Digital
Wirtschaft

Darum droht Facebook und Mark Zuckerberg die «Mutter aller Klagen»

epa08925051 (FILE) - Chairman and CEO of Facebook Mark Zuckerberg returns from a short break while testifying before the US House Financial Services Committee hearing on 'An Examination of Facebo ...
Facebook zahlte in einem Rekordvergleich von 5 Milliarden US-Dollar mit einer US-Aufsichtsbehörde angeblich zu viel, um Zuckerberg nach dem Cambridge-Analytica-Skandal zu schützen.Bild: keystone

Darum droht Facebook und Mark Zuckerberg die «Mutter aller Klagen»

In einer am Dienstag publik gemachten Klageschrift werden schwerste Vorwürfe gegen die Konzernleitung und Top-Investoren erhoben. Ein fast schon vergessener Datenskandal holt die Verantwortlichen ein.
21.09.2021, 18:5921.09.2021, 19:00
Mehr «Digital»

Der Facebook-Führung um Gründer Mark Zuckerberg droht gewaltiges Ungemach. Im August sei im US-Bundesstaat Delaware von der Öffentlichkeit fast unbemerkt die «Mutter aller Klagen» gegen das weltgrösste soziale Netzwerk eingereicht worden, schrieb Jason Kint vom Branchenverband Digital Content Next (DCN) am Dienstag auf Twitter.

Laut eines Auszugs aus der Klageschrift gehören u.a. CEO Mark Zuckerberg, Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, WhatsApp-Mitgründer Jan Koum sowie Peter Thiel (erster Investor und Vorstandsvorsitzender der umstrittenen Datenfirma Palantir) zu den Beklagten. Den Führungskräften wird unter anderem vorgeworfen, die Privatsphäre und die Daten der Facebook-User nicht geschützt zu haben.

Im Detail werfen die Kläger Facebook eine lange Liste von Vergehen vor: So habe die Federal Trade Commission (FTC), eine unabhängig arbeitende Bundesbehörde, in einem früheren Fall in einem Vergleichsentwurf Mark Zuckerberg namentlich genannt, was dem Facebook-Chef «alle möglichen Probleme verursacht hätte», schreibt Kint.

Facebook habe darauf Milliarden gezahlt, um Zuckerberg vor einer persönlichen Haftung zu schützen und seinen Namen rauszuhalten. Das sei möglich gewesen, da Zuckerberg den Facebook-Verwaltungsrat selbst kontrolliere.

In der neuen, mehrere hundert Seiten umfassenden Klageschrift, ist die Rede von «epischem Versagen der Unternehmensführung». Zudem wird bekannten Führungskräften und Investoren Insiderhandel vorgeworfen. Dazu kommen laut Kint Dokumente, die belegen sollen, dass Zuckerberg mit Aussagen bei Anhörungen zum Cambridge-Analytica-Datenskandal den US-Kongress getäuscht haben soll.

Die ursprüngliche Investorenklage war aufgrund des Cambridge-Analytica-Skandals eingereicht worden.

In dieser Klage geht es um Millionen gestohlener und verkaufter Datensätze von Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern und die Frage, ob die Konzernführung korrekt und im Sinne der Investoren handelte. Die neue Klage enthalte «mehr Details als alles, was ich bisher gesehen habe», schreibt Kint.

Die ursprüngliche und die neue Klage «gehen gemeinsam den Vorwürfen auf den Grund, wie die Plattform ihre Marktmacht erlangt hat, wie sie gegen die FTC-Zustimmungsvereinbarung von 2012 verstossen hat und wie sie Datenverluste vertuscht und nicht offengelegt hat», schreibt Kint.

Die neue Klage sei bislang nicht bemerkt worden, weil die zuständige Behörde in Delaware ein «Vermögen pro Dokument verlangt, was die öffentliche Wahrnehmung einschränkt», schreibt Kint. Die neue Klage sei quasi wie bei einem Hütchenspiel versteckt worden, aber er sei den Brotkrümeln gefolgt, bis er sie aufgespürt habe.

Hinter den Klagen gegen Facebook stehen mehrere einflussreiche US-amerikanische Aktionärsgruppen.

In einem weiteren Tweet wies Klint am Dienstag auf eine folgenschwere juristische Niederlage des Facebook-Konzerns im Februar dieses Jahres hin. Da verlor das Unternehmen den Kampf um die Zurückhaltung von Dokumenten.

Die Niederlage vor einem Gericht in Delaware führte dazu, dass das Unternehmen brisante Aufzeichnungen mit interner Kommunikation an Dritte aushändigen musste.

Von Facebook liegt keine Stellungnahme vor.

Cambridge Analytica war eine 2014 von der britischen SCL Group gegründetes Datenanalyse-Firma, die für den grössten Skandal in der Geschichte von Facebook sorgte

Der zum britischen «Guardian» gehörende «Observer» und die «New York Times» deckten 2018 auf, dass die Firma über eine vermeintlich wissenschaftliche App unrechtmässig Daten von über 80 Millionen Facebook-Usern beschafft hatte.

(oli/dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mit diesen Facebook-Ads wurden die US-Wahlen manipuliert
1 / 7
Mit diesen Facebook-Ads wurden die US-Wahlen manipuliert
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Cambridge Analytica: Der Skandal einfach erklärt
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
15 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Pulmoll
22.09.2021 07:21registriert Mai 2021
Wäre ein weiterer Grund sich endgültig aus Facebook/Instagram/Whatsapp auszuklinken. Aber ich schaffs irgendwie nicht – zu abhängig.
264
Melden
Zum Kommentar
avatar
HeDicht
22.09.2021 07:33registriert September 2019
Das wird interessant und hört sich nach viel Ärger für FB an 👌🏻
210
Melden
Zum Kommentar
15
Tesla rudert zurück und ändert den Namen seines Fahrassistenten «Full-Self-Driving»
Selbstfahrende Autos hat Tesla-Chef schon vor Jahren versprochen. Doch der grosse Durchbruch blieb aus. Das schlägt auch auf den Namen des Fahrerassistenzsystems durch.

Tesla hat die Bezeichnung für seinen «Autopiloten» FSD (Full-Self-Driving) geändert und weist nun explizit bereits im Namen darauf hin, dass er jederzeit überwacht werden muss. Neu lautet die Bezeichnung «Supervised Full-Self-Driving» («Überwachtes selbstständiges Fahren»). Denn FSD bedeutet keineswegs, dass das Auto per Knopfdruck das Steuer übernimmt und sich der Mensch auf dem Fahrersitz gemütlich zurücklehnen kann.

Der Musk-Konzern scheint damit nach jahrelanger Kritik an der Bezeichnung «vollständig selbst fahrend» einzugestehen, dass es sich bei der angepriesenen Technologie um nichts mehr als einen fortschrittlichen Fahrassistenten handelt.

Zur Story