Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Es ist schrecklich. bilder: shutterstock / screenshots / bearbeitung: watson

Kommentar

Ja, sch*** Captcha, ich bin ein Mensch! Und offensichtlich dümmer als jede Maschine



«Wählen Sie alle Bilder mit Fahrrädern aus und klicken Sie anschliessend auf ‹Bestätigen›» ist knapp gefolgt von «Sie haben eine neue Nachricht von ihrem Steuerberater» mein persönlicher Horrorsatz.

Egal, ob ich meine E-Mails vom Uni-Mailserver abrufen möchte oder ein «authentisches» Stockfoto von einer Banane für einen Artikel brauche: kostenlose Internetservices möchten das von ihnen abhängige Volk frotzeln und haben keine Scheu, dafür ein ästhetisch anspruchsloses Neuner-Quadrat aus verpixelten Überwachungskameraaufnahmen einzusetzen.

Sehen wir für einen Moment genauer hin:

Links oben (Kachel 1) ist ein Autoausschnitt zu sehen, daneben (Kachel 2) ein Fahrradständer, daneben wiederum eine Leitplanke (Kachel 3), darunter ein Fahrrad (Kachel 6), darunter eine Fahrradfahrerin (Kachel 9) und der Rest der trostlosen Bilderkulisse (Kachel 4, 5, 7, 8) besteht aus Ampeln und dreckigen Windschutzscheiben.

Ich klicke brav alle Fahrräder an, und schwupps, werden sie mit weiteren Überwachungskamerafotos ersetzt, auf denen weitere Fahrradfahrer zu sehen sind. Sechs mal musste ich bis zum Endgegner klicken, insgesamt zehn Sekunden meiner Lebenszeit hat reCaptcha heute schon gestohlen.

Wenn man bedenkt, dass ich mich fast jeden Tag auf einer ominösen Seite einloggen oder Online-Formulare ausfüllen muss, sind das pro Woche locker zwei Minuten, die ich mit den Anklicken von Bildchen verbringe. Die Male, in denen ich mich verklickt habe, demnach als Maschine galt und somit Zugriff auf Seiten verwehrt bekommen habe, mal ausgenommen.

Wählen Sie alle Bilder mit Palmen. Wählen Sie alle Bilder mit Ampeln. Wählen Sie alle Bilder von Bianca mit Schaum vor dem Mund.

Bild

bild: screenshot

Ich hasse Captchas. Käääptschazzzz. Sagt man das überhaupt so? Eine Abkürzung, die übrigens für «Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart» steht. «Wählen Sie alle passenden Bilder aus», befiehlt mir die Maschine. «Ich habe doch alle passenden Bilder ausgewählt?», maule ich zurück. Sogar die, auf denen das Fahrzeug nur wenige Millimeter zu erkennen war! Nimm das!

Der Sinn von Captchas? Sie sollen Webseiten vor Spam und Missbrauch schützen und verhindern, dass automatisierte Software missbräuchliche Aktivitäten ausführt. Klassische Captchas bestehen aus zufällig angeordneten Ziffern und Buchstaben, die uns angezeigt werden. Die Captchas sind für Menschen relativ leicht zu lesen, für Computer ist das meist unmöglich, da Buchstaben und Zahlen so verzerrt dargestellt werden, dass Systeme sie nicht auslesen können.

Wenn der Test bei der Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine helfen soll, bin ich dann ein minderbemittelter Cyborg?

Woher soll ich denn bitte wissen, ob dieser gottverdammte Pixel eine Palme ist oder nicht, wenn das Foto derart vergrössert wurde, dass es sich auch um ein Fussballfeld handeln könnte?

«Versuche es bitte erneut.» F*ck dich!

Animiertes GIF GIF abspielen

via giphy

Besonders Captchas, auf denen man bestimmte Symbole anklicken muss und somit «menschliche Intelligenz» beweist, bringen mich regelmässig in Versuchung, mein Smartphone durch den Raum zu schleudern. Leider gilt ein hoher Blutdruck nicht als Beweis meiner Lebendigkeit.

Captchas sind nicht nur nervig, sie sind auch demütigend. Sie sind eines von vielen ersten Anzeichen dafür, dass uns Maschinen schon bald als Haussklaven halten werden – und niemanden interessiert es! Obwohl ich der Mensch bin, sagt mir die Maschine, dass ich kein Mensch bin.

Ich arbeite für die Maschine, indem ich ihr zeige, wie eine Ampel auf Webcamfotos aussieht und was ist die Belohnung? Dass ich mir meine Steuererklärung runterladen darf?

Ich glaube, es hackt. Kostenlose Arbeit, überall. Und wenn ich dabei scheitere, werde ich nicht einmal gefeuert.

