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Diese drei Wutbürger wollen die Strassen säubern. bild: zvg

Review

«Raging Justice» – dieses kleine Prügelspiel zeigt dem Zeitgeist den Mittelfinger

MakinGames, ein kleines Studio aus Grossbritannien, schickt uns auf einen kurzweiligen Nostalgietrip. Trotz kurzer Spielzeit sorgt die digitale Prügelei für viele Flashbacks. Und wer zu zweit vor dem Bildschirm sitzt, kommt in einen besonders schönen Rausch.



Niemand würde ein ganzes Poulet einfach so in einem Hinterhof vom dreckigen Boden aufheben und gierig verschlingen. Also, fast niemand. Wer jedoch in den 90er-Jahren öfters mal eine heruntergekommene Stadt voller Gesindel gesäubert hat, hat auch gerne mal vom Boden gegessen ...

Sidescrolling-Beat'em-Ups wie «Double Dragon», «Streets of Rage» und wie sie alle hiessen, fesselten uns vor allem zu zweit stundenlang an den Bildschirm – sowohl zu Hause als auch in den Spielhallen.

Mit den Jahren verschwand dieses Genre leider immer mehr von den Bildschirmen und geriet fast schon in Vergessenheit. Ein kleines Entwicklerstudio aus Grossbritannien zeigt dem Zeitgeist nun aber den Stinkefinger und bringt mit «Raging Justice» einen kleinen, aber feinen Brawler für die Heimsysteme, wo wieder genüsslich und hemmungslos vom Boden gegessen werden darf.

Ein paar Bewegtbilder ...

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Video: YouTube/Nintendo

Wutbürger wollen aufräumen

Die Story passt wie immer in einen Satz: Eine Stadt versinkt im Chaos und stinkige Gesetzeshüter und Wutbürger krempeln die Ärmel hoch, um selber in den dreckigen Gassen aufzuräumen. Da sind Rick (der Cop, der gerne Backpfeifen verteilt), Nikki (die Ex-Militaristin und Allrounderin) und Ash (ein Teenie, schwach, aber sehr beweglich).

Von links nach rechts wandert man mit einer Figur nach Wahl von Szenerie zu Szenerie und kloppt einfach alles weg, was vor die Faust und Füsse kommt. Das hört sich simpel an und ist es auch. Einfach wie früher, herrlich.

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Eine düstere Bar darf als Schauplatz natürlich nicht fehlen. bild: zvg

Wie bei den Klassikern gibt es die bekannten, spärlich beleuchteten Strassen, dunkle Bars, schmutzige Hinterhöfe, unordentliche Hafenlevels und andere bekannte Schauplätze. Allesamt sind sie vollgestopft mit vielen Gegnern aus der Klon-Maschine.

Es gibt sowohl die grösseren, fettleibigen Fleischbrocken als auch die leicht bekleideten Damen, die eine Tracht Prügel wollen. Klar, dass auch ein paar besonders wuchtige Zwischengegner vermöbelt und später dann nochmals als weiteres Strassenfutter recycelt werden.

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Einfach mal auf einen Traktor aufsitzen und damit die Gegner plattmachen. bild: zvg

Auf dem Weg zum Endziel, das leider schon nach zwei bis drei Stunden erreicht ist, gibt es die obligaten Waffen, die man aufsammeln, die grossen Essensportionen, die man verschlingen, und andere Gegenstände in der Kulisse, die man zerstören kann.

Ab und zu darf man auch in einem fahrbaren Gefährt Platz nehmen und dann für eine kurze Zeit einfach über die Gegner drüberfahren. Aber hauptsächlich wird mit Fäusten und Füssen wehgemacht. Jeder Charakter hat seine Spezialattacke, kann Gegner packen und auch mit Anlauf in die Muskelmassen rennen, um gleich auf einen Schlag ein paar der bösen Jungs umzuhauen.

Guter Bulle, böser Bulle

«Raging Justice» ist ein ganz gewöhnliches Sidescrolling-Beat'em-Up, wie es Genre-Fans gespielt und geliebt haben. Eine spielmechanische Revolution gibt es nicht und braucht es auch nicht. Im Fokus steht ein zeitloses Gameplay, das man nicht neu erfinden muss.

Dennoch haben die Entwickler etwas Feines eingebaut: So kann man im Verlauf der Prügelei auch mal einen auf «good cop» machen und einzelne Gegner verhaften, respektive ihnen Handschellen anlegen, anstatt sie ins digitale Nirvana zu prügeln. Dafür gibt es dann mehr Energie und natürlich Karma-Punkte. Das Anlegen von Handschellen ist jedoch im hektischen Kampf oft eine Glücksache.

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Hammer-Time: Einfach mal die Gegner ordentlich an die Wand klatschen. bild: zvg

Wer ein paar zusätzliche Herausforderungen möchte, bekommt vor jedem Abschnitt eine kleine Liste mit Aufgaben präsentiert. So kann man dann, wenn man möchte, den Level innerhalb eines Zeitlimits beenden oder eine bestimmte Anzahl von Gegnern mit einem bestimmten Gegenstand ausschalten. Aber auch hier gehen die Minimissionen in der Prügelei schnell unter.

Viel Herz fürs Genre

Dass die Macher ein besonders grosses Herz für das Genre haben, spürt und sieht man jederzeit. Es gibt liebevolle Anspielungen an alte Genre-Klassiker, die man aber oft auch leicht übersehen kann, wenn gleich von beiden Seiten mehrere Gruppen ihre blauen Augen abholen möchten.

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Wie früher: Dieser Zwischengegner wird später erneut auftauchen. bild: zvg

Natürlich hätte man die Optik noch schicker machen, noch mehr Details und Animationen reinpacken können. Auch der ordentliche Soundtrack hat ganz klar keine Yuzo-Koshiro-Qualität und natürlich würde man ein paar Stages mehr mit offenen Armen empfangen. Aber alleine durch die Existenz dieses Oldschool-Titels darf Freude herrschen.

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Viele Klon-Gegner, viele Waffen: Da werden Erinnerungen wach. bild: zvg

Jedes Sidescrolling-Beat'em-Up macht natürlich zu zweit gleich doppelt so viel Spass. Wer also kann, schnappt sich einen Freund oder eine Freundin, säubert gemeinsam die dreckigen Strassen und fällt in einen besonders schönen Spielrausch.

Wer sich alleine beweisen möchte, kann sich bei den Online-Bestenlisten im wahrsten Sinne des Wortes hochkämpfen oder sich mit den vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden austoben.

Klein, aber fein

Fazit: «Raging Justice» ist ein kurzweiliger Prügelspass mit ganz viel Herz. Es ist ein kleines, aber feines Spielchen, das hauptsächlich Fans von Sidescrolling-Beat'em-Ups anspricht und Nostalgie-Gefühle in ihnen wecken möchte. Das funktioniert bestens und mit einem Lächeln im Gesicht verhaut man die bösen Buben massenweise. Schade nur, dass die Prügelgaudi nach sehr kurzer Spielzeit schon vorbei ist.

«Raging Justice» ist erhältlich für Switch, Playstation 4, Xbox One, PC und Mac. Die Download-Version kostet ca. 15 Franken. Freigegeben ab 12 Jahren.

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