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Der Staats-Trojaner Pegasus kam über Lücken in WhatsApp und Apples iMessage auf Smartphones.
Der Staats-Trojaner Pegasus kam über Lücken in WhatsApp und Apples iMessage auf Smartphones.Bild: Shutterstock

WhatsApp-Chef über Pegasus-Enthüllungen: «Das betrifft uns alle»

Polizeibehörden und Geheimdienste weltweit nutzen die mächtige Spionage-Software Pegasus der israelischen Firma NSO, um Kriminelle, Terroristen, aber auch Journalisten und Oppositionelle auszuspähen.
24.07.2021, 20:4525.07.2021, 14:31

WhatsApp-Chef Will Cathcart hat Enthüllungen zur Überwachungssoftware Pegasus der israelischen Firma NSO als «Weckruf» bezeichnet. «Mobiltelefone sind entweder für jeden sicher oder sie sind nicht für jeden sicher», sagte er der britischen Zeitung «The Guardian» am Samstag. «Wenn das Journalisten auf der ganzen Welt betrifft, wenn das Verteidiger von Menschenrechten auf der ganzen Welt betrifft, dann betrifft das uns alle.»

Zuletzt wurde von einem Journalistenkonsortium international darüber berichtet, dass mit dem Staats-Trojaner Pegasus Smartphones von zahlreichen Journalisten, Menschenrechtlern, Politikern und Geschäftsleuten ausgespäht worden sein könnten.

Das Programm Pegasus kann heimlich auf Handys installiert werden, ohne dass das Opfer etwas davon ahnt. Es reicht beispielsweise, wenn das betreffende Smartphone (iPhone oder Android) in die Nähe einer manipulierten Mobilfunkzelle gerät. Der eingeschleuste Trojaner kann danach alles auf dem Smartphone mitlesen und mithören, auch Nachrichten über verschlüsselte Messenger wie WhatsApp, iMessage, Threema oder Signal.

Die aktuellen Enthüllungen stimmten mit dem überein, was WhatsApp dem Trojaner-Hersteller NSO bereits 2019 vorgeworfen habe, erklärte Cathcart: Hochrangige Regierungsbeamte auf der ganzen Welt – darunter auch Personen in hohen Positionen der nationalen Sicherheit – seien bei einem Angriff auf 1400 WhatsApp-Nutzer im Jahr 2019 von Regierungen mit der Spionagesoftware ins Visier genommen worden.

Facebook, dem WhatsApp gehört, hatte NSO 2019 in den USA verklagt. Der Vorwurf lautet, NSO habe versucht, sich über eine später geschlossene Sicherheitslücke bei WhatsApp Zugriff auf Hunderte Smartphones zu verschaffen. Unter den Zielpersonen seien Journalisten, Anwälte, Dissidenten, Menschenrechtler, Diplomaten und Regierungsbeamte gewesen. NSO wehrt sich vor Gericht. Die Firma betont, dass Verträge mit Kunden wegen des Verdachts von Menschenrechtsverletzungen gekündigt worden seien.

Die NSO Group behaupte, dass eine grosse Anzahl von Regierungen ihre Software kaufe, sagte Cathcart. «Das bedeutet, dass diese Regierungen (...) das finanzieren.»

Die NSO Group warf dem WhatsApp-Chef vor, absichtlich irreführend zu sein. Ihre Produkte, die an «sicherheitsüberprüfte» ausländische Regierungen verkauft würden, könnten nicht für Cyberüberwachung in den USA verwendet werden, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. «Keinem ausländischen Kunden wurde jemals eine Technologie gewährt, die es ihm ermöglichen würde, auf Telefone mit US-Nummern zuzugreifen.» Die NSO Group habe zudem keinerlei Einblick in die Daten ihrer Kunden.

Die NSO Group verkauft ihre Überwachungssoftware mit dem Segen der israelischen Regierung an ausländische Polizeibehörden und Geheimdienste, laut den Recherchen auch an autokratische Staaten, die mit der Software Oppositionelle überwachen.

Eine offene iMessage-Lücke wurde zuletzt zur heimlichen Installation von Spyware der NSO Group genutzt, wie aus dem forensischen Bericht von Amnesty International hervorgeht. Sicherheitsforscher konnten die Spionagesoftware auf iPhones zwischen 2016 bis heute nachweisen. Der Fokus bei der Analyse der Sicherheitsforscher lag auf iOS-Geräten, weil bei Android nur wenige forensische Spuren nach einem Neustart zu finden sind.

Lesetipp: Die Recherche zu Pegasus: Wie eine israelische Firma eine Software erfand, um die Smartphones von Kriminellen und Terroristen auszuspähen – und wie diese Software weltweit als Waffe gegen Menschenrechtler und Oppositionelle missbraucht wird.

(oli/sda/dpa)

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Maragia
24.07.2021 20:53registriert April 2016
"Es reicht beispielsweise, wenn das betreffende Smartphone (iPhone oder Android) in die Nähe einer manipulierten Mobilfunkzelle gerät."
Kann das jemand erklären, der sich mit der Materie auskennt? Wenn das so wäre, müsste doch der Sender ein "Programm" an die Handys übermitteln (geht das denn überhaupt durch den Datentransfer/Funk einfach so?) und dann auf dem Handy die App aktiveren. Wenn das wirklich so ist, dann hast du ja gar keine Chance mehr, wenn du mal in Russland oder China warst, ohne den Hack nach Hause zu gehen..
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Füürtüfäli
24.07.2021 23:44registriert März 2019
Nein! Doch! Oh….

Ist doch schon seit 2013 als Snowden die Informationen über PRISM und co. geleakt hat bekannt. Wenn irgendwer gedacht hat, dass sich seither auch nur irgendwas (in Richtung weniger Spionage / Bespitzelung) geändert hat, lebt in einer Traumwelt.
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N. Y. P.
24.07.2021 21:43registriert August 2018
Die NSO Group habe zudem keinerlei Einblick in die Daten ihrer Kunden.

Lächerlich, diese Behauptung. Wer die Software der NSO Group kauft, hat den Mossad im Boot. Der Mossad gilt als einer der bestinformierten Geheimdienste der Welt.
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