Digital
Review

«Suicide Squad» im Test: So gut ist das Game für Playstation und Xbox

Superman ist zu einem Schurken geworden und muss von uns getötet werden.
Superman ist zu einem Schurken geworden und muss von uns getötet werden.Bild: zvg
Review

Der Absturz einer Entwickler-Legende: Das neue «Suicide Squad»-Game im Test

Ein neues Game von Rocksteady Studios, das uns einst mit der famosen «Arkham»-Reihe segnete, muss doch ein Hit werden? Spoiler: Nein!
05.02.2024, 17:4505.02.2024, 18:09
Folge mir
Mehr «Digital»

Schon bei der Ankündigung, dass der Videospielentwickler Rocksteady ins DC-Universum zurückkehren wird, hüpfte das Fan-Herz wie wild. Denn das britische Studio zeigte mit der «Arkham»-Spielreihe nicht nur, wie sich eine richtige Batman-Versoftung anfühlen muss, sondern liess uns auch ganz tief in das DC-Universum eintauchen. Mit viel Liebe zum Detail wurde die Game-Gemeinde jahrelang gesegnet und verwöhnt. Die Hoffnung, dass wir nun wieder in ein solches Popkultur-Fest eintauchen dürfen, war gross. Doch es kam alles irgendwie komplett anders ...

Auf der Suche nach dem Kontext

Bereits die ersten Spielminuten sind ein symbolisches Mahnmal dafür, was in den nächsten Stunden auf uns zukommen wird: Ohne Sinn und Kontext werden vier Antihelden ohne Bezug in eine krude Welt geworfen. Wir schlüpfen nacheinander kurz in die Rollen von vier Spielfiguren und werden innerhalb kürzester Zeit mit Steuerungsmöglichkeiten zugeschüttet, dass wir froh sind, wenn wir uns auch nur eine davon richtig merken können.

Eine stupide Baller-Mission jagt die nächste.
Eine stupide Baller-Mission jagt die nächste.bild: zvg

Danach beginnt ein minutenlanges Ballerfest, das wiederum kontextlos und stupide daherkommt und uns ratlos zurücklässt. Wir springen, fliegen, zerren uns von Gefecht zu Gefecht und hauen alles aus dem Weg, was da so kommt. Dann kommt ein harter Schnitt und es beginnt eine Rückblende, die uns endlich ein paar Infos mit auf den Weg gibt.

Deadshot ist einer von vier Antihelden, der in Metropolis aufräumen muss.
Deadshot ist einer von vier Antihelden, der in Metropolis aufräumen muss.bild: zvg

Die unfantastischen Vier

Wer in der DC-Comic-Welt zu Hause ist, der wird die Geschichte schon lange kennen, die nun in Videospiel-Form auf uns herunterprasselt: Die mehr oder weniger bekannten Superschurken Deadshot, Harley Quinn, King Shark und Captain Boomerang werden unfreiwillig zu einer geheimen Taskforce vereint, um in Metropolis aufzuräumen.

Metropolis wird von überdimensional grossen Maschinen angegriffen und teilweise in Schutt und Asche gelegt.
Metropolis wird von überdimensional grossen Maschinen angegriffen und teilweise in Schutt und Asche gelegt.bild: zvg

Die ausserirdische Supermacht Brainiac hat die Stadt nicht nur mit riesigen Kampfmaschinen angegriffen, sondern verwandelt die Einwohner auch noch in feindliche, ziemlich aggressive Kreaturen. In der Stadt herrscht also das pure Chaos, und obendrauf wurden so gut wie alle Mitglieder der Superhelden-Vereinigung Justice League unter die ausserirdische Kontrolle gebracht. Und weil die vier bösen Haudegen ein bombiges Implantat verpasst bekommen haben, müssen sie nun den Befehlen von ganz oben gehorchen.

Und täglich grüsst das Murmeltier

So wählen wir denn unsere Spielfigur nach Wahl und legen los. Selbstverständlich dürfen wir jederzeit zwischen den Charakteren wechseln. Denn es locken unterschiedliche Fähigkeiten und Waffen zwischen Joker-Sidekick Harley, Sprücheklopfer Boomerang, Waffenexperte Deadshot und Tiermensch Shark, die sich im Verlaufe des Spiels auf- und ausbauen lassen, sofern man sich auf diese eine Spielerei einlassen möchte. Ein grosser spielerischer Unterschied zwischen den Figuren ist aber eigentlich kaum bemerkbar.