Was sagst du eigentlich dazu, Luis von Ahn, wo du doch 2007 an der Erfindung des reCAPTCHA-Verfahrens mitgewerkelt hast, um Wörter, die die Texterkennungssoftware zur Buch-Digitalisierung nicht erkennt, zu optimieren?

Hättest du gedacht, dass dein gutes Bestreben irgendwann darin münden würde, dass du auf dem Klo Autos von Landstrassen unterscheiden musst?

Viele Millionen Menschen beteiligen sich jeden Tag an dem Projekt, ohne die genaue Absicht des Projekts zu kennen, und stellen ihre Leistung zur Verfügung. Ein perfektes Match im Kapitalismus.

Wenn Google nach der Bewegung des Mauszeigers zum Klick auf das Kontrollhäkchen geht, um Mensch von Bot zu unterscheiden, warum muss ich danach immer noch Bildchen anklicken? Klicke ich zu schnell auf das «Ich bin kein Roboter»-Feld? Bin ich einfach zu schnell für dieses Internet? Schliesslich bekomme ich jedes. einzelne. mal. ein zusätzliches Captcha in Form eines Bilderrätsels nachgeschaltet.

Fragen über Fragen über Fragen. Ganz ehrlich: Da lösche ich lieber den SPAM-Ordner. Ein Klick – und schon ist es weg.

Captcha, meiner Meinung nach ist bei dir noch Potenzial nach oben! Bis es soweit ist, arbeite ich an meiner Frustrationstoleranz.

Die stellst du garantiert bald wieder auf die Probe.

Bild

via knowyourmeme

Weil das ja quasi schon ein geschriebenes Wein-Doch war, hier noch ein richtiges: «Wenn Scheissdreck das passende Wort ist, soll man es sagen»

Video: watson/Emily Engkent, Lya Saxer

Die Evolution des Computers: Vom Kriegshelfer gegen die Nazis über den Heim-PC zum Supercomputer für die Forschung

Retro-Computer, Nokia und andere Kulthandys etc.

So warb das Computer-Magazin «Računari» in den 80ern und 90ern um Leser 🤓

Link zum Artikel

Weisst du noch? Diese Technik fanden wir damals richtig fortschrittlich 

Link zum Artikel

21 wunderbar lustige Beispiele, wie wir uns in den 90ern das Internet vorstellten

Link zum Artikel

Als die Maus rollen lernte – herrliche PC-Werbung aus den 70ern und 80ern

Link zum Artikel

Diese 9 PC-Werbungen aus den 80ern haben uns in metaphysische Ekstase versetzt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

55 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
FITO
28.07.2019 10:22registriert April 2019
Wohin hat und die Evolution nur gebracht?
Und danach kommt das nichts?
Animiertes GIFGIF abspielen
3356
Melden
Zum Kommentar
lilie
28.07.2019 09:45registriert July 2016
Der neue Sozialdarwinismus: Das Internet kann nur von Leuten genutzt werden, welche Captchas lösen können. Der Rest kann sich nicht vermehren, weil sie sich nicht auf Online-Datingplattformen anmelden können, und dann verhungern sie, weil sie auch keine Pizza im Internet bestellen können.
Und so wird es in einigen Generationen nur noch Captcha-fähige Menschen geben. Die bis dann allerdings abgeschafft sind, weil man sich in Zukunft biometrisch identifizieren wird.
Shit happens. 🤷‍♀️
2508
Melden
Zum Kommentar
olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder
28.07.2019 09:51registriert June 2017
Nichts für ungut, aber dieser Text wirkt auf mich, als wäre er von einer Maschine geschrieben worden.
2226
Melden
Zum Kommentar
55

17 verdammt nervige Dinge, die nur am Morgen passieren

Es gibt ja angeblich Menschen, die sich aus freiem Willen als Morgenmenschen sehen. Offenbar handelt es sich dabei um Individuen, die von jenen morgendlichen Tücken verschont bleiben, die Normalsterbliche nur zu gut kennen.

Viele kleinere Missgeschicke sind objektiv betrachtet kaum der Rede Wert. Ein Bleistift-Chribbel im Reinschreibheft des Lebens, quasi. Doch wie so oft im Leben ist der Kontext Trumpf. Denn diese vermeintlichen Bleistift-Chribbel entpuppen sich am Morgen, der ohnehin schon von Aufsteh-Qualen, Stress und Verzweiflung geprägt ist, als monumentaler Edding-Vandalismus.

So. Genug mit fadenscheinigen Allegorien. Ihr versteht, um was es geht. Morgen sucks. Und diese 17 Bilder beweisen es.

(jdk)

Artikel lesen
Link zum Artikel