Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Von der Pharmaindustrie fliessen hohe Millionenbeträge an Ärzte und Spitäler. (Archivbild)

Positiver Corona-Test? Hausärzte und Spitalärzte spielen neu eine zentrale Rolle bei der raschen Alarmierung über die SwissCovid-App. Bild: KEYSTONE

Interview

SwissCovid erhält Unterstützung durch tausende Schweizer Ärzte – das steckt dahinter

Dank den Mitgliedern des Ärzteverbandes FMH soll ein «Flaschenhals» beim Schweizer Contact-Tracing-System beseitigt werden. Eine Verantwortliche erklärt.



Ab sofort generieren in der Schweiz praktizierende Ärzte Codes für die SwissCovid-App und geben diese per Telefon, SMS oder per E-Mail an infizierte Patienten weiter.

Diese Ankündigung des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH vom Montag lässt hoffen, dass eine gravierende Schwachstelle des Schweizer Contact-Tracing-Systems innert kurzer Zeit «entschärft» werden kann.

Bisher waren die kantonsärztlichen Dienste für das Ausstellen der sogenannten Covidcodes zuständig. Laut Schilderungen von Betroffenen kommt es dabei zu Verzögerungen, so dass Warnungen verspätet oder gar nicht mehr in nützlicher Zeit angezeigt werden. Nun sollte dieser «Flaschenhals» bei dem vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) konzipierten Alarmierungssystem behoben worden sein. Als Konsequenz können SwissCovid-Nutzer, die vielleicht unbemerkt angesteckt wurden, schneller gewarnt werden als bisher.

watson hat beim Ärzteverband FMH nachgefragt. Im Folgenden werden die Antworten von Dr. med. Yvonne Gilli, Mitglied des FMH-Zentralvorstandes und Departementsverantwortliche Digitalisierung / eHealth wiedergegeben.*

«Nach Bedarf können auch Spitäler von diesem Angebot Gebrauch machen.»

Dr. med. Yvonne Gilli

Wie viele Ärzte können mitmachen?

Der Berufsverband hat gemäss eigenen Angaben über 42ʼ000 Mitglieder. Auf die Frage, wie viele Schweizer Ärztinnen und Ärzte nun Covidcodes ausstellen können, schreibt FMH-Vorstandsmitglied Yvonne Gilli:

«Die FMH hat alle praktizierenden Ärztinnen und Ärzte angeschrieben. Das sind auch diejenigen, welche selbst die SARS-CoV-2-Diagnostik durchführen oder veranlassen und als Erste über positive Resultate informiert werden. Spitalärztinnen und Spitalärzte wurden durch den Dachverband der Spitäler angeschrieben. Nach Bedarf können auch Spitäler von diesem Angebot Gebrauch machen.»

Kann man schon etwas zur Akzeptanz sagen?

Dazu die FMH-Vertreterin:

«Bereits am ersten Tag haben sich über 500 Ärztinnen und Ärzte registrieren lassen.»

Bringt's das?

Das FMH-Vorstandsmitglied bestätigt, dass es keine Erfolgskontrolle gibt, weil die Zahl der eingegebenen Covidcodes nicht statistisch erfasst wird durch das System:

«Wir gehen davon aus, dass diejenigen Ärztinnen und Ärzte, welche sich für die Erstregistrierung melden, auch Covid-Codes an jene Patienten und Patientinnen vergeben, die positiv getestet worden sind und die App nutzen. Wer von diesen Patientinnen und Patienten den Code auch über seine App verwendet und seine Kontaktpersonen damit warnt, wissen wir nicht.»

Müssen die Arztpraxen und Spitäler mitmachen?

Nein.

Wie schon die Nutzung der SwissCovid-App erfolge auch das Ausstellen und Weitergeben der Covidcodes durch die Praxisärztinnen und Praxisärzte auf freiwilliger Basis.

Wer hat das umgesetzt?

Die technische Umsetzung und das Know-how werden von der Schweizer Firma HIN (Health Info Net AG) zur Verfügung gestellt, ebenso wie der Support für die Erstregistrierung der Ärztinnen und Ärzte, wie der Ärzteverband auf Anfrage mitteilt. Dabei handelt es sich um ein privates Unternehmen, das 1996 auf Initiative der FMH und der Ärztekasse gegründet wurde. Mehrheitsaktionärin ist die FMH.

Die aktuelle Lösung sei in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ärzteverband FMH, der Firma HIN sowie dem BAG und BIT (Bundesamt für Informatik) erarbeitet worden. Die Kommunikation mit den Ärzten koordiniere der Verband.

Wie funktioniert das?

Dazu das FMH-Vorstandsmitglied:

«HIN AG stellt die Identität derjenigen Person fest, welche auf das Portal des BAG zugreifen möchte und wirkt damit wie ein Türöffner (Login-Verfahren). Die Identifikation dieser Person bei HIN erfolgt über die HIN-Identität, welche bereits viele Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz für andere Anwendungen wie bspw. die Mail-Verschlüsselung haben. Für Mitglieder, die nicht über eine HIN-Identität verfügen, stellt die FMH eine eigene Identität kostenfrei zur Verfügung, die auf der HIN-Technologie beruht.»

Gibt's ein Monitoring?

Dazu schreibt die FMH-Vertreterin:

«Wir monitoren jenen Bereich, der in unserer Verantwortung liegt: Wie viele Ärztinnen und Ärzte lassen sich registrieren? Welche Rückmeldungen erhalten wir? So können wir auch proaktiv kommunizieren. Im Übrigen bleiben wir in engem Kontakt mit dem BAG, um synergistisch einen bestmöglichen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten zu können.»

* Das Interview wurde per E-Mail geführt.

So einfach lassen sich Covidcodes am PC generieren:

Dieses Problem (bei den Kantonsärzten) sollte nun entschärft werden:

Wie viele Covidcodes werden eingegeben?

Darüber informiert der Bund auf einer für die Coronakrise eingerichteten Monitoring-Webseite. So wurden zum Beispiel am vergangenen Montag, 2. November, insgesamt 1136 Covidcodes in der SwissCovid-App eingegeben, um «enge Kontakte» auf eine mögliche Ansteckung hinzuweisen. Am gleichen Tag waren 1,88 Mio. SwissCovid-Apps aktiv.

Bild

Seit Mitte Oktober ist die Zahl der eingegebenen Covidcodes massiv angestiegen. screenshot: bfs.admin.ch

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

21 Schweizer Erfindungen, die allen das Leben erleichtern

SwissCovid-App noch nicht installiert? Wir helfen dir

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Warum der Applaus nicht reicht: «Die Bedingungen in der Pflege müssen sich verbessern»

Am Freitagmittag applaudierte die ganze Schweiz für das Gesundheitspersonal, das in der Corona-Krise wichtiger ist denn je. Die Geschäftsführerin des Schweizer Verbands der Pflegefachpersonen erhofft sich, dass nun ihre jahrelangen Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen endlich erhört werden.

Frau Ribi, heute Mittag hat die Schweiz für das Gesundheitspersonal applaudiert. Rührt Sie das?Yvonne Ribi: Ja, das rührt mich und im Namen des Pflegepersonals danken wir ganz herzlich dafür. Ganz wichtig ist aber, dass die Bevölkerung uns jetzt unterstützt, in dem sie zuhause bleibt, soziale Kontakte meidet und die Anweisungen des Bundesamtes für Gesundheit befolgt.

Was haben die Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner in den letzten Wochen geleistet?Viele erleben, dass ihr Berufsalltag …

Artikel lesen
Link zum Artikel