen autoritärer Regime.» Dass die Polizei genötigt werde, zu ermitteln, sei absurd. «Wir sind bereits dabei, rechtlich gegen die Verantwortlichen für diese Schmutzkampagne vorzugehen.»

Schon im letzten Jahr Tumulte

Anfang März wird bei Tesla ein neuer Betriebsrat gewählt, bei dem die IG Metall mit ihrer Liste antritt und auf eine Mehrheit hofft. Der jahrelange Konflikt zwischen der Tesla-Werksleitung und der IG Metall führte schon 2025 zu Tumulten. Damals wurde ein Gewerkschafter vom Sicherheitsdienst während einer Tesla-Versammlung entfernt. Die IG Metall war aufgebracht, da Tesla den Lohn von kranken Mitarbeitern einbehalten haben soll. Deutsche Medien berichteten von Drohbriefen an kranke Angestellte.

Tesla-Chef Elon Musk hält Gewerkschaften aus seinen Betrieben in den USA gezielt heraus. Er hat mehrmals organisierten Angestellten mit einem Entzug von Aktienpaketen gedroht. Als in Schweden und Finnland erstmals Tesla-Beschäftigte in den Streik gingen, bezeichnete Musk das auf seiner Plattform X als «völlig krank». In früheren Aussagen hatte er auch angedeutet, dass die IG Metall nur ein Werkzeug der deutschen Autobauer sei.

Tesla musste Stellen streichen

Tesla kämpft in Europa mit massiv sinkenden Verkaufszahlen. Das Tesla-Werk in Deutschland ist daher laut eines Berichts von Spiegel Online bei Weitem nicht ausgelastet, ein früher angekündigter Ausbau ist derzeit kein Thema mehr. Ende Januar machten deutsche Medien publik, dass Tesla zuletzt rund 1700 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen hatte. Interne Dokumente zeigten einen Stellenabbau von fast 14 Prozent.

Verwendete Quellen:

  • Nachrichtenagentur Reuters
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die 20 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2025
1 / 22
Die 20 meistverkauften E-Autos in der Schweiz 2025

Rang 20: Volvo EX40 (729 Neuzulassungen).

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das ist das Ziel der Klimafonds-Initiative
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
36 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
TanookiStormtrooper
11.02.2026 11:31registriert August 2015
Was Typen wie Musk und auch Bezos am meisten Angst macht sind Gewerkschaften. Ich habe mich schon gewundert, als Musk ein Werk in Deutschland ankündigte. Mit den doch relativ starken Gewerkschaften dort wird jemand, der es, gelinde gesagt, mit dem Wohl seiner Arbeitnehmer nicht so ernst nimmt, sicherlich nicht glücklich. Schön zu sehen, dass sich europäische Arbeitnehmer nicht widerstandslos ausbeuten lassen, wie es diejenigen auf der anderen Seite des Grossen Teichs tun. Weiterkämpfen und den reichsten Mann der Welt in die Knie zwingen. ✊
863
Melden
Zum Kommentar
avatar
Etniesoph
11.02.2026 11:19registriert Januar 2018
Schon beim Spatenstich der neuen Fabrik in Deutschland, war mir klar, dass das nicht lange gut geht mit Musk und der Gewerkschaft.
662
Melden
Zum Kommentar
avatar
Shadow69
11.02.2026 11:01registriert Februar 2014
Genau so wie man MUSK kennt! Jeder Wiederstand wird heruntergewalzt.
654
Melden
Zum Kommentar
36
Prozess gegen Google und Meta: «Sie haben die Gehirne von Kindern abhängig gemacht»
In den Vereinigten Staaten hat ein Prozess wegen des Vorwurfs der Förderung von Social-Media-Sucht begonnen. Angeklagt sind zwei marktbeherrschende US-Techkonzerne.
In den USA hat ein womöglich wegweisender Prozess gegen mehrere Internetriesen wegen des Vorwurfs der Förderung von Social-Media-Sucht begonnen.
Zur Story