Digital
Review

Der Virtual Boy im Test. So gut ist Nintendos neue 3D-Hardware

Der Virtual Boy mit dem bekannten Ständer ist zurück.
Der Virtual Boy mit dem bekannten Ständer ist zurück.Bild: zvg
Review

Nintendos grösster Flop ist wieder da – der Virtual Boy im Test

Es ist und bleibt eine kuriose Angelegenheit: Nintendo bringt seinen grössten Hardware-Flop nochmals auf den Markt. Kann eine Neuauflage einer einst gut gemeinten Idee nun endlich punkten?
23.02.2026, 18:3523.02.2026, 18:37

1995 war Nintendo besonders mutig: Mit der stationären VR-Konsole Virtual Boy wollte man in neue 3D-Spiele-Sphären vordringen und die gesamte Branche aufmischen. Doch der VR-Schuss ging deutlich nach hinten los. Die Verkaufszahlen waren schlecht, die überschaubaren Spiele waren schlecht und vielen Spielenden wurde zusätzlich schlecht, wenn sie zu lange in die rot-schwarzen Welten hineinstarrten.

Zusätzlich gab es noch regelmässige Nackenschmerzen, weil sich das Gerät nicht am Kopf befestigen liess, sondern via Ständer an einem Tisch konsumiert werden musste. Kurz: Der Virtual Boy wurde zum grössten Hardware-Flop in der Geschichte von Nintendo – und ist jetzt wieder da.

Nur Mitglieder kommen rein

Die Neuauflage ist im Grunde ein knapp 80 Franken teures Hardware-Zubehör für die Nintendo Switch, die bei beiden Geräte-Generationen funktioniert. Dabei wird die Switch ohne die Joy-Cons in den aufgeklappten Virtual Boy gesteckt und die App «Virtual Boy – Nintendo Classics» gestartet. Ganz wichtig: Eine Mitgliedschaft von Nintendo Switch Online muss zwingend vorhanden sein, um die Spielesammlung zu starten.

Übrigens: Es gibt auch eine viel günstigere Karton-Version, bei der die Switch ohne Plastikgerät und Ständer direkt vor das Gesicht gehalten wird. Das sieht dann halt nicht so sexy aus und braucht starke Oberarme, ist aber eine gute Alternative für diejenigen, die unbedingt in die 3D-Welten von Nintendo reinschauen und Geld sparen wollen.

Die Karton-Version für 19.90 Franken kommt ohne Ständer und Hardware-Nachbildung.
Die Karton-Version für 19.90 Franken kommt ohne Ständer und Hardware-Nachbildung.bild: zvg

Der Körper reagiert

Hat man endlich alles eingerichtet und den Virtual Boy so platziert, dass es einigermassen zu Beginn bequem ist, können die stereoskopischen 3D-Effekte loslegen und mich in die rot-schwarzen Welten hineinsaugen. Der Controller des Originals hat es übrigens nicht in die Neuauflage geschafft. Gesteuert wird daher mit den Joy-Cons, das passt aber schon.

Der Blick in die rot-schwarzen 3D-Welten kann beginnen.
Der Blick in die rot-schwarzen 3D-Welten kann beginnen.bild: zvg

Der erste Eindruck ist wirklich hervorragend. Ich vergesse rasch, dass ich an einem Tisch sitze und in eine 3D-Welt starre. Vor mir türmen sich ein paar Spiele auf, von denen ich die Cover zwar nicht genau erkennen kann, aber gewillt bin jedes einzelne zu spielen.

Dass sich dabei mein Nacken jetzt schon versteift, bemerke ich leider erst viel später. Nicht später, sondern schon recht früh macht sich eine leichte Übelkeit breit. Während die 3D-Effekte noch einigermassen ertragbar sind, ist es vor allem der rote Farbton, der immer mehr dafür sorgt, dass es mir einfach nur flau im Magen wird.

Auf der Suche nach dem Pflichtspiel

«Virtual Boy: Wario Land» ist das Glanzlicht der Launch-Spiele.
«Virtual Boy: Wario Land» ist das Glanzlicht der Launch-Spiele.bild: NintendoComplete / Youtube

Es müssen viele Pausen eingelegt werden, damit die Spiele zum Launch alle angeschaut werden können. Zum Start sind sieben Games vorhanden. Weitere sollen später noch hinzukommen. Sogar nicht veröffentlichte Spiele will man im Verlaufe des Jahres hinzufügen. Da wird es dem Videospiel-Historiker richtig warm ums Herz.

Vorerst muss man sich aber halt mit den sieben Starttiteln begnügen, von denen vor allem «Virtual Boy: Wario Land» sofort heraussticht. Der stets schlecht gelaunte Wüterich wird durch hübsche 2D-Levels gesteuert, wo er auch mal zwischen Vorder- und Hintergrund hin und her hüpfen darf, damit der 3D-Effekt glänzen kann. Auch wenn hier regelmässige Unterbrechungen an der Tagesordnung sind, macht der Titel erstaunlich viel Spass und zeigt, was eigentlich in der Hardware schlummert.

Die Launch-Titel im Überblick...

Bei «Golf», «Tetris 3D» und «Galactic Pinball» beginnt dann schon das leichte Kopfschütteln, weil hier einfach nur lieblos eine Spielidee in eine Pseudo-3D-Welt geworfen wurde.

Beim Raumschiff-Ballerspiel «Red Alarm» möchte man dann sofort wieder ausschalten, weil das alles einfach nur fies aussieht und sich zudem so gar nicht gut steuern lässt. Da wird das Kopfschütteln heftiger und gleichzeitig machen sich die Nackenschmerzen bemerkbar.

Immerhin macht «Teleroboxer» dann wieder kurzzeitig Spass, weil ich hier meistens mit wildem Button-Mashing einem Roboter ein paar Backpfeifen schenken darf.

Beim Retro-Horrorgame «The Mansion of Innsmouth» wartet die Übelkeit hinter jeder Ecke.
Beim Retro-Horrorgame «The Mansion of Innsmouth» wartet die Übelkeit hinter jeder Ecke.bild: World of Longplays / Youtube

Zum Schluss darf noch «The Mansion of Innsmouth» löblich erwähnt werden. Via Egoperspektive kann ich ein bisschen Horror-Atmosphäre schnuppern und mich in einem Herrenhaus-Szenario austoben. Zwar wartet die Übelkeit hinter jeder neuen Ecke auf mich, aber für einen Kurztrip reicht es dann auch.

Trotz Nebenwirkungen ein grosser Service

Fazit: Es ist durchaus löblich und mutig, dass Nintendo seinen grössten Hardware-Flop in einer Neuauflage nochmals auf den Markt bringt. Vor allem aus historischer Sicht ist das ein grosser Service, dass wir nun selbst erleben und nachvollziehen können, warum der Virtual Boy damals kein Erfolg war.

Wer sich also weiterbilden und eine Lücke in der Game-Historie schliessen möchte, wird seinen Spass und seine Erkenntnis damit haben, sofern der Körper die Strapazen auf sich nehmen mag. Für alle anderen bleibt ein wirklich grosser Kaufgrund aber leider aus.

Virtual Boy für Nintendo Switch 2 und Nintendo Switch ist für 79.90 Franken erhältlich. Die Karton-Ausführung gibt es für 19.90 Franken. Freigegeben ab 7 Jahren.

Bonuslevel: Kuriose Virtual-Boy-Werbung aus den 90ern...

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So sieht sie aus: Die sagenumwobenen Nintendo Playstation
1 / 9
So sieht sie aus: Die sagenumwobenen Nintendo Playstation
Das ist sie: Die gemeinsame Konsole von Sony und Nintendo. Leider kam das Gerät nie über das Prototypen-Stadium hinaus.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Coach Snoop: Highlights von Olympia 2026
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
3 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
3
Alle wollen strengere Regeln für Social Media und KI – ausser die SVP
Die vom Bundesrat vorgeschlagene Regulierung von Social-Media-Plattformen und Suchmaschinen stösst in der Vernehmlassung auf breite Kritik. Fast allen Akteuren geht der Vorschlag zu wenig weit.
Das geplante Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen findet in der Vernehmlassung grossen Widerhall. Die Absicht des Bundesrates ist es, damit «mehr Transparenz und Sicherheit im digitalen Raum» zu schaffen. Den meisten Vernehmlassungsbeteiligten geht es jedoch zu wenig weit.
Zur Story