Captain Boomerang klopft Sprüche und klaut sich eine Zeitreise-Fähigkeit.
Captain Boomerang klopft Sprüche und klaut sich eine Zeitreise-Fähigkeit.bild: zvg

Wir hüpfen von Mission zu Mission und machen eigentlich immer nur dasselbe: Wir sammeln Daten, suchen Menschen, zerstören Alien-Posten, suchen einen illustren Schurken auf, sammeln wieder irgendwo irgendwelche Daten, zerstören wieder eine Maschine und ballern uns durch das heruntergekommene Metropolis. Als Belohnung gibt es immer wieder mal eine nette Begegnung mit bekannten Figuren aus dem DC-Universum, und wahrlich schicke Zwischensequenzen bringen uns storytechnisch weiter.

Lachen ist gesund, und immer wieder mal darf man sich in den Zwischensequenzen amüsieren.
Lachen ist gesund, und immer wieder mal darf man sich in den Zwischensequenzen amüsieren.bild: zvg

Kleine Höhepunkte abseits der Spielmechanik

Diese simple, stumpfe und ewig gleiche Spielstruktur kann durchaus einen eigenwilligen Sog kreieren und für zehn bis fünfzehn Stunden faszinieren, sofern die Erwartungshaltung massiv nach unten geschraubt wird. Technisch schlecht ist das Spiel auf keinen Fall. Dafür ist das Machwerk einfach nur unglaublich lieblos geworden. «Suicide Squad» hat durchaus seine tollen Momente, die jedoch fast ausnahmslos dann geschehen, wenn wir nicht aktiv sind. Denn gerade in den Zwischensequenzen werden einige wirklich gute Gags gezündet, die Figuren dürfen sich dort endlich entfalten, bekommen ihren verdienten Raum und bringen die seichte Story vorwärts.

Die Zwischensequenzen gehören zum Besten, was das Spiel zu bieten hat.
Die Zwischensequenzen gehören zum Besten, was das Spiel zu bieten hat.bild: zvg

In den Cutscenes pulsiert das Videospiel regelrecht auf vollen Touren und der Geist von Rocksteady dringt endlich durch. Wir erkennen hier die Liebe zum Detail, das Schwärmen für die Figuren und die Welt, in der sie sich bewegen, und die Lust daran, ein tolles Videospiel zu zaubern. Doch kaum beginnt wieder der aktive Part, fällt alles in sich zusammen und die Stupidität nimmt ihren weiteren Lauf. Selbst bei den platzierten Eastereggs zuckt man nur kurz mit den Schultern und fragt sich, wer diese denn durchgewunken hat. Und das Ende des Spiels, sprich: der finale Abschnitt, ist dann doch ziemlich frech und sorgt für ganz viel Kopfschütteln vor dem Bildschirm.

Die gute alte Rocksteady-Zeit ist leider vorbei

Fazit: Ich habe mich auf dieses Videospiel wirklich gefreut und war gespannt, was Rocksteady hier wieder an Kreativität und DC-Liebe zaubern wird. Meine anfänglichen Zweifel habe ich ignoriert und mich dem Spiel hingegeben. Doch schon nach den ersten Minuten war ich innerlich leer. Zwar konnten mich einige Zwischensequenzen und ein paar wirklich gute und witzige Dialoge begeistern, doch kaum war ich wieder in der aktiven Spielwelt, zog die Motivation von dannen.

«Suicide Squad» wiederholt sich, verkauft mir dreist die selben Dinge immer und immer wieder und will mich mit Schnickschnack ködern, den ich einfach nicht will. Der ständige Drang nach Upgrades und Hinweise darauf, dass ich doch jene und andere Waffen käuflich erwerben kann, um ordentlich loszulegen, haben nur noch genervt.

Nüchtern betrachtet haben wir hier einen Third-Person-Shooter, der technisch absolut befriedigt und durch seine Stupidität durchaus sein Publikum findet. Der DC-Fan schüttelt aber immer noch seinen Kopf und ist erstaunt, wie uninspiriert eine solch gute Vorlage umgesetzt werden konnte. Auch die lieblose Openworld lässt einen ratlos sowie stumm zurück und lässt uns nostalgisch an die gute alte Rocksteady-Zeit sinnieren. Doch diese ist leider definitiv vorbei und ein reines Relikt der Game-Kultur geworden.

Video: YouTube/DC

«Suicide Squad: Kill the Justice League» ist erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Büroangestellte verwandeln langweiliges Büro mit Post-its in super coolen Arbeitsplatz
1 / 10
Büroangestellte verwandeln langweiliges Büro mit Post-its in super coolen Arbeitsplatz
Bild: reddit
quelle: reddit
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wenn Superhelden texten ...
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
27 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
27
Tesla macht angeblich ernst mit Robotaxi – Musk kündigt Termin an

Der US-Elektroautobauer Tesla will sein seit Langem in Aussicht gestelltes Robotaxi am 8. August vorstellen. Firmenchef Elon Musk kündigte die Präsentation am Freitag auf seiner Online-Plattform X (vormals Twitter) an.

Zur Story