Digital
Israel

Anonymous Sudan: Propalästinensische Hacktivisten attackieren ChatGPT

Prorussische Hacktivisten legen ChatGPT lahm – das steckt dahinter

Das KI-Unternehmen OpenAI hat «sporadische Ausfälle» bei ChatGPT bestätigt. In einschlägigen Telegram-Kanälen behauptet Anonymous Sudan, für DDoS-Attacken verantwortlich zu sein.
09.11.2023, 11:4809.11.2023, 13:49
Mehr «Digital»

ChatGPT hatte in den letzten 24 Stunden mit «periodischen Ausfällen» zu kämpfen: Der Grund dafür sei ein Server-Überlastungsangriff, bestätigte das US-Unternehmen gegenüber dem US-Medium TechCrunch. Entsprechende Angaben sind auch auf der Status-Seite zu ChatGPT zu finden.

Was ist passiert?

Kundinnen und Kunden von OpenAI, die versuchten, auf die KI-Plattform zuzugreifen, wurde laut Bericht die Mitteilung angezeigt, dass ChatGPT «derzeit ausgelastet» sei. Andere User konnten sich angeblich gar nicht mehr anmelden.

Auf der Status-Seite https://status.openai.com informiert OpenAI über die Verfügbarkeit von ChatGPT und den dazugehörigen Entwicklertools.
Auf dieser Status-Seite informiert OpenAI über die Verfügbarkeit von ChatGPT und den entsprechenden Entwicklertools.Screenshot: status.openai.com

OpenAI hatte in der Nacht auf Mittwoch auf seiner Status-Seite verlauten lassen, dass ein «Fix» implementiert worden sei, um das Problem zu beheben. Später hiess es dann, es gebe weiterhin sporadische Ausfälle. Die Probleme seien auf abnormale Web-Traffic-Muster zurückzuführen, wie sie bei sogenannten DDoS-Attacken zu beobachten sind.

Bei solchen Cyberattacken versuchen die Angreifer, einen Online-Dienst mit automatisierten Server-Anfragen zu «überschwemmen», um ihn unerreichbar zu machen.

Was hat Anonymous damit zu tun?

In einer Reihe von Telegram-Nachrichten, die watson einsehen konnte, machte sich die Hacktivistengruppe Anonymous Sudan den mutmasslichen Angriff zu eigen. Als Begründung für die gezielten Angriffe auf OpenAI nennen die unbekannten Verfasser eine «allgemeine Voreingenommenheit des Unternehmens gegenüber Israel und Palästina».

In einem Posting erklären die Hacktivisten, warum sie OpenAI und ChatGPT ins Visier genommen haben:

  • Wegen der Zusammenarbeit von OpenAI «mit dem Besatzungsstaat Israel» und der Äusserung des CEO von OpenAI, er sei bereit, mehr in Israel zu investieren, sowie seinen zahlreichen Treffen mit israelischen Offiziellen wie dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
  • Künstliche Intelligenz werde «inzwischen bei der Entwicklung von Waffen und von Geheimdiensten wie dem Mossad eingesetzt», und Israel setze KI «auch zur weiteren Unterdrückung der Palästinenser ein».
  • OpenAI sei ein amerikanisches Unternehmen, und die Hacktivisten hätten es «immer noch auf jedes amerikanische Unternehmen abgesehen».
  • ChatGPT habe «eine generelle Voreingenommenheit gegenüber Israel und gegen Palästina», behaupten die unbekannten Verfasser. Und: Im Allgemeinen gebe es eine grosse Voreingenommenheit des Sprachmodells gegenüber einigen Themen, die behoben werden müsse.
Telegram-Posting von Anonymous Sudan zu den DDoS-Attacken gegen ChatGPT.
Screenshot: watson

Anonymous Sudan ist in der Vergangenheit wiederholt mit Cyberattacken gegen Israel und dessen wichtigsten Verbündeten, die USA, aufgefallen. Der Grossangriff der Hamas am 7. Oktober mit über 1400 ermordeten Menschen wurde von DDoS-Attacken auf israelische Websites begleitet.

Während das Massaker noch lief, behaupteten die Hacktivisten bei Telegram, die israelischen Online-Dienste «Tzeva Adom» und «Red Alert» seien nicht mehr erreichbar. Diese Dienste sollten eigentlich die israelische Bevölkerung vor Raketenangriffen oder anderen Gefahren warnen, wie die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) berichtete.

Allein das Gerücht, dass diese Dienste ausfallen, könne in so einer Situation Angst und Verunsicherung auslösen. Das sei vermutlich auch die Absicht der Angreifer gewesen.

Was hat das mit Putins Russland zu tun?

Die NZZ bezeichnet Anonymous Sudan als eine der zahlreichen Gruppen von angeblich aktivistisch motivierten Hackern, sogenannten Hacktivisten, die seit der russischen Invasion in der Ukraine aufgetaucht seien. Allerdings sei zu bezweifeln, dass diese Gruppen nur aus Freiwilligen bestehen. Denn die Aktionen seien gut organisiert und je nachdem auch relativ kostspielig: Für gross angelegte DDoS-Attacken brauche es Infrastruktur, die zum Beispiel angemietet werde.

Besonders interessant an den DDoS-Angriffen auf Israel sei, dass mit Anonymous Sudan und Killnet zwei prorussische Akteure beteiligt waren, hielt die NZZ fest. Tatsächlich arbeiteten die beiden Gruppen schon wiederholt zusammen.

Aber auch die Terrororganisation Hamas selbst habe ihre technischen Fähigkeiten zu Cyberangriffen in den letzten Jahren ausgebaut. Sie sei aber vor allem in der Spionage und «im Bereich Informationsoperationen» aktiv.

Beim watson-Redaktor funktionierte ChatGPT am Donnerstagmorgen tadellos ...

ChatGPT weiss nichts von DDoS-Attacken gegen die Entwicklerfirma OpenAI, weil der KI-Chatbot nicht auf aktuelle Online-Quellen zugreifen kann.
ChatGPT weiss (wie zu erwarten) nichts von DDoS-Attacken gegen die Entwicklerfirma OpenAI, weil der KI-Chatbot nicht auf aktuelle Online-Quellen zugreifen kann.Screenshot: openai.com

Der Chef von OpenAI, Sam Altman, führte die jüngsten, technischen Probleme bei ChatGPT zunächst auf das grosse Interesse der Nutzerinnen und Nutzer an den neuen Funktionen zurück, die am Montag vorgestellt worden waren.

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So reagiert ChatGPT auf KI-Witze
1 / 7
So reagiert ChatGPT auf KI-Witze
quelle: screenshot: watson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Dumme Fragen!» - ChatGPT beklagt sich über uns
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
Porno-Deepfakes beschäftigen die Schweizer Polizei

Mit Künstlicher Intelligenz manipulierte Videos beschäftigen auch die Schweizer Polizeibehörden. Kantonspolizeien sind bereits mit Fällen konfrontiert worden, in denen sich Personen mit sogenannten Deepfakes mit pornografischem Inhalt an einer Ex-Partnerin rächen wollten, wie die Bundespolizei der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekanntgab.

Zur Story