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Apple Inc. CEO Tim Cook gestures to the audience as he closes the company's World Wide Developers Conference keynote in San Francisco, California, U.S., June 13, 2016. REUTERS/Stephen Lam

Er wäscht seine Hände in Unschuld: Steve Jobs' Nachfolger Tim Cook ist einer der mächtigsten Wirtschaftsführer der Welt.  Bild: STEPHEN LAM/REUTERS

Kommentar

Apple muss bluten. Und zwar richtig!

Dem iPhone-Hersteller drohen in Europa Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe. Das ist zwar ein Anfang, doch bis zu mehr Steuergerechtigkeit ist es noch ein weiter Weg.



Wer meine Apple-Berichterstattung verfolgt, weiss, dass ich kein «Hater» bin. Aber genug ist genug.

An diesem prächtigen Sommertag erreicht uns aus Brüssel die Nachricht, dass dem iPhone-Hersteller eine saftige Steuernachzahlung droht.

Hintergrund sind EU-Ermittlungen, die gegen Irland, Luxemburg und die Niederlande laufen. Die drei Länder könnten – so der naheliegende Verdacht – mehreren multinationalen Konzernen illegale Steuervorteile eingeräumt haben.

Setzt sich die EU-Kommission durch, dann muss der US-Konzern laut Schätzungen bis zu 19 Milliarden Dollar blechen. Das klingt nach viel, ist aber für das reichste Unternehmen der Welt ein läppischer Betrag, wie wir gleich sehen.

Aber die anderen tun es doch auch!

Von den Steuernachzahlungen betroffen sind unter anderem auch Starbucks und Fiat.

Da ich aber weder ein «Mocha Cookie Crumble Frappuccino»-Fan bin, noch mich für italienische Automobile begeistere, geht es in dieser Wutschrift um den Apfel-Konzern.

«Steueroptimierung» ist nicht verboten, so what?

Gegenfrage: Wer sonst, wenn nicht Apple soll mit gutem Beispiel vorangehen und «ehrlich» Steuern bezahlen? Etwa Samsung? HTC? Sony? Huawei? Xiaomi? Microsoft? Google?

Nun gut. Neben den erfolgreichen Hardware- und Software-Herstellern sollte natürlich auch der mächtigste Internet-Konzern dem Staat abliefern, was ihm wirklich zusteht. Sonst ist der langjährige Firmenslogan «Don't be evil» keinen Cent mehr wert. (Update: oder auch der neue Slogan, «Do the right thing».)

Spass beiseite: In der Pflicht stehen alle multinationalen Konzerne. Aber: Kein anderes Unternehmen inszeniert sich nur annähernd so geschickt wie Apple und erobert damit neben den Portemonnaies auch die Herzen der Nutzer.

Saudi Arabia's Deputy Crown Prince Mohammed bin Salman (R) meets Apple Inc. CEO Tim Cook in New York, U.S., June 24, 2016. Picture taken June 24, 2016. Bandar Algaloud/Courtesy of Saudi Royal Court/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. FOR EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVE.

Tim Cook mit dem saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Bild: HANDOUT/REUTERS

Bei allem Wohlwollen für das iPhone und andere Apple-Produkte, die uns privat und beruflich begleiten: Wie können wir unseren Kindern und späteren Generationen erklären, dass wir dem Gebaren der «Steuervermeider» tatenlos zugesehen haben? Dass wir nichts tun wollten gegen die Gier, sondern im Gegenteil angesteckt wurden und auch zu profitieren versuchten?

Schuld sind die Regierungen?

Es darf keine Entschuldigung sein, dass Apple und Co. offenbar nicht nur aus ureigenem, marktwirtschaftlichem Antrieb Steuern vermeiden, sondern dazu animiert werden. Ob durch eine offenbar illegale Praxis, ausländische Konzerne mit Steuererleichterungen anzulocken – hallo Irland, Luxembourg und Niederlande! – oder durch andere Schritte (siehe Box).

USA drohen Europa

Kurz vor der Entscheidung in den Steuerermittlungen der EU-Kommission schickte die US-Regierung eine ungewöhnlich scharfe Warnung nach Brüssel und drohte mit nicht näher beschriebenen Gegenmassnahmen.

Das US-Finanzministerium will laut Fachleuten die hohen Nachzahlungen verhindern, weil es selbst davon betroffen ist. Denn die US-Konzerne können in ihrem Heimatland Gutschriften für im Ausland gezahlte Steuern einfordern. Sprich: Die eigenen Steuereinnahmen sänken.

Apple betonte stets, man halte sich an alle gesetzlichen Regelungen und wende keine Steuertricks an. Zugleich bringt der iPhone-Konzern – wie auch viele andere amerikanische Unternehmen – seine Auslandsgewinne nicht in die USA, weil bei ihnen ein hoher Steuersatz von rund 40 Prozent drohe. Ein grosser Teil davon fliesst über Irland. (dsc/sda)

Was interessiert es mich, als Bürger eines europäischen Landes, dass die US-Regierung den US-Konzernen (im Ausland) aus wirtschaftspolitischen Gründen den Rücken stärkt?

Wir sollten uns nicht einschüchtern lassen!

Ist es wirklich so schlimm?

Wer sich für die raffinierte (und legale) Steuervermeidung von Apple interessiert, kann bei Spiegel Online nachlesen. In diesem Beitrag von 2013 sind die Tricks beschrieben.

  1. Schaffe dein Geld ins Ausland
  2. Zahle weder zu Hause noch irgendwo sonst Steuern*
  3. Sichere dein Steuersparmodell nach allen Seiten ab

* Das gilt für die Firmenkonstrukte, mit denen der Löwenanteil der Profite in fragwürdigen Steueroasen gehortet wird. Apple stellt sich derweil als der «grösste Steuerzahler der Welt» dar.

Apples Geld-Reserven (in Millionen Dollar)

Bild

Was wir tun können

Gegen die US-Wirtschaftspolitik sind wir machtlos, aber nichts hindert uns daran, die Politik unseres Landes zu beeinflussen. Wer nicht wählt, wählt definitiv die Steuervermeider.

Abgesehen vom Wahl- und Abstimmungszettel führt nur ein Weg in die Schaltzentralen börsenkotierter Tech-Konzerne, und das ist der Weg über das Portemonnaie. Die Konsumentinnen und Konsumenten haben es in der Hand, mit ihren Kaufentscheiden eine unüberhörbare Botschaft zu senden.

Oder kommt Apple aus eigenen Stücken zur Einsicht?

Und wie geben die Superreichen ihr Geld aus?

Zum Beispiel für die Luxusyacht Galactica Super Nova

